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Direkte Demokratie

Bestellnummer: 4181
Autoren/Hrsg.: Peter Massing (Hrsg.)
unter Mitarbeit von: Sabine Achour, Markus Gloe, Florian Hartleb, Marcus Höreth, Eckhard Jesse, Ingo Juchler , Otmar Jung, Stefan Schieren
Erscheinungsjahr: 2005
Auflage: 1
Seitenzahl: 128
ISBN: 978-3-89974181-0
Reihe: politische bildung
Format: Broschur

Verfügbarkeit: lieferbar

19,80 €
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Direkte Demokratie

Über das Buch

Florian Hartleb/Eckhard Jesse: Direkte Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland: Positionen und Kontroversen
Die Positionen der Parteien in der Bundesrepublik zur direkten Demokratie haben sich im Laufe der Jahrzehnte zum Teil geändert. Während die Union nach wie vor gegen die Einführung plebiszitärer Elemente auf Bundesebene ist, findet die SPD inzwischen Gefallen daran. Was die wissenschaftlichen Kontroversen betrifft, so weichen die Auffassungen weit von einander ab. Die Autoren sprechen sich gegen Sachplebiszite auf Bundesebene aus, halten Personalplebiszite hingegen eher für sinnvoll. Insgesamt überschätzen Gegner wie Anhänger die Bedeutung solcher Reformen.
The positions of the parties in the Federal Republic of Germany on direct democracy have partly changed in the course of the decades. Where as the union is still against the introduction of plebiscitary elements on a federal level, the SPD meanwhile takes pleasure in it. What concerns the scientific controversies the positions differ widely. The authors turn against plebiscites concerning factual issues on a federal level, however they consider plebiscites concerning personal issues as rather efficient. Altogether the opponents as well as the supporters overestimate the significance of such reforms.

Otmar Jung: Direkte Demokratie auf Landes- und Kommunalebene
Alle Länder kennen Volksbegehren und Volksentscheid, alle Städte und Gemeinden Bürgerbegehren und Bürgerentscheid. Dass diese Instrumente unterschiedlich häufig genutzt werden, hängt mit den Verfahrensregeln zusammen; manche Hürden sind prohibitiv. Wo aber eine gewisse Praxis stattfindet – vor allem in Bayern und in Hamburg –, steigt die Responsivität der Politik im repräsentativen System. Probleme gibt es insbesondere bei den Finanzen, die auf Landesebene für Volksbegehren weit-gehend tabuisiert sind. Direkte Demokratie wird von den Bürgern sehr positiv eingeschätzt.
All states permit initiatives and referendums, all cities and municipalities introduced citizen votes. The fact that these instruments are used in different intensity is due to specific rules of their procedure; some hurdles are intentionally prohibitive. Nevertheless, in areas with greater use – specifically in Bavaria and Hamburg – the responsiveness of the policy makers in the representative system increases. Problems arise in particular with financial issues, which are largely taboo for referendums on a state level. Citizens, though, appreciate Direct democracy very much.


Stefan Schieren: Direkte Demokratie auf europäischer Ebene. Eine Chance gegen das Demokratiedefizit?
Das Demokratie- und Legitimationsdefizit der EU ist ein massives Hindernis auf dem Weg zu einer europäischen Verfassung oder sogar Union. Um es zu beseitigen, werden vielfältige Überlegungen angestellt, unter anderem die Einführung direktdemokratischer Verfahren. Doch sind diese dazu geeignet? Zunächst erfordert die Einführung direktdemokratischer Elemente auf EU-Ebene eine ganze Reihe von Vorüberlegungen, die das Instrument als solches betreffen, die Ziele, die verfolgt werden sollen, und die Voraussetzungen, die gegeben sein müssen, um sie einzuführen. Gegen die Einführung direktdemokratischer Elemente bestehen keine grundsätzlichen Bedenken. An sie sollten aber auch keine allzu großen Hoffnungen geknüpft werden, weil das Instrument Verwerfungen erzeugen kann. Werden einige Verfahrensregeln beachtet und die Voraussetzungen in der EU genau analysiert, lässt sich ein beschränkter Anwendungsbereich für die direkte Demokratie in Europa erkennen. Das wäre beileibe keine Revolution, aber auch ein wenig mehr als nichts.
The democratic deficit in the EU appears as a real obstacle on ist way to become a political union. Therefore politicians and scholars have developed some interesting ideas to tackle this problem. One suggestion is to implement plebicitarian democracy on the EU level. However this instrument is quite ambivalent. It has to be considered deliberately before implementation because, with regard to the specific conditions of policy making in the EU, it may cause more harm than good if wrongly constructed. Bearing this in mind with respect to a quite small number of issues plebiscitarian democracy on the EU level could diminish some problems of decision making in the EU, but therewith its democratic deficit will not disappear.

Markus Gloe: Direkte Demokratie – das Beispiel Schweiz
Die Schweiz, das „Mutterland der direkten Demokratie“ ist im Gegensatz zu anderen Ländern mit direkt-demokratischen Elementen das einzige Land, das wichtige Entscheidungen auf nationaler Ebene ohne prinzipielle Ausnahme – z.B. der nationalen Sicherheits- und Außenpolitik – der Volksabstimmung unterstellt. Drei bis vier Mal im Jahr werden im Augenblick nach intensiver öffentlicher Diskussion die Schweizerinnen und Schweizer aufgerufen über ein ganzes Bündel von nationalen, kantonalen und kommunalen Vorlagen.
Switzerland, „motherland of direct democracy“, differs from other countries, which contain elements of direct democracy, because of its consistant use of plebiscite. All important decisions of national belongings are subordinated to the popular referendum without any exception including for example questions about national security or foreign policy. After an intense public discussion all Swiss’ are called to vote on several national, cantonal and municipal presentations three or four times a year. The article illustrates the historical development of direct democratic elements in Switzerland beginning with the federal constitution of 1848 untill today. Besides it describes the referendum and the popular initiative, enumerates positive effects of direct democracy but shows critical aspects as well. At the end the article tries to find an answer, whether these elements of direct democracy in Switzerland can be transfered to other countries or represent a Swiss peculiarity.



Sabine Achour: Direkte Demokratie auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene: Kann Politikunterricht die zukünftigen Bürger und Bürgerinnen entsprechend qualifizieren?
Im Zeitalter ökonomischer Globalisierung und Europäisierung erscheint eine stärkere politische Mitbestimmung des Bürgers jenseits des Nationalstaats legitim: Mehr direkte Demokratie in einer globalisierten Welt? Der Bürger als politisch aktiver Staats-, EU- und Weltbürger? Über welche Kompetenzen aber müssen die zukünftigen Kosmopoliten verfügen, damit es zu einer sinnvollen politischen Willensbildung kommt? Notwendige Kompetenzen und die Möglichkeit ihrer Vermittlung durch die schulische politische Bildung werden anhand eines Unterrichtbeispiels dargestellt.
In the age of economic globalisation and european integration an intensified international political participation of citizens appears legitimate: more democracy by plebiscite? Poltically active citizens of a nation, a European Union, the world? Which skills do the cosmopolitans of the future need then for a sensible participation? Necessary skills and chances of their teaching by political education of school are presented based on an example of lessons.

Ingo Juchler: Worauf sollte die politische Bildung zielen? Demokratie-Lernen oder Politik-Lernen? In der gegenwärtigen programmatischen Kontroverse
um die Zielperspektive politischer Bildung wird hier die Auffassung vertreten, dass der Ansatz für Demokratie- Lernen einen zu engen didaktischen Fokus wählt. Dagegen kann Politik-Lernen dem Charakteristikum des Politischen in der modernen Gesellschaft, dem Faktum der Pluralität, gerecht werden. Der vorliegende Aufsatz skizziert zur Verdeutlichung dieser Position eine Traditionslinie von der politischen Pädagogik der 1950er-Jahre bis zur aktuellen Debatte zwischen Kommunitarismus und politischem Liberalismus.
As far as the recent programmatic debate over the aimed perspective of civic education is concerned, the position of this article is that the approach of democratic learning has a too narrow focus. Political learning, on the other hand, can cope with the political characteristic of modern society, namely pluralism. In order to illustrate this position, the following article outlines the line of tradition from the political pedagogy of the 1950ies until the recent debate over communitarism and political liberalism

Marcus Höreth: Zurück an den Verhandlungstisch! Die Föderalismusreform darf nicht auf die lange Bank geschoben werden
Die Reform des Bundesstaats ist am 17. Dezember 2004 für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt worden, weil sich Bund und Länder nicht auf die Zuständigkeitsverteilung in der Bildungspolitik einigen konnten. Doch die Generalüberholung des Föderalismus sollte nicht auf die lange Bank geschoben werden. Der Beitrag zeigt auf, dass es durchaus Kompromisslinien gibt, die die politischen Akteure dazu veranlassen sollten, die Verhandlungen baldmöglichst wieder aufzunehmen. Langfristig wird an einer grundlegenden Reform in Richtung eines asymmetrischen und lernfähigen Föderalismus kein Weg vorbei führen.
On December 17, 2004 the reform of the German federal system is placed on indefinite hold because, for the most part, the federal and state governments failed to reach an agreement concerning the distribution of powers in education policy. But the overall reorganization of the „Bundesstaat“ cannot afford to be postponed. This article will illustrate that compromise between the relevant political actors is possible, which should furthermore encourage an immediate recommencement of the reform negotiations. In the long run, however, it will be imperative to create a more fundamental reform toward an asymmetric and „adaptive“ federalism.

http://www.zeitschriftpolitischebildung.de/

Inhaltsübersicht

Peter Massing: Einleitung

Florian Hartleb/Eckhard Jesse: Direkte Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland: Positionen und Kontroversen
1. Einleitung
2. Politische Positionen
3. Wissenschaftliche Kontroversen
4. Schluss

Otmar Jung: Direkte Demokratie auf Landes- und Kommunalebene
I. Landesebene
1. Geschichte; 2. Regelungen; 3. Praxis;
4. Chancen; 5. Probleme; 6. Perspektiven
II. Kommunalebene
1. Geschichte; 2. Regelungen; 3. Praxis;
4. Chancen; 5. Probleme; 6. Perspektiven

Stefan Schieren: Direkte Demokratie auf europäischer Ebene. Eine Chance gegen das Demokratiedefizit? .
1. Einleitung
2. Europas defizitäre Demokratie
3. Europas fehlende Öffentlichkeit
4. Prozeduralisten und Substanzialisten
5. Direkte Demokratie in Europa?
6. Schlussbetrachtung

Markus Gloe: Direkte Demokratie – das Beispiel Schweiz
1. Einleitung
2. Grundlegendes
3. Positive Effekte der direkten Demokratie
4. Kritikpunkte
5. Eigentümlichkeit oder Modellcharakter?

Unterrichtspraxis
Sabine Achour: Direkte Demokratie auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene: Kann Politikunterricht die zukünftigen Bürger und Bürgerinnen entsprechend qualifizieren? Ein Unterrichtsbeispiel
1. Einleitung
2. Zur aktuellen Diskussion über plebiszitäre Elemente in der Demokratie auf nationaler,
europäischer und internationaler Ebene
3. Der demokratiekompetente Bürger
4. Unterrichtsreihe: Ist der mündige Bürger lehrbar?
5. Fazit
Anhang: Ergebnisse der Evaluation

Buchbesprechungen
Besprechungen zum Thema
DIETER HOFFMANN-AXTHELM: Lokale Selbstverwaltung. Möglichkeit und Grenzen direkter Demokratie
OTMAR JUNG u.a. in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Parlamentarische Demokratie: Demokratie.
Voraussetzungen – Herausforderungen – Perspektiven, hrsg. von der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz
THEO SCHILLER/VOLKER MITTENDORF (HRSG.): Direkte Demokratie. Forschung und Perspektiven
CHRISTIAN SCHULTE/RALPH WARNKE: Direkte Demokratie und repräsentative Demokratie. Ein Vergleich Deutschland – Schweiz unter Berücksichtigung der Studie „Euromodul“ des WZB (Berlin)
HANS HERBERT VON ARNIM: Vom schönen Schein der Demokratie. Politik ohne Verantwortung – am Volk vorbei. Um ein aktuelles Nachwort erweiterte vollständige Taschenbuchausgabe (von Jessica Schattschneider)

Besprechungen zur Fachwissenschaft
KONRAD JARAUSCH: Die Umkehr. Deutsche Wandlungen 1945 – 1995 (von Gotthard Breit)

Besprechungen zur Fachdidaktik
DIETRICH ZITZLAFF (UNTER MITARBEIT VON JÜRGEN WALTHER) 2004: Kurt Gerhard Fischer –„Es wäre ein Schaden für uns, wenn wir ihn vergäßen“. Eine bibliographische Spurensuche 1952-1999 (von Gotthard Breit
CARL DEICHMANN: Lehrbuch Politikdidaktik (von Gotthard Breit)

Allgemeiner Teil
Forum
Ingo Juchler: Worauf sollte die politische Bildung zielen:
Demokratie-Lernen oder Politik-Lernen?
Marcus Höreth: Zurück an den Verhandlungstisch! Die Föderalismusreform
darf nicht auf die lange Bank geschoben werden
Das aktuelle Thema

Gotthard Breit: Mehr direkte Demokratie auf Bundesebene?

Abstracts

Autorinnen und Autoren

Zu den Autoren

Sabine Achour, Assessorin des Lehramts (Studienrätin) an der Katholischen Schule Sankt Franziskus in Berlin, Lehrbeauftragte am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft, Freie Universität Berlin, Ihnestraße 21, 14195 Berlin

Dr. Markus Gloe, Friedrichring 13, 79098 Freiburg

Dr. Florian Hartleb, Lehrbeauftragter an der TU Chemnitz im Fach Politikwissenschaft, 09107 Chemnitz

Dr. Marcus Höreth, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Politische Wissenschaft, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Lennéstraße 27, 53113 Bonn

Dr. Eckhard Jesse, Professor an der TU Chemnitz im Fach Politikwissenschaft, 09107 Chemnitz

Dr. Otmar Jung, Altonaer Str. 10, 10557 Berlin, Privatdozent für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft

Dr. Ingo Juchler, Professor für Politikwissenschaft und ihre Didaktik, Pädagogische Hochschule Weingarten, Kirchplatz 2, 88250 Weingarten

Dr. Stefan Schieren, Professor für Sozialpolitik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, Fakultät für Soziale Arbeit, 85071 Eichstätt