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Gentechnik

Bestellnummer: 4243
Autoren/Hrsg.: Peter Massing (Hrsg.)
unter Mitarbeit von: Sabine Achour, Wolfgang Beer, Bernard Pascal Bielmann, Edith Droste, Jürgen Hampel, Katja Kailer, Kristian Köchy, Jörg Naumann, Katrin Platzer, Katharina Röll
Erscheinungsjahr: 2006
Auflage: 1
Seitenzahl: 192
ISBN: 978-3-89974243-5
Reihe: politische bildung
Format: Broschur

Verfügbarkeit: lieferbar

19,80 €
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Gentechnik

Über das Buch

z.B. in den USA (http://www.umich.edu/news/Releases/2003/May03/r051303.html), zeigen, dass der Informationsstand der Bevölkerung heute eher schlechter zu sein scheint als noch vor 10 Jahren. Immer noch gibt es große Informationsdefizite darüber, was Gentechnologie ist und vor allem darüber, was mit Gentechnologie möglich ist. Unbestritten ist mitt-lerweile, dass die Frage, was der Gentechnologie erlaubt und was ihr verboten werden sollte, nicht durch den Wissenschaftsbetrieb selbst oder eine akademischen Ethik allein beantwortet werden darf. Es ist vor allem Sache der Politik und hier der politischen Öffentlichkeit, zu entscheiden, welche Forschung sie zulassen, welches Wissen sie also gewinnen und welches sie ggf. anwenden lassen will. Unter diesen Voraussetzungen ist eine informierte und urteilsfähige Öffentlichkeit unabdingbar. Genau hier setzt die politische Bildung ein, die nicht nur zentrale Informationen über das komplexe Feld der Gentechnologie vermitteln muss, sondern deren Aufgaben vor allem darin besteht, über die verschiedenen rechtlichen, religiösen, ethischen, anthropologisch-philosophischen und gesellschaftspolitischen Diskurse aufzuklären und zur individuellen politischen und moralischen Urteilsfähigkeit und politischen Handlungsbereitschaft beizutragen. Dies ist vor allem das Ziel des vorliegenden Heftes der Politischen Bildung.
Es beginnt mit einem Beitrag von Wolfgang Beer „Gentechnik: ein Thema für Politik und politische Bildung“, in dem der Autor die politischen Potenziale der Gentechnik auslotet. Dabei stellt er vier Anwendungsfelder der Gentechnologie exemplarisch dar: Gendiagnostik, Stammzellforschung, Klonforschung und Präimplantationsdiagnostik und erschließt sie in ihren gesellschaftlichen und politischen Konfliktdimensionen. Danach zeigt er, ausgehend von unterschiedlichen Menschenbildern, Kriterien und Maßstäbe auf, die zur politisch-moralischen Beurteilung gentechnischer Entwicklungen genutzt werden können.
In seiner Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Menschenbildern ist Wolfgang Beer schon einen ersten Schritt in Richtung Ethik gegangen. Im Beitrag von Edith Droste „Verlorene Eindeutigkeit“ stehen nun ethische Konzeptionen zur Beurteilung gentechnischer Forschung und Anwendung im Zentrum. Ihr Ausgangspunkt ist, dass es in Fragen der Biotechnologie keine eindeutigen oder gar verbindlichen ethisch-moralischen Vorgaben gibt. Der Mensch ist vielmehr darauf verwiesen, in Auseinandersetzung mit unterschiedlichen ethischen Konzeptionen sich selbst ein Urteil zu bilden, sich zu informieren, die Argumente zu gewichten und zu einer eigenen Position zu gelangen. Auf der Grundlage dieser Diagnose stellt die Autorin die interessenfundierte Bioethik, die christlich-humanistische Ethik und die Verantwortungsethik gegenüber und diskutiert deren Auswirkungen auf die Gentechnologie. Darin, dass dieser ethische Diskurs geführt und ermöglicht wird, sieht sie eine der wichtigsten Aufgaben der politischen Bildung, die so jedem Einzelnen helfen kann, zu einem eigenen ethischen Urteil zu gelangen.
Diese ethische Diskussion findet ihre Ergänzung in dem Aufsatz von Katrin Platzer „Präimplantationsdiagnostik und Stammzellforschung: Aktuelle Herausforderungen der Reproduktionsmedizin und Humangenetik“. Die Autorin stellt nicht nur unterschiedliche Formen der modernen Reproduktionsmedizin und Gentechnik dar, sie diskutiert auch zahlreiche medizinische, ethische, rechtliche und gesellschaftliche Fragen, die sich daraus ergeben. Zum Beispiel: Welchen Status hat ein Embryo? Wie ändert sich das Bild von Elternschaft und die Rolle der Frau? Soll die Präimplantationsdiagnostik – und wenn ja, unter welchen Bedingungen – zugelassen werden? Welche Chancen und Risiken verbinden sich mit der embryonalen Stammzellforschung und dem therapeutischen Klonen? Am Ende plädiert die Autorin dann für die Etablierung einer Gesprächsethik, in der sich die vielfältigen, lebendigen Beziehungsverhältnisse artikulieren können.
Die offenbar alles dominierende ethische Frage wird in dem Beitrag von Kristian Köchy „Was ist der Mensch? Zu den möglichen Konsequenzen der NBIC-Technologien“ in zwei Richtungen erweitert und vertieft. Zum einen bezieht der Autor die Frage auf das Zusammenwirken weiterer moderner Technologien; neben der Biotechnologie sind dies die Nanotechnologie, die Informationstechnologie und die Kognitionswissenschaften. Zum anderen öffnet er die ethischen Überlegungen in Richtung der philosophischen Anthropologie. In seinem Aufsatz beschreibt Köchy, wie ein Großteil der modernden philosophischen Anthropologie durch Befunde und Erkenntnisse der Naturwissenschaften angestoßen worden ist und welche weitgehenden Konsequenzen die modernen Technologien für unser Bild vom Menschen haben.
Stand bisher die Gentechnik in ihrer Anwendung auf den Menschen im Mittelpunkt der Diskussion, wendet sich der nächste Beitrag einem weiteren großen Anwendungsgebiet der Gentechnik zu. Bei der so genannten „Grünen Gentechnik“ geht es um Pflanzenzüchtung sowie um die Nutzung gentechnisch veränderter Pflanzen in der Landwirtschaft und im Lebensmittelsektor. In dem Beitrag von Jürgen Hampel „Die Auseinandersetzung um den Umgang mit der Grünen Gentechnik – ein Beispiel für ein Mehrebenenregulierungssystem“ stehen jedoch weniger die Möglichkeiten, Grenzen und Probleme der Grünen Gentechnik im Vordergrund, sondern der Autor versucht an ihrem Beispiel exemplarisch die politikwissenschaftliche Frage zu beantworten, wie sich die Gentechnik vor dem Hintergrund der europäischen Integration und der zunehmenden Globalisierung politisch regulieren lässt, welche Akteure daran beteiligt sind und welche Ebenen berücksichtigt werden müssen. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass sich zunehmend ein Mehrebenenregulierungssystem entwickelt, bei dem internationale Institutionen, die EU und nationale Regierungen Handlungsspielräume besitzen und der Einfluss zivilgesellschaftlicher Akteure deutlich zugenommen hat.
Um die Rolle dieser zivilgesellschaftlichen Akteure geht es in dem Beitrag von Katja Keiler und Jörg Naumann „Bürgerkonferenzen – ein erster Schritt zu einem bürgernahen Europa?“ Bürgerkonferenzen zählen zu den partizipatorischen Methoden der Technikfolgeabschätzung und haben sich inzwischen weltweit verbreitet. Gerade bei Risikotechnologien wie der Gentechnologie, die wissenschaftliche Erkenntnisse produzieren können, die aus ethischen Gründen ungenutzt bleiben sollten, von deren Anwendung Gefahren drohen, die noch nicht einmal bekannt, vielleicht noch nicht einmal beschreibbar sind, können Entscheidungen nicht der Wissenschaft, auch nicht allein den staatlichen Institutionen überlassen werden, sondern die politische Öffentlichkeit insgesamt sollte beteiligt sein. Dies könnte über zivilgesellschaftliche Organisationen wie z.B. Bürgerkonferenzen, die in diesem Beitrag erörtert werden, geschehen.
Sabine Achour und Katharina Röll haben eine Unterrichtseinheit zum Thema „Risiken und Chancen der Gentechnologie am Beispiel: Präimplantationsdiagnostik – Verheißung oder Teufelswerk?“ entwickelt. Diese Unterrichtseinheit kann exemplarisch für den Versuch gesehen werden, fächerverbindenden Unterricht zu planen und zu gestalten. Dabei wird deutlich, welche Chancen darin liegen, wenn bei interdisziplinären Problemen, wie dem der Gentechnologie, verschiedene Fächer – hier Biologie und politische Bildung – eng zusammenarbeiten.
In der „Literatur zum Thema“ stellt Katrin Platzer eine umfassende Sammel-
rezension vor, die eine Reihe von Büchern zu aktuellen Themen aus dem Bereich der Bioethik enthält und die einen Überblick über Neuerscheinungen der letzten Jahre und eine erste Orientierungshilfe gibt.
Das Forum enthält einen Beitrag von Bernhard P. Bielmann „Lernen in der Gegenwelt“. Der Autor berichtet darin über seine Erfahrungen mit Schulklassen in der außerschulischen politischen Bildung.

http://www.zeitschriftpolitischebildung.de/

Inhaltsübersicht

Peter Massing: Gentechnik - eine Einführung

Wolfgang Beer: Gentechnik: ein Thema für Politik und politische Bildung
1. Die politischen Potenziale der Genforschung
2. Fallbeispiel I: Gendiagnostik
3. Fallbeispiel II: Stammzellforschung
4. Fallbeispiel III: Klonpremiere für den Menschen?
5. Fallbeispiel IV: Präimplantationsdiagnostik
6. Welchem Menschenbild folgen wir?
7. Schlussbemerkung

Edith Droste: Verlorene Eindeutigkeit. Ethische Konzeptionen zur Beurteilung gentechnischer Forschungen und Anwendungen
1. Bewahrung traditioneller Werte oder Legitimation des Fortschritts?
2. Die interessenfundierte Bioethik
3. Die christlich-humanistische Ethik
4. Leitbild Menschenwürde
5. Verantwortungsethik

Katrin Platzer: Präimplantationsdiagnostik und Stammzellforschung: Aktuelle Herausforderungen der Reproduktionsmedizin und Human-
genetik – Ein Plädoyer für eine Beziehungs- und Gesprächsethik
1. Einführung
2. Schwangerschaft und Geburt
3. Die Pränataldiagnostik
4. Pränataldiagnostik und Schwangerschaftsabbruch
5. Künstliche Befruchtung
6. Die Präimplantationsdiagnostik
7. Die Stammzellforschung
8. Das reproduktive und therapeutische Klonen
9. Die Statusdiskussion

Kristian Köchy: Was ist der Mensch? Zu den möglichen Konsequenzen der NBIC-Technologien
1. Historische Einführung: Die Naturwissenschaften und die anthropologische Frage
2. Der Mensch im Horizont von Nano- und Gentechnologie
3. Der Mensch im Horizont von Neuro- und Kognitionswissenschaften
4. Resümee

Jürgen Hampel: Die Auseinandersetzung über den Umgang mit der grünen Gentechnik – ein Beispiel für ein Mehrebenenregulierungssystem
1. Einleitung
2. Gentechnik im Brennpunkt gesellschaftlicher Auseinandersetzungen
3. Der Auftakt - ein internationaler Konsens über die Grundlagen der Regulierung
4. Der Zerfall des Konsenses in den 1980er-Jahren
5. Versuche zur Europäisierung
6. Seit 1996 - Globalisierung der Diskussion?
7. Fazit

Katja Kailer und Jörg Naumann: Bürgerkonferenzen - ein erster Schritt zu einem bürgernahen Europa?
1. Das Deutsche Hygiene-Museum Dresden: von der Gesundheitsaufklärung zum Ort gesellschaftlichen Diskurses
2. Bürgerkonferenzen als partizipative Technikfolgenabschätzung
3. Bürgerkonferenz Streitfall Gendiagnostik
4. Europäische Bürgerkonferenz Meeting of Minds
5. Ausblick

Unterrichtspraxis
Sabine Achour und Katharina Röll: Risiken und Chancen der Gentechnologie am Beispiel: Präimplantationsdiagnostik - Verheißung oder Teufelswerk? Eine interdisziplinäre Unterrichtsreihe über das Für und Wider von Genchecks an Embryonen zur Vermeidung von Erbkrankheiten wie Mukoviszidose
1. Einleitung
2. Didaktisch-methodische Überlegungen
3. Sachanalyse

Materialien zur Unterrichtseinheit
Zusammengestellt von Sabine Achour und Katharina Röll

Buchbesprechungen

Forum
Bernard P. Bielmann: Lernen in der Gegenwelt. Außerschulische politische Jugendbildung mit Schulklassen - Potenziale und Probleme aus der Sicht von Jugendbildungsreferentinnen und -referenten

Zu den Autoren

Sabine Achour
Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Assessorin für das Amt der Studienrätin) am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin, Ihnestraße 22, 14195 Berlin

Dr. Wolfgang Beer
Geschäftsführer politische Bildung der Evangelischen Akademien in Deutschland

Bernhard P. Bielmann
Freier Bildungsreferent in der außerschulischen politischen Jugendbildung; lebt in Berlin

Dipl. Pol. Edith Droste
Leiterin der Deutschen Kinderhospizakademie in Olpe

Dr. Jürgen Hampel
Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Abteilung für Technik- und Umweltsoziologie der Universität Stuttgart, Seidenstraße 36, 70174 Stuttgart

Katja Kailer
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „Meeting of Minds“, europäische Bürgerkonferenz zur Hirnforschung, am Deutschen Hygiene-Museum Dresden. Sie promoviert am Institut für Wissenschafts- und Technikforschung (IWT) der Universität Bielefeld zum Thema „Krisenbearbeitung in populären Filmen am Beispiel der Gen- und Reproduktionstechnologie“. E-Mail: katja.kailer@dhmd.de

Dr. Dr. Kristian Köchy
Professor für Theoretische Philosophie an der Universität Kassel, Nora-Platiel-Str. 1, 34109 Kassel. Mitglied der Arbeitsgruppe „Gentechnologie“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. E-Mail: www.uni-kassel.de/~koechy

Dr. Katrin Platzer
Studienleiterin an der Evangelischen Akademie der Pfalz, Domplatz 5, 67346 Speyer, und stellvertretende Projektleiterin am Heidelberger Life-Science Lab am Deutschen Krebsforschungszentrum, Im Neuenheimer Feld 582, 69120 Heidelberg

Katharina Röll
Doktorandin am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin, Ihnestraße 22, 14195 Berlin