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Der Islam in der Politik

Bestellnummer: 4076
Autoren/Hrsg.: Uwe Andersen (Hrsg.)
unter Mitarbeit von: Volker Nienhaus, Stefan Reichmuth, Johannes Reissner, Faruk Sen
Erscheinungsjahr: 2003
Auflage: 1
Seitenzahl: 104
ISBN: 978-3-89974076-9
Reihe: uni studien politik
Format: Broschur

Verfügbarkeit: lieferbar

9,80 €
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Der Islam in der Politik

Über das Buch

Stefan Reichmuth: Thema Jihad – Die Muslime und die Option der Gewalt in Religion und Staat
Als Schlüsselbegriff für Einsatz und Kampf um der Religion willen steht der Jihad wieder einmal im Mittelpunkt der religiös-politischen Diskussion zum Islam. Das weite Feld seiner Bedeutungen reicht vom ethisch-moralischen Bemühen des Einzelnen bis hin zum Krieg des islamischen Staates gegen nicht-islamische Staaten und Gemeinschaften. Die Lehre vom Jihad wurde in starkem Maße von konkreten historischen Erfahrungen der Muslime bestimmt und lässt bis heute sehr gegensätzliche Deutungen zu. Ausgehend von militanten Tendenzen in der Jugendkultur der heutigen muslimischen Diaspora werden die wichtigsten Elemente der klassisch-islamischen Jihad-Doktrin in ihrem historischen Kontext behandelt. Schließlich geht es um die aktuellen politischen Ausdrucksformen dieser Doktrin in islamischen Staaten und Bewegungen.

Johannes Reissner: Islam als Faktor der Weltpolitik
Behandelt wird zunächst die Frage, wie der Islam als Faktor in der Weltpolitik konzeptionell zu fassen sei. Aus „dem Islam“ selbst das Verhalten von Muslimen erklären zu wollen, ihn quasi als Akteur zu verstehen, führt nicht weiter. Er wurde erst im Zuge der Auseinandersetzung mit dem kolonialistischen Europa zum Faktor der internationalen Politik. Als wichtigste Erscheinungsformen des „politischen Islam“ werden überblicksartig behandelt der Diskurs über den islamischen Staat, das vielfältige islamische Vereinswesens mit zivilgesellschaftlichem Charakter sowie der militante Islam und der islamistische Terrorismus. Im Interesse eines sinnvolleren Politik gegenüber Muslimen muss westliche Politik begreifen, dass sie schon seit langem wesentlicher Mitakteur in der islamischen Welt ist.

Volker Nienhaus: Islamische Wirtschafts-konzepte – Grundlagen, Anwendungen, Perspektiven
Obwohl fast alle islamischen Länder Entwicklungsländer sind, wäre es problematisch, dies allein auf zweifellos vorhandene „Wesenszüge“ islamischer Gesellschaften zurückzuführen. Eine viel größere Rolle spielen in dieser Hinsicht fehlende Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, ein geringes Bildungsniveau, die Abkoppelung von der internationalen Wissensgesellschaft sowie die Diskriminierung der Frau – alles keine ausschließlichen Kennzeichen islamischer Gesellschaften.
Obwohl sich islamische Wirtschaftskonzepte im Allgemeinen auf den Koran beziehen, stimmen sie in der Sache weitgehend mit christlich-westlichen Vorstellungen überein. Obwohl es einige nach der Staatsform islamische Republiken (z.B. Pakistan, Iran) und islamisch legitimierte Monarchien (z.B. Saudi-Arabien, Marokko) gibt, ist heute nirgends eine umfassende islamische Wirtschaftsordnung implementiert worden. Überall dominieren säkular-westliche Wirtschaftskonzepte, in die allerdings in einigen Ländern islamische Elemente inkorporiert worden sind. Dank islamischer Sozialeinrichtungen sind in den arabischen Ländern – trotz meist fehlender sozialer Sicherungssysteme – absolute Armut seltener anzutreffen als in anderen Entwicklungsregionen. Trotz anti-westlicher Agitation sollte sich der Westen nicht davon abhalten lassen, die islamischen Konzepte ernsthaft zu betrachten und ihr Reformpotenzial vor dem Hintergrund der autoritären Klientelsysteme islamischer Staaten zu würdigen.

Faruk Sen: Islamische Migration in der Bundesrepublik Deutschland –
integrationsfähig?
Muslime sind in den vergangenen Jahrzehnten zur zweitgrößten Religionsgemeinschaft in Deutschland mt. Seit einigen Jahren ist auch unter muslimischen Zuwanderern der Trend zur Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft gestiegen. Dies ist nur einer der Indikatoren dafür, dass sich Muslime auf ein dauerhaftes Leben in Deutschland eingerichtet haben. Weitere Indikatoren sind die Bemühungen, sich als Religionsgemeinschaft zu etablieren. Dies gilt für die lokale Ebene genauso wie für die landes- oder bundesweite. Diese Bemühungen zielen auf die qualitative Verbesserung des religiösen Lebens und die Gleichstellung als Religionsgemeinschaft ab. Hierzu gehört der Bau repräsentativer Moscheen, der Gebetsruf, die Berücksichtigung religiöser Belange im öffentlichen Leben, sowie die Bemühungen zur Einführung eines Religionsunterrichtes. Aktiv hierbei sind die zahlreichen Organisationen, die im Bereich des religiösen Lebens tätig sind. Der Prozess der Schaffung eigener, stabiler Strukturen dauert noch an. Begleitet wird er von Diskussionen und teilweise auch von Konflikten. Gerade letztere zeigen, wie wichtig der Dialog mit der Mehrheitsgesellschaft ist. Dort, wo er geführt wird, werden die Konflikte zumeist produktiv gelöst und tragen zu einer Integration der Muslime als Religionsgemeinschaft bei.

Inhaltsübersicht


Uwe Andersen: Einleitung: Konfliktherd Islam?

Stefan Reichmuth: Thema Jihad – Die Muslime und die Option der Gewalt
in Religion und Staat
Runde 1: Aktuelle Werbung für den kämpferischen Jihad in der islamischen Diaspora in Europa und USA im Internet
Runde 2: Jihad in Koran, Glaubenslehre und religiöser Gesinnung
Runde 3: Jihad zwischen nationaler Staatsräson und radikaler Opposition: Die Jihad-Lehre im 20. Jahrhundert

Johannes Reissner: Islam als Faktor der Weltpolitik
1. Konzeptionelle Aspekte
2. Erscheinungsformen des „politischen Islam“
3. Fazit

Volker Nienhaus: Islamische Wirtschaftskonzepte: Grundlagen,
Anwendungen, Perspektiven
1. Unterentwicklung der islamischen Welt
2. Grundlagen islamischer Wirtschaftskonzepte
3. Anwendungen islamischer Wirtschaftskonzepte
4. Perspektiven

Faruk Sen: Islamische Migration in der Bundesrepublik Deutschland – integrationsfähig?
1. Einleitende Bemerkungen
2. Demographische Situation
3. Glaubensrichtungen unter den Muslimen in Deutschland
4. Religiöse Orientierungen
5. Religiöse Infrastruktur
6. Moscheegemeinden
7. Dachorganisationen
8. Themen in der Diskussion
9. Die Frage des Religionsunterrichts
10. Schlussbemerkungen

Zu den Autoren

Dr. Uwe Andersen,
Professor für Politikwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum

Prof. Dr. Faruk Sen
Direktor der Stiftung Zentrum für Türkeistudien, Institut an der Universität Duisburg-Essen, Altendorfer Str. 3, 45127 Essen

Dr. Volker Nienhaus
Professor für Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftspolitik, Universität Bochum, 44780 Bochum

Dr. Stefan Reichmuth
Professor für Islamwissenschaft, Universität Bochum, 44780 Bochum

Dr. Johannes Reissner
Wissenschaftlicher Referent in der Forschungsgruppe Nah- und Mittelost und Afrika
der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), 10719 Berlin, Ludwigkirchplatz 3-4