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1918 - Neue Weltordnung und demokratischer Aufbruch?

Journal für politische Bildung 1/2018

Bestellnummer: JpB1_18 (Print) / 40662 (PDF)
unter Mitarbeit von: Aleida Assmann, Michele Barricelli, Wiltrud Gieseke, Ulrike Guérot, Anita Haviv-Horiner, Patricia Hladschik, Nausikaa Schirilla, Sigrid Steininger, Volker Weiß
Erscheinungsjahr: 2018
Seitenzahl: 88
ISBN: JpB1_18 (Print) / 978-3-7344-0662-1 (PDF)
Reihe: Journal für politische Bildung
Neuheiten: Neuerscheinung

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1918 - Neue Weltordnung und demokratischer Aufbruch?

Über das Buch

Ob der Erste Weltkrieg nun als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ (George F. Kennan) oder Auftakt zur „Weltkriegs­epoche“ (Fritz Fischer) interpretiert wird, ist weiterhin umstritten. Weniger sind es Fakten und Auswirkungen: Der Erste Weltkrieg kostete knapp 20 Millionen Menschen das Leben, führte zur Auflösung mehrerer Großmächte und zur Bildung zahlreicher neuer Staaten – nun als Demokratien. Im Zentrum der oft auch nach Kriegsende anhaltenden Auseinandersetzungen stand oftmals der Streit um die Form der Demokratie (parlamentarische, Rätedemokratie oder kommunistisches System), der vor allem aus dem Interesse am Fortbestand oder am (Wieder-)Aufstieg der eigenen Nation gespeist wurde. Es entstanden post-monarchische politische Systeme, von republikanischen Ideen geprägte Demokratien, jedoch keineswegs das von demokratischen Gesellschaften erhoffte friedliche Miteinander der Völker der Welt.

Im Angesicht der drohenden militärischen Niederlage wurde am 28. Oktober 1918 für Deutschland der Übergang von einer konstitutionellen zu einer parlamentarischen Demokratie beschlossen. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg in die Demokratie war die Einführung des Wahlrechts für alle Frauen und Männer ab 20 Jahre. Diese Entscheidung war noch während des Krieges immer wieder angekündigt, jedoch erst danach umgesetzt worden, auch um die Motivation für den Kriegseinsatz aufrecht zu erhalten, denn zum ersten Mal wurde die gesamte Bevölkerung in neuer Qualität in den Ablauf eines Kriegs einbezogen.

Die politische Kultur in Deutschland war 1918 in unterschiedliche sozial-moralische Milieus gespalten: in das höfisch-aristokratische, das bürgerlich-liberale, das katholisch-kleinbürgerlich-bäuerliche und das sozialdemokratisch-proletarische. Diese vier Milieus identifizierten sich in unterschiedlicher Weise mit dem neuen Staat und der neuen Gesellschaft. Grundsätzlich kann von einer gespaltenen politischen Kultur gesprochen werden, die auch von übersteigerten Erwartungen an die Politik geprägt war: die nationale Ehre sollte wiederhergestellt, die ökonomische Lage sollte stabilisiert, die soziale Frage sollte entschärft werden. Nach innen sollte die gesellschaftlichen Gruppen miteinander versöhnt und nach außen sollte die Nation glanzvoll repräsentiert werden. Gerade für die politische Bildung, insbesondere die historisch-politische, lohnt es sich, den Weg in die Demokratie und die folgenden Krisen bzw. deren Entwicklungen und Scheitern genauer in den Blick zu nehmen. Welche Errungenschaften bringt die Demokratie als Staatsform mit sich? Welche Prinzipien begleiten die Neuordnung der Staaten sowie die Bildung von Nationen? Wie entwickeln sich die Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und Gegnern der Demokratie? Weshalb konnten die neuen demokratischen Gesellschaften die mit ihnen verbundenen Hoffnungen nicht einlösen? Welche Entwicklungen führten dazu, dass die Skepsis gegenüber der Demokratie wuchs und autoritäre bzw. totalitäre Systeme politisch immer mehr Bedeutung erlangten?

In diesem Heft wird das Ende des Ersten Weltkriegs im November 1918 zum Anlass genommen, an die daraus folgende Neuordnung der Welt zu erinnern und sich mit den Auswirkungen dieses Ereignisses bis zum heutigen Tag zu beschäftigen. Die politischen Entscheidungen nach dem Waffenstillstand, in den Friedensverträgen, bei der Gründung des Völkerbunds haben bis in die Gegenwart für die politischen Debatten in Europa eine hohe Relevanz. Deshalb ist die Beschäftigung mit dieser Phase der Geschichte für die politische Bildung und ihre Auseinandersetzung mit aktuellen Entwicklungen sehr wichtig – insbesondere, wenn im Jahr 2018 neurechte Vordenker und prominente Regierungspolitiker eine erneute „konservative Revolution“ für Deutschland einfordern und damit direkt – wenn auch vielleicht aus historischem Unwissen – auf die Abschaffung der Demokratie in der Weimarer Republik rekurrieren.

Inhaltsübersicht

 


Inhalt

 

MitDenken

4    Nausikaa Schirilla
DämonisierungAusgrenzungIdentität
Ein Blick in die gesellschaftlichen Prozesse

 

SchwerPunkt
1918 – Neue Weltordnung und
demokratischer Aufbruch?


10    Aleida Assmann
1918 – Auf dem Weg zu einer
europäischen Erinnerung?

16    Michele Barricelli
Hundert Jahre nach dem demokratischen
Neuanfang in Deutschland
Eine unsichere, eine wichtige Erinnerung

26    Volker Weiß
„Die Neue Front“. Die „revolutionäre“
Neuausrichtung des Nationalismus nach 1918

32    Sigrid Steininger, Patricia Hladschik
Die „Achter-Jahre“ und die österreichische
Geschichte
2018 als Jahr des Gedenkens,
Erinnerns und Feierns

38    Ulrike Guérot
Wer wird für die europäische Demokratie
streiten?
Ein Essay zur Zukunft unseres Zusammenlebens

 

ZeitZeugen

46    Wiltrud Gieseke
1918 – demokratischer Aufbruch
und Bildung

 

BildungsPraxis

50    Ole Jantschek
Das HISTORY SummerCamp als handlungs-
orientierter Zugang zur Erinnerungskultur
Projektskizze von Miriam Menzel

1918 – 2018
Diversitätsbewusste Bildung zu Geschichte
und Erinnerung

 

MitDenken

4    Dämonisierung der „Anderen“
Migrant/-innen verfügen über vielfältige Identitäten,
ihnen wird aber eine einheitliche, meist problematische
und ethnisch oder kulturell kodierte Identität zugeschrie-
ben. Ignoriert nicht der Verweis auf Fremdheit vor allem
auch Gemeinsamkeiten?

 

SchwerPunkt

10    Perspektiven gesamteuropäischer Erinnerung
Gedenktage holen Vergangenheit in die Gegenwart,
um sie neu zu inszenieren, zur Wiederbesichtigung
anzubieten und neu zu bewerten. Aleida Assmann un-
tersucht die Frage, ob das Gedenkjahr 2018 als Motor
politischen Handelns dienen kann.

 

SchwerPunkt

16    1918 in die Gegenwart holen
Ansatzpunkte historischen Lernens im Kontext des
Jahres 1918 skizziert der Münchner Didaktiker Michele
Barricelli, wenn auch unter erschwerten Bedingungen:
„Der Erste Weltkrieg galt in Deutschland bereits im Jahre
2014 wieder als abgearbeitet“.

 

 

SchwerPunkt

22    Renaissance antidemokratischer Weltanschauung?
„1918“ verhalf einer modernen Rechten zum Durch-
bruch, deren revolutionäre Dynamik der Demokratie zum
Verhängnis werden sollte, konstatiert Volker Weiß. Der
Historiker sieht Parallelen zu heute.

 

ZeitZeugen

46    Wiltrud Gieseke
Das Wahlrecht für Frauen war 1918 eine große Er-
rungenschaft – flankiert durch eine Revolution in der
Erwachsenenbildung. Seniorprofessorin Wiltrud Gieseke,
Erwachsenenpädagogin an der Humboldt-Universität zu
Berlin, berichtet über Aufbruch und Wirkungen.

 

 

BildungsPraxis

50    100 Jahre Zeitreise – aber innovativ, bitte
Historisch-politische Bildung beschäftigt sich auch mit weit
zurückliegenden Ereignissen und Wendepunkten. Wie ist
ein Thema zu bearbeiten, das fern in der Geschichte liegt
und kaum mehr mit Anknüpfungspunkten im eigenen
Lebensumfeld verbunden ist?

 


1/2018

 

 

VorGänge

60    Aktuelle Aufrufe, Interviews und Stellung-
nahmen des bap / Demokratieförderung und
politische Bildung / Projekt „Empowered by
Democracy” / Jahrestagung der Transferstelle
politische Bildung / v.f.h.: Demokratieförderung
aus Leidenschaft

 

LeseZeichen

68    Widerstand – ein Schlüsselbegriff politischer
Bildung? / Geschlecht als sozialer Platzanweiser
/ Das Politische in sozialen Lernprozessen /
Vorurteile, Empowerment und (selbst)kritische
Refl exion / Ernest Jouhy: Widerspruch und
Widerstand

 

ÜberGrenzen

76    Anita Haviv-Horiner
Grenzen-los? Persönliche Erfahrungen
im deutsch-israelischen Dialog

 

AusBlick

82    Netzwerk Demokratie/Geschichte 2018/19
Modellprojekt jugendgemäßes Erinnern
Aktionstage Netzpolitische Bildung
Jugendopposition in der SBZ/DDR
Deutscher Weiterbildungstag 2018
Personen & Organisationen
Veranstaltungen

 

 

 

 

 

 

 

 

Zu den Autoren

Aleida Assmann
Prof. em. Dr., war von 1993 bis 2014 Professorin für Anglistik und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz und bekleidete zahlreiche Gastprofessuren im In- und Ausland. Ihre Forschungsinteressen umfassen u.a. individuelles und kulturelles Gedächtnis sowie Gewalt, Trauma und vergleichende Geschichtspolitik.

Michele Barricelli
Prof. Dr., ist Inhaber des Lehrstuhls für Didaktik der Geschichte und Public History an der LMU München. Seine Lehr- und Forschungsinteressen umfassen u.a. Erinnerungskultur in der Migrationsgesellschaft und Konzepte einer historisch-politisch fundierten Demokratieerziehung.

Wiltrud Gieseke
Prof. Dr., hatte den Lehrstuhl für Erwachsenenpädagogik an der Humboldt-Universität zu Berlin inne und ist dort seit 2013 Seniorprofesorin.

Ulrike Guérot
Prof. Dr., ist Professorin an der Donau-Universität Krems und Leiterin des dortigen Departments für Europapolitik und Demokratieforschung. Zudem ist sie Gründerin
des European Democracy Labs in Berlin. Im Wintersemester 2017/18 hatte sie die Alfred-Grosser-Gastprofessur an der Goethe-Universität Frankfurt inne.

Anita Haviv-Horiner
in Wien geboren, ist die Tochter von Holocaustüberlebenden. 1979 Einwanderung nach Israel; Studium der Literaturwissenschaft an der Universität Tel Aviv; langjährige Tätigkeit in der politischen Bildung und im israelisch-deutschen Dialog u. a. in Museen und Gedenkstätten. Durch ihre Workshops, Vorträge, Beratungsarbeit und Publikationen hat sie sich als eine der führenden Expertinnen in diesem Themenbereich etabliert.

Patricia Hladschik
Mag. Dr., ist Geschäftsführerin von Zentrum polis – Politik Lernen in der Schule sowie Co-Geschäftsführerin des Ludwig Boltzmann Instituts für Menschenrechte in Wien. Sie ist im Vorstand der ältesten Menschenrechtsorganisation Österreichs, der Österreichischen Liga für Menschenrechte.

Ole Jantschek
M.A., ist Referent für politische Jugendbildung und Pädagogischer Leiter bei der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung (et) in Berlin. Seit Frühjahr 2017 ist er zudem Teil der erweiterten JOURNAL-Redaktion.

Miriam Menzel
ist Beraterin und Projektleiterin für historisch-politische Bildungsangebote bei der KOOPERATIVE BERLIN.

Nausikaa Schirilla
Dr. phil. habil., ist Professorin für Soziale Arbeit, Migration und Interkulturelle Kompetenz an der Katholischen Hochschule Freiburg.

Sigrid Steininger
Mag., MBA, ist stellvertretende Leiterin der Abteilung „Unterrichtsprinzipien und überfachliche Kompetenzen“ im österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, zuständig für politische Bildung. Sie studierte Geschichte an der Universität Wien.

Volker Weiß
Dr., Historiker und Autor, arbeitet zur Ideengeschichte der Moderne, der Genese einer modernen Rechten und der Geschichte des Antisemitismus. Als Journalist publiziert er regelmäßig in Die ZEIT, ZEIT Geschichte und Jungle World.

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