Katalogservice

Telefonische Beratung & Bestellung:  06196 - 8 60 65

Gerechtigkeit in der Demokratie

Bestellnummer: 4473
Autoren/Hrsg.: Gotthard Breit, Stefan Schieren (Hrsg.)
unter Mitarbeit von: Uwe Andersen, Sabine Berghahn, Gotthard Breit, Daniel Hildebrand, Ortrud Leßmann
Erscheinungsjahr: 2009
Auflage: 1
Seitenzahl: 144
ISBN: 978-3-89974473-6
Reihe: uni studien politik
Format: Broschur

Verfügbarkeit: lieferbar

9,80 €
*

Gerechtigkeit in der Demokratie

Über das Buch


Abstracts

Daniel Hildebrand: Gerechtigkeit in der Demokratie
Gerechtigkeit und Demokratie stellen sich insbesondere in Gestalt des Problems von Einzelfall und Mehrheitswille als potenziell widersprüchliche Größen dar. Der Aufsatz zeigt zum einen, dass der Gültigkeit des Mehrheitsprinzips eine spezifische Form von "Gerechtigkeit in der Demokratie" innewohnt, wie sich namentlich anhand des Paradigmas der Athenischen Demokratie entfaltet. Zum anderen weist er unter Rückgriff auf die Ideengeschichte der modernen auf Gesetzesherrschaft gestützten Demokratie auf, inwieweit das Ideal der Gerechtigkeit dasjenige der Demokratie auszuhöhlen droht. Als historische Versöhnung beider Ideen, Gerechtigkeit und Demokratie, und vorläufiger Höhepunkt der Entwicklung von Demokratie und Rechtsstaat erweist sich die parlamentarische Demokratie angelsächsischer Provenienz, wie sie sich während des 20. Jahrhunderts weltweit durchgesetzt hat.

Justice and democracy present themselves particularly in the form of the problem of isolated case and majority will as potentially contradictory dimensions. The article shows, on the one hand, that a specific form of "justice in the democracy" is inherent in the validity of the principle of majority rule as develops in particular using the paradigm of the Athenian democracy. To the other it is shown under resort on the history of ideas, concerning the modern democracy supported on the rule of law, to what extent the ideal of the justice threatens to hollow out that of the democracy. As a historical reconciliation of both ideas, justice and democracy, and temporary climax of the development of democracy and constitutional state turns out the parliamentary democracy of anglo-saxon provenance how she has asserted herself during the 20-th century worldwide.

Sabine Berghahn: Gerechtigkeit und Recht
Ist unsere deutsche Rechtsordnung "gerecht"? Wenn ja, welche Elemente tragen dazu bei, Gerechtigkeit zu erzeugen? Wenn nein, welche "Störfaktoren" arbeiten theoretisch und praktisch dagegen? Ist Gerechtigkeit überhaupt objektivierbar oder nur aus subjektiver Sicht "zu empfinden"? Zunächst geht es um die Definition des Begriffs Gerechtigkeit, sodann werden die Zwecke und Methoden des Rechtsstaats dargestellt; drittens wird analysiert, welche Elemente Gerechtigkeit befördern und welche gegenläufigen Faktoren eher ein Verfehlen der Gerechtigkeit, namentlich in Gesetzgebung und Justiz, bewirken (können). Auf diese Weise soll veranschaulicht werden, dass die Erwartung, durch den Rechtsstaat möge Gerechtigkeit - gesellschaftlich wie auch in jedem Einzelfall - verwirklicht werden, zwar legitim, aber eine Utopie ist und bleibt.

Is our German legal and constitutional system a realization, a fulfilment of justice? If yes, which elements contribute to the achievement of justice? If no, what are the disturbing factors in theoretical and practical respects? Can justice be objectified or is it a mere question of feelings and opinions? In this contribution at first a definition of justice shall be given; as a second step the purposes and methods of the legal system shall be displayed and as a third step it will be analyzed how the German legal and constitutional system promotes or aggravates the realization of just conditions in society, especially in the process of law-making and of judging within the judiciary. In this way it should be illustrated that we may legitimately expect the legal and constitutional system to achieve justice, but this expectation is and remains an utopian idea.

Uwe Andersen: Monetäre Verteilungsgerechtigkeit - zur Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland
Erst jüngst ist eine Studie im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zu dem Ergebnis gekommen, dass sich die Wohlstandsschere in Deutschland seit 1996 weiter geöffnet hat. Die Frage nach der Verteilungsgerechtigkeit ist daher nicht antiquiert, sondern unverändert aktuell. Dass die Bundesregierung dies ähnlich sieht, lässt sich daran ablesen, dass durch Beschluss der rot-grünen Regierung 1998 periodisch ein Armutsbericht (jetzt Armuts- und Reichtumsbericht) vorzulegen sei. Der dritte Bericht dieser Art ist in diesem Sommer erarbeitet worden. Dieser Beitrag skizziert die wichtigsten Ergebnisse des Berichts und diskutiert die Daten im Licht ergänzender Längs- und Querschnittsstudien zur Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland. Darüber hinaus wird auch betrachtet, wie die verschiedenen Gruppen der Bevölkerung die Verteilung einschätzten und welche Gerechtigkeitsvorstellungen sie haben. Der Artikel führt nicht nur in das Thema ein, er informiert auch über weiterführende Quellen. Ferner liefert das Datenmaterial, besonders die Schaubilder, in Verbindung mit den im Text vorgenommenen Interpretationen gut verwendbares Unterrichtsmaterial.

A recent research on behalf of the Hans-Böckler-Foundation revealed that in Germany inequality of income and wealth has been growing for several years. Employees of low incomes had to face deteriorating earnings, higher incomes the opposite. Therefore, the problems of income distribution are still relevant. In 1998 the then governing administration of SPD and The Green decided to submit a periodical report on income distribution. On the basis of the third report presented in summer 2008 the article discusses the present situation. In addition it also refers to other relevant sources on this topic. Finally it asks what the attitude of the members of different income groups is like with regard to the income distribution. The presented data and figures seem quite useful for your school lessons.

Gotthard Breit: Gefühlte Ungerechtigkeit - eine Herausforderung für Politik und Demokratie
Nach einer Annäherung an den Begriff werden aus Leserbriefen von Rentnerinnen und Rentnern Merkmale von "Gefühlter Ungerechtigkeit" herausgearbeitet. Ausgehend von der Gründung einer Rentnerpartei in Braunschweig wird gezeigt, dass zur Erklärung des Verlusts von Union und SPD bei Wahlen und des Aufstiegs der Partei "Die Linke" auch "Gefühlte Ungerechtigkeit" herangezogen werden kann. Gedanken zu möglichen Auswirkungen für Politik und Demokratie schließen den Aufsatz ab.

After an explanation of the term, features of the sense of injustice are made out in the penioners’ letters to the editor. Based on the fact that there was a formation of a pensioner’s party in Braunschweig, it is proved that one reason for the CDU/CSU’s and the SPD’s loss in the elections and the rise of the Left-wing Party, called "Die Linke", is also this sense of injustice. This essay concludes with thoughts about possible effects on politics and democracy.

Ortrud Leßmann: Armut: Wie viel ist gerecht? Armut, Armutsmessung und Gerechtigkeit
Rawls’ Aussage, Armut sei in dem Maße tolerabel, in dem Ungleichheit allen zum Vorteil gereicht, führt direkt zur Frage, wie Armut zu messen sei. Armutsmessung ist schon im einfachsten Falle - wenn man sich auf Einkommensarmut beschränkt - ein komplexes Unterfangen und umfasst zwei Schritte. Zunächst muss die Gruppe der Armen identifiziert und dann ein Maß für die Gesamtarmut in der Gesellschaft gefunden werden. Bei multidimensionalen Modellen gesellt sich ein dritter Schritt hinzu: das Zusammenspiel der Dimensionen muss bestimmt werden. Einige Ansätze gehen noch darüber hinaus, indem sie Armut als eingeschränkte Handlungsfreiheit definieren.

Rawls’ claim that poverty has to be tolerated to the extent that everybody benefits from an unequal distribution leads to the question how to measure poverty. Poverty measurement is complex even in the simple case of income poverty. It encompasses two steps: firstly, the identification of the poor and, secondly, aggregation of poverty across individuals. Additionally, in multidimensional models poverty has to be aggregated across dimensions. Beyond that some approaches view poverty as constrained freedom of choice.

Inhaltsübersicht

Gotthard Breit/Stefan Schieren: Einleitung

Daniel Hildebrand: Gerechtigkeit in der Demokratie
1. Kontradiktorisch oder konträr: Einzelfallgerechtigkeit und Mehrheitswille
2. Gerechtigkeit als Demokratie begründender Wert: Gerechtigkeit als Gleichheit
3. Die athenische Demokratie: Volksherrschaft als organisches Erzeugnis von Gerechtigkeit – ein Modell
für die Zukunft repräsentativer Massendemokratien westlicher Provenienz?

Sabine Berghahn: Gerechtigkeit und Recht
1. Gerechtigkeit und Rechtsstaat
2. Die Zwecke des Rechts und die Methoden des Rechtsstaats
3. Für und wider Gerechtigkeit wirkende Elemente im deutschen Rechtsstaat

Uwe Andersen: Monetäre Verteilungsgerechtigkeit - zur Einkommens- und Vermögensverteilung
in Deutschland
Einleitung: Komponenten der und Kontroversen um Verteilungsgerechtigkeit
1. Soziale Marktwirtschaft und Verteilungsgerechtigkeit
2. Die Einkommensverteilung
3. Die Vermögensverteilung
4. Perspektiven

Gotthard Breit: Gefühlte Ungerechtigkeit - eine Herausforderung für Politik und Demokratie
1. Einleitung
2. Einige Daten zur gesellschaftlichen Situation
3. Gefühlte Ungerechtigkeit
4. Zur Lage der Rentnerinnen und Rentner
5. Reaktion der Rentner
6. Politische Wirkung
7. Rentner werden für die Politik zu einem unbequemen Machtfaktor
8. Reaktion der Politik
9. Ist die Demokratie reformunfähig?

Ortrud Leßmann: Armut: Wie viel ist gerecht? Armut, Armutsmessung und Gerechtigkeit
1. Messung von Einkommensarmut
2. Multidimensionale Armut
3. Freiheit und Armutsmessung
4. Fazit: Wie viel Armut ist gerecht?

Zu den Autoren

Dr. Uwe Andersen
Emeritierter Professor für Politikwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum, GC05/710, 44780 Bochum,

Dr. iur. Sabine Berghahn
Privatdozentin, Juristin und Politologin, arbeitet derzeit in Lehre und Forschung am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der FU Berlin, Ihnestr. 22, 14195 Berlin

Dr. Gotthard Breit
Emeritierter Professor für Politikwissenschaft und ihre Didaktik an der Otto-Guericke-Universität Magdeburg, Gerstäckerstr. 13, 38102 Braunschweig

Dr. Daniel Hildebrand
Politikwissenschaftler, zurzeit Lehrbeauftragter an den Universitäten Bonn und Bremen

Dr. Ortrud Leßmann
Volkswirtin, freie Wissenschaftlerin und Dozentin an der Hamburg School of Business Administration,