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Globale Umweltpolitik

Bestellnummer: 4411
Autoren/Hrsg.: Johannes Varwick (Hrsg.)
unter Mitarbeit von: Felix Ekardt , Tobias Lindenberg, Sebastian Oberthür, Andreas Rechkemmer, Johanna Reichenbach, Till Requate
Erscheinungsjahr: 2008
Auflage: 1
Seitenzahl: 128
ISBN: 978-3-89974411-8
Reihe: uni studien politik
Format: Broschur

Verfügbarkeit: lieferbar

9,80 €
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Globale Umweltpolitik

Über das Buch


Felix Ekardt: Das Prinzip Nachhaltigkeit
Der liberal-demokratische Rahmen westlicher Gesellschaften hat bewirkt, dass die meisten hier und heute Lebenden ein Ausmaß an Freiheit und Wohlstand genießen, von dem die Menschen in früheren Jahrhunderten nur träumen konnten. Nur blenden wir in Recht, Moral und Politik immer noch überwiegend die Belange künftiger und in anderen Weltgegenden lebender Menschen aus. Dies ist ein grundlegendes Problem, da der bisherige westliche Lebensstil weder dauerhaft durchhaltbar noch global ausdehnbar ist. Die Intention des Nachhaltigkeitsprinzips liegt exakt darin, die globale und intergenerationelle Gerechtigkeit anzugehen. In diesem Rahmen antwortet der Beitrag u.a. auf Fragen wie: Können normative Fragen überhaupt objektiv/rational entschieden werden? Ist eine Ausdehnung der tradierten Normativität in zeitlicher und räumlicher Hinsicht rechtlich/moralisch geboten? Welche konkreten Abwägungen und Politikinstrumente der Nachhaltigkeit ergeben sich am Beispiel des Klimaschutzes? Und welche faktischen Bedingungen sind dafür ursächlich, dass wir bisher meist nur über Nachhaltigkeit reden, anstatt real zu handeln?

The liberal framework of western societies has resulted in most inhabitants of modern-day western states being able to enjoy an extent of freedom and wealth which would have been inconceivable for human beings in former times. But it is still a matter of fact that the law as well as the philosophy of justice are more or less restrained to the resolution of conflicts between contemporaries and between people living in the same country. This is a crucial problem since the western way of life can probably not be continued (a) in a long-term perspective and (b) on a global level. This poses big challenges, especially in consideration of the fact that some kind of measures of global justice can affect intergenerational justice - and vice versa. The intention of the concept of sustainability is exactly to fight this "global-intergenerational" dilemma. But so far, sustainability in law is more or less a non-binding idea which doesn’t really oblige political institutions to act in a more sustainable way. Therefore, it might be helpful to transform sustainability into a new concept of (sustainable) liberty.


Andreas Rechkemmer: Klimawandel als Weltproblem
Die Debatte über den Klimawandel und dessen Auswirkungen hat inzwischen alle Bereiche der Gesellschaft erreicht und ist auf der internationalen politischen Agenda eines der Topthemen. Klimawandel hat zum großen Teil mit der anthropogenen Veränderung der atmosphärischen Zusammensetzung und somit einer Intensivierung des Treibhauseffektes zu tun. Die neuesten Erkenntnisse wurden 2007 im Bericht des IPCC in dessen viertem Sachstandsbericht (AR4) zusammengefasst. Dies führte zu einer tieferen Einsicht in die Beschaffenheit und Tragweite der aktuellen Klimaänderungen. Zu den fundamentalen Aussagen des AR4 gehört, dass es nun keinen Zweifel mehr daran gibt, dass das Klima sich tatsächlich ändert. Messungen und Beobachtungen haben erwiesen, dass die wichtigsten Indizien des globalen Wandels (Erderwärmung, Anstieg des Meeresspiegels, Abschmelzen der Gletscher und Eisflächen usw.) sich dramatisch beschleunigt haben. Des Weiteren konnte eine Veränderung in regionalen Klimamustern sowie ein numerischer Anstieg und eine Intensivierung extremer Wetterereignisse beobachtet werden. Der vorliegende Artikel präsentiert die wichtigsten Aussagen des IPCC AR4 und stellt sie in den Kontext der aktuellen politischen Auseinandersetzung auf internationaler Ebene.

The debate about climate change and its impacts has reached all corners of society and constitutes a main item on the global political agenda. Climate change is mostly due to anthropogenic changes in the atmospheric compostion and the so called greenhouse effect. The Inter-governmental Panel on Climate Change (IPCC) issued its fourth assessment report (AR4) in 2007. This document has led to a much deeper and broader understanding of the nature of the problem and its manifold epiphenomena. There is no question that climate change is real, since robust measurements and empirical observation have added evidence to the previously known theories and scenarios. Among the observed patterns are dramatically increased global warming, sea level rise, and loss of glaciers and ice shelfs. Moreover, regional climate patterns are changing and extreme weather events are on the rise. This article features some of the most pertinent observations and findings of IPCC AR4, and describes how international political talks are trying to tackle these issues in ongoing negotiations.


Sebastian Oberthür: Die Vorreiterrolle der EU in der internationalen Klimapolitik: Erfolge und Herausforderungen
Der globale Klimawandel ist in den Mittelpunkt der europäischen und internationalen Politik gerückt. Seit Anfang der 1990er-Jahre hat sich die EU zunehmend als Vorreiterin in der internationalen Klimapolitik etabliert. Allerdings stellen die Umsetzung wirksamer Maßnahmen, die Koordination der EU-Umweltdiplomatie, die sich entwickelnde internationale Tagesordnung, die EU-Erweiterung sowie die Gewährleistung eines einheitlichen internationalen Auftretens der EU weiterhin bedeutende Herausforderungen dar. Dennoch bestärken günstige politische Rahmenbedingungen und Fortschritte in der europäischen Klima- und Energiepolitik die Erwartung, dass die EU auch zukünftig eine treibende Kraft der internationalen Klimapolitik bleiben wird.

Climate Change has taken centre stage in European and international politics. Since the beginning of the 1990s, the EU has increasingly established itself as an international leader on climate change. However, implementation and policy coherence, coordination of EU environmental diplomacy, an evolving international agenda, EU enlargement, and a still precarious EU unity remain major challenges. Shifts in underlying driving forces and advances of EU domestic climate and energy policies nevertheless support the expectation that the EU will remain a progressive force in international climate policy for some time to come.


Tobias Lindenberg: Konfliktstoff Wasser
Massive Eingriffe in bis dahin intakte Ökosysteme sind die wichtigste Ursache für eine nachhaltige regionale Verknappung des Lebenselixiers Wasser. Anhand von Modellen werden daraus entstehende soziale und politische Spannungen sowie die ökologischen und hydrologischen Auswirkungen mit den Intentionen der Akteure in Kontext gesetzt und die Konstellation der betroffenen Staaten auf ihre Machtrelation hin untersucht. Die Komplexität wird dabei am Streitfall des Südostanatolienprojektes am Oberlauf des Euphrat und des Tigris veranschaulicht.

Massive interferences in intact ecosystems have to be considered as a major cause for long lasting regional water scarcity. Resulting social and political tensions as well as ecological and hydrological consequences are to be put in context with different intentions of various involved regional players. Furthermore, the constellation of affected states and their relationship in matters of regional power are examined in the present study. The case of the Southeast Anatolia Project on the upper reaches of Euphrates and Tigris illustrates the complexity of water scarcity conflicts.


Johanna Reichenbach/Till Requate: Umweltpolitische Instrumente in Theorie und Praxis
Der Artikel verschafft einen Einblick in die ökonomische Analyse von Umweltproblemen und erläutert die grundsätzliche Funktionsweise der wichtigsten umweltpolitischen Instrumente, insbesondere Emissionssteuern, handelbare Emissionszertifikate und Emissionsstandards. Außerdem werden anhand einiger Fallbeispiele die aktuelle deutsche sowie die europäische Regulierung im Rahmen des Klimaschutzes kritisch beleuchtet und Konflikte bei überlappender Regulierung von Seiten der EU und ihrer Mitgliedsstaaten herausgearbeitet.
This article gives an introduction to the economic analysis of environmental problems and explains how the most prominent instruments of environmental policy work, in particular emission taxes, tradable emission permits, and emission standards. In addition, we critically discuss selected issues of current climate change regulation in Germany and Europe and demonstrate the conflict of overlapping regulation by the EU and its member states.

Inhaltsübersicht

Johannes Varwick: Einführung

Felix Ekardt: Das Prinzip Nachhaltigkeit
1. Die Nicht-Nachhaltigkeit westlicher Gesellschaften - gerade im Klimaschutz
2. Doch was meint eigentlich Nachhaltigkeit?
3. Ursachen der Nicht-Nachhaltigkeit
4. Universalistische Freiheit als Schranke beliebiger Mehrheitsherrschaft
5. Nachhaltige Freiheit
6. Nachhaltigkeit, Demokratie und Abwägungen
7. Durchsetzung der Nachhaltigkeit - Abschied von der gewachsenen national verengten Politikperspektive
8. "Käsewürfel und Klimawandel" wie wird der Wandel möglich?
9. Ist mehr Klimaschutz/Nachhaltigkeit nicht sozial ungerecht?

Andreas Rechkemmer: Klimawandel als Weltproblem
1. Zum Stand des Klimawandels
2. Das globale Klima-Regime
3. Elemente eines neuen Klima-Regimes

Sebastian Oberthür: Die Vorreiterrolle der EU in der internationalen Klimapolitik: Erfolge und Herausforderungen
1. Die Vorreiterrolle der EU in der internationalen Klimapolitik
2. Die EU als internationaler Akteur: Die Organisation der auswärtigen EU-Klimapolitik
3. Glaubwürdigkeitslücke schließen: Der Fortschritt der EU-internen Klimapolitik
4. Bestehende Herausforderungen
5. Antriebskräfte und strategische Motivationen für die Vorreiterrolle der EU
6. Schlussfolgerung

Tobias Lindenberg: Konfliktstoff Wasser
1. Einführung
2. Eine Annäherung anhand von Modellen
3. Ein Streitfall: Das Südostanatolienprojekt
4. Zusammenfassung

Johanna Reichenbach/Till Requate: Umweltpolitische Instrumente in Theorie und Praxis
1. Einleitung
2. Warum brauchen wir umweltpolitische Regulierung?
3. Die Wirkungsweise der wichtigsten umweltpolitischen Instrumente
4. Europäische Umweltpolitik in der Praxis: einige Beispiele
5. Das Klimaprogramm der EU
6. Zusammenfassung

Zu den Autoren

Dr. Felix Ekardt
Jurist, Philosoph und Soziologe, seit 2003 Professor für öffentliches Recht an der Universität Bremen, Fachbereich Rechtswissenschaft, 28353 Bremen

Tobias Lindenberg
Studium der Staats- und Sozialwissenschaften in München, zur Zeit Dissertation an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel. Fachlehrer für Politische Bildung an der Marineunteroffizierschule in Plön

Dr. Sebastian Oberthür
Akademischer Direktor am Institute for European Studies (IES) an der flämischen Vrije Universiteit Brussel (VUB)

Dr. Andreas Rechkemmer
Exekutivdirektor des Internationalen Programms zur Erforschung der menschlichen Dimensionen des globalen Umweltwandels der Universität der Vereinten Nationen (UNU-IHDP) mit Sitz in Bonn; lehrt Politische Ökologie an der Universität Köln

Johanna Reichenbach
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Volkswirtschaftslehre der Christian-Albrechts-Universität Kiel

Dr. Till Requate
Professor für Wirtschaftspolitik am Institut für Volkswirtschaftslehre der Christian-Albrechts-Universität Kiel