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Bildungsverweigerung

Herausforderungen für die politische Bildung

Bestellnummer: ku2-08
Erscheinungsjahr: 2008
Seitenzahl: 84
ISBN: ku2-08
Reihe: kursiv - Journal für politische Bildung
Format: Broschur

Verfügbarkeit: lieferbar

5,00 €
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Bildungsverweigerung

Über das Buch

Bildung ist ein normativ positiv besetzter Begriff. Dass es „Bildungsbenachteiligte“ gibt, wird in der Wissenschaft seit langem als Pro-blem gesehen und seit PISA auch politisch in Deutschland wieder stärker diskutiert. Aber auch in diesem Begriff schwingt die Vorstellung mit, dass Bildung etwas ist, wonach man selbstverständlich strebt und wo es eben als Benachteiligung empfunden wird, wenn Zugänge erschwert oder versperrt werden.Unser Themenschwerpunkt wirft ein etwas anderes Licht auf mangelnde oder fehlende Bildungsbeteiligung. Wir fragen nach den Gründen für ein Phänomen, das wohl allen in der pädagogischen Praxis Tätigen bekannt ist, über das aber gleichwohl kaum gesprochen wird: die Verweigerung von Bildung durch die Adressaten selbst. In der außerschulischen Bildung wird sie meist in der Nicht-Teilnahme an Bildungsangeboten ihren ersten Ausdruck finden, in der Schule wohl eher in einer „inneren Emigration“ bzw. in der Weigerung von Schülerinnen und Schülern, sich auf diese Bemühungen und Angebote der Institution und der Lehrenden innerlich einzulassen.
Ludwig Duncker spricht hier von einem „übersehenen Problem der Didaktik“. Es fällt ja professionellen Pädagogen aus sehr nachvollziehbaren Gründen auch nicht leicht, sich diesem Problem zu stellen. Tilman Grammes schrieb einmal (in dem von Kerstin Pohl herausgegebenen Interviewbuch zur Politikdidaktik), lesefeindliche Studierende verunsicherten ihn zutiefst. Diese Verunsicherung oder zumindest Irritation werden viele Lehrende in vielen Kontexten aus eigener Erfahrung kennen – es fällt schwer, sich auf die Ablehnung dessen, was man selbst für so bedeutsam hält, dass man seiner Vermittlung den eigenen Beruf gewidmet hat, ernsthaft einzulassen oder sie gar produktiv wenden zu wollen. Daneben zeigt das Beispiel von Grammes, dass Bildungsverweigerung selbst in den Institutionen, die in der Hierarchie der Bildungseinrichtungen ganz oben stehen, kein unbekanntes Phänomen ist.Da wir wissenschaftlich wenig Gesichertes über Bildungsverweigerung und Möglichkeiten eines produktiven Umgangs mit ihr wissen, nähern die meisten Beiträge sich dem Thema eher tastend und suchend. Hat diese Verweigerung nicht auch gute Gründe für sich? Gibt es nicht nachvollziehbare Motive dafür, sich etwa dem lebenslangen Zwang zum Weiterlernen zu entziehen? Enthält Bildungsverweigerung Botschaften, bietet sie gar, wenn man ihr subjektiven Sinn unterstellt, ganz eigene Chancen für die politische Bildung? Mit Fragen dieser Art befassen sich die Beiträge im Schwerpunkt.Im Forum stellen wir Ergebnisse einer Studie zur demokratischen Beteiligung an sächsischen Schulen vor. Ein weiterer Beitrag setzt sich kritisch mit dem Stereotyp der „unpolitischen Jugendlichen“ auseinander und fragt nach jugendkulturellen Partizipationsformen.
http://www.kursiv-journal.de/

Inhaltsübersicht

Editorial
Szene

Schwerpunkt: Bildungsverweigerung. Herausforderungen für die politische Bildung
Ludwig Duncker: Bildungsverweigerung – Ein übersehenes Problem der Didaktik?
Benedikt Sturzenhecker: „Bildungsverweigerung“ als Chance politischer Jugendbildung.
Roland Reichenbach: „Nichts aus sich machen“: Postpolitik und passiver Nihilismus
Axel Bolder: Bildungsverweigerung als Lebensstil? Sozialstrukturelle Kontexte des Widerstands gegen Bildung
Daniela Holzer: ... und wer will schließlich lebenslänglich?

Forum
Kerstin Dümmler, Frank Reichert: Politische Bildung ohne demokratische Beteiligung? Eine Untersuchung an sächsischen Schulen
Philipp Lorig, Waldemar Vogelgesang: Unpolitische Jugend? Jugendliche Lebenswelten als politisch-partizipatorische Lernfelder

Services Fachliteratur
... und außerdem

Zu den Autoren

D. Axel Bolder, Rer. Pol. und Dipl.-Volkswirt (soz.wiss. Richtung), ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Berufs- und Weiterbildung der Universität Duisburg- Essen, FB Bildungswissenschaften

Dr. Ludwig Duncker ist Professor für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Pädagogik des Primar- und Sekundarbereichs an der Justus-Liebig-Universität Gießen

Kerstin Dümmler, Diplom-Soziologin, Doktorandin im Schweizer Forschungsprogramm „Religionsgemeinschaften, Staat und Gesellschaft“ am Zentrum für sozialwissenschaftliche Analysen (MAPS)

Dr. Daniela Holzer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft der Karl-Franzens-Universität Graz, Fachbereich Weiterbildung

Philipp Lorig ist Diplomsoziologe und zur Zeit Mitarbeiter im Forschungsprojekt ‚Lebensqualität in der Stadt Luxemburg

Roland Reichenbach ist Professor für Pädagogik an der Universität Basel

Frank Reichert, Studium der Erziehungswissenschaften, Politikwissenschaft und Psychologie sowie Studentische Hilfskraft am Institut für Schul- und Grundschulpädagogik an der Technischen Universität Dresden

Dr. Benedikt Sturzenhecker, Dipl.-Päd., Supervisor (DGSV) und Mediator, ist Professor für Erziehung und Bildung mit dem Schwerpunkt „Jugendarbeit” an der FH Kiel, Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit. Arbeitsschwerpunkte: Jugendarbeit als Bildung, Konzeptentwicklung, Demokratiebildung, Jungenarbeit, Ehrenamt

Dr. habil. Waldemar Vogelgesang ist Privatdozent für Soziologie an der Universität Trier mit den Arbeitsschwerpunkten Jugend-, Medien- und Bildungssoziologie sowie Kultur- und Migrationsforschung. Er ist Mitbegründer der interdisziplinären Forschungsgruppe ‚Jugend- und Medienkultur‘