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Erinnerungskultur in Europa

Journal für Politische Bildung 3/2015

Bestellnummer: jpb3_15 (Print) / 40313 (PDF
unter Mitarbeit von: Uwe Berndt, Konstantin Dittrich, Benno Hafeneger, Karolina Hajjar, Maria Lambridou, Claus Leggewie, Dirk Mävers, Oliver Plessow, Ljiljana Radonic, Stephan Schwieren
Erscheinungsjahr: 2015
Auflage: 1. Auflage 2015
Seitenzahl: 104
ISBN: jpb3_15 (Print) / 978-3-7344-0313-2 (PDF)
Reihe: Journal für politische Bildung

Verfügbarkeit: Print nicht mehr lieferbar

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Erinnerungskultur in Europa

Über das Buch

Lange hat sich die Überbetonung der Geschichte nicht mehr so sehr zum Schaden der Gegenwart ausgewirkt wie heute. Aktuell sind sich Deutschland und viele westeuropäische Staaten nach innen sowie nach außen uneins in der Frage, wie man mit der russischen Aggression gegenüber der Ukraine und dem dortigen Krieg umgehen soll. Das größte Geschütz in deutschen, westeuropäischen und russischen Geschichtsdebatten – Faschismus, Holocaust und Zweiter Weltkrieg – wird von beiden Seiten aufgefahren, während die spezifischen Erfahrungen der Staaten Mittel- und Osteuropas, nämlich das divide et impera der Großmächte, kulminierend im Hitler-Stalin-Pakt von 1939 und den Okkupationen, Repressionen und Deportationen unter deutscher und dann sowjetischer Herrschaft bis 1989, oft übergangen werden. Und während man in Deutschland und Europa den Minimalkonsens für ein Vorgehen gegenüber Russland diskutiert, bereitet man sich in Estland, einem EU- und NATO-Mitglied (allerdings ohne völkerrechtlich gültigen Grenzvertrag mit Russland), vielerorts auf eine Invasion oder Infiltration russischer Truppen vor, auch weil dort die Erinnerung an die längere und präsentere Sowjetherrschaft mit großrussischer Prägung lebendiger und gegenwärtiger ist als anderswo: Hier liegt die eigene GULag-Erinnerung in Widerstreit mit dem (west)europäischen Holocaust-Gedächtnis, welches teils importiert, teils oktroyiert wurde. Insbesondere in Konfliktsituationen teilen die europäischen Staaten keine gemeinsame Erinnerung, die positiv in die Gegenwart wirken könnte, sondern diese Erinnerung wirkt teilend.

Neben den aktuellen erinnerungskulturellen Trennlinien in Europa behandelt diese Ausgabe des Journal auch positive Beispiele geteilter Erinnerung und stellt Institutionen, Museen und Projekte vor, die auf eine Überwindung dieser Trennlinien hinarbeiten. So ist die Entwicklung der deutsch-französischen  Nachkriegsbeziehungen von der blutigen Erbfeind- zur engen Partnerschaft im erinnerungskulturellen Bereich auch eine Erfolgsgeschichte der politisch-historischen Bildung und Ihrer Initiativen, Partnerschaften, Seminare und Austausche. Claus Leggewie vertritt die Auffassung, „dass ein supranationales Europa nur dann eine tragfähige politische Identität erlangen kann, wenn die öffentliche Erörterung und wechselseitige Anerkennung strittiger Erinnerungen ebenso hoch bewertet wird wie Vertragswerke, Binnenmarkt und offene Grenzen: Wenn das vereinte Europa also eine geteilte Erinnerung hat, die vergangene Konflikte […] in aller Deutlichkeit benennt, sie aber auch in zivilen Formen bearbeitet und genau darüber eine Gemeinsamkeit wachsen lässt, die die Europäische Union nach innen und außen handlungsfähig macht.“ Was im bilateralen Bereich – wie beim deutsch-französischen Beispiel – schon oft eine Erfolgsgeschichte ist, kann auch auf europäischer Ebene in Zukunft Wirkungsmächtigkeit entfalten. Unaufgearbeitete Verbrechensgeschichte unterminiert allerdings den Weg in die Demokratie, und hier ist auch die politische Bildung in der Pflicht.

Inhaltsübersicht

Editorial

SchwerPunkt
ERINNERUNGSKULTUR IN EUROPA


Uwe Berndt
Europa als Konfliktgemeinschaft der Erinnerungskulturen

Oliver Plessow
Die Europäisierung der Schoaherinnerung im Bildungssektor

Ljiljana Radonic
Postsozialistische Gedenkmuseen und die „Europäisierung des Gedenkens“

Stephan Schwieren, Dirk Mävers
Perspektivwechsel ermöglichen
Ein Beispiel für Geschichtskultur

Konstantin Dittrich
Überwachung und Selbstpreisgabe
Ein Projekt zur digitalen Selbstverteidigung

MitDenken

Benno Hafeneger
Politische Bildung für „Unpolitische“?
Reflexionen zu einem Dauerthema

ÜberGrenzen

Claus Leggewie
Warum der 23. August (1939) kein paneuropäischer Gedenktag geworden ist
– und wie man dies ändern könnte

Karolina Hajjar, Maria Lambridou
Weiterentwicklung Internationaler Jugendarbeit unter besonderer Berücksichtigung
bildungsbenachteiligter Jugendlicher in NRW

LeseZeichen

Politische Jugendbildung – nachhaltig wirksam / Eine deutsche Biographie / Bildikonen europäischer Politikgeschichte /
Pädagogik der Anerkennung / Mehr als Fachwissenschaft

VorGänge

Ungleichheiten in der Demokratie – Bundeskongress politische Bildung / Preis Politische Bildung 2015 und Walter-Jacobson-Preis /
Politische Bildung im Gespräch – Parlamentarischer Abend / Praxisorientierte Angebote: Die Transferstelle politische Bildung /
GPJE-Nachwuchstagung in Gießen

AugenMerk

ebb-aede: Europäische Erziehung / Förderung: Weiterführung der Vielfalt-Mediathek gesichert / Partizipation: Neue Veröffentlichung /
(Internationale) Jugendarbeit: Diversitätsbewusstsein / Personen & Organisationen / Veranstaltungen

Zu den Autoren

Dr. Uwe Berndt ist Studienleiter im Studienhaus Wiesneck – Institut für politische Bildung Baden-Württemberg e.V.

Konstantin Dittrich, M. A., ist Referent für Jugend- und Bildungsarbeit beim Landesverband Hessen im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. in Frankfurt am Main.

Prof. Dr. Benno Hafeneger lehrt Erziehungswissenschaft an der Philipps-Universität Marburg und ist Mitglied der Journal-Redaktion.

Karolina Hajjar (B.A. Erziehungswissenschaft) ist Bildungsreferentin im Projekt „Weiterentwicklung internationaler Jugendarbeit unter besonderer Berücksichtigung bildungsbenachteiligter Jugendlicher in NRW“.

Maria Lambridou (B.A. Erziehungswissenschaft/Germanistik) ist studentische Hilfskraft im Projekt „Weiterentwicklung internationaler Jugendarbeit unter besonderer Berücksichtigung bildungsbenachteiligter Jugendlicher in NRW“.

Prof. Dr. Claus Leggewie ist Professor für Politikwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen.

Dirk Mävers ist Lehrer für Ethik und Evangelische Religion am Max-Planck-Gymnasium in Groß-Umstadt.

Prof. Dr. Oliver Plessow lehrt Didaktik der Geschichte an der Universität Rostock. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen das historische Lernen in nicht-schulischen Bildungszusammenhängen und die Frage nach Möglichkeiten des Lernens aus Massenverbrechen.

Dr. Ljiljana Radonic ist im Sommersemester 2015 Gastprofessorin für kritische Gesellschaftstheorie an der Justus-Liebig-Universität Gießen und forscht im Rahmen ihres Habilitationsprojekts über den Zweiten Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen am Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (APART-Stipendium).

Stephan Schwieren, Dipl. Politologe, ist Referent für Internationale Jugendarbeit im Haus am Maiberg, Akademie für politische und soziale Bildung des Bistum Mainz.

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