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Globale Umweltpolitik

Bestellnummer: 4414
Autoren/Hrsg.: Johannes Varwick (Hrsg.)
unter Mitarbeit von: Valentin Eck, Felix Ekardt, Tobias Lindenberg, Sebastian Oberthür, Andreas Rechkemmer, Johanna Reichenbach, Till Requate, Georg Weißeno, Tim Engartner
Erscheinungsjahr: 2008
Auflage: 1
Seitenzahl: 176
ISBN: 978-3-89974414-9
Reihe: politische bildung
Format: Broschur

Verfügbarkeit: lieferbar

19,80 €
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Globale Umweltpolitik

Über das Buch

Felix Ekardt: Das Prinzip Nachhaltigkeit (S. 9-25)
Der liberal-demokratische Rahmen westlicher Gesellschaften hat bewirkt, dass die meisten hier und heute Lebenden ein Ausmaß an Freiheit und Wohlstand genießen, von dem die Menschen in früheren Jahrhunderten nur träumen konnten. Nur blenden wir in Recht, Moral und Politik immer noch überwiegend die Belange künftiger und in anderen Weltgegenden lebender Menschen aus. Dies ist ein grundlegendes Problem, da der bisherige westliche Lebensstil in seiner heutigen Form weder dauerhaft durchhaltbar noch global ausdehnbar ist. Würden ihn Länder wie China oder Indien imitieren, hätte dies unmittelbar katastrophale Folgen. Die Intention des Nachhaltigkeitsprinzips liegt exakt darin, die damit auf der Tagesordnung stehende globale und intergenerationelle Gerechtigkeit anzugehen. In diesem Rahmen antwortet der Beitrag auf Fragen wie: Können normative (politische/juristische/moralische) Fragen überhaupt objektiv/rational entschieden werden? Ist eine Ausdehnung der tradierten Normativität in zeitlicher und räumlicher Hinsicht rechtlich/moralisch geboten? Ist ein neues Freiheitsverständnis notwendig? Welche konkreten Abwägungen und Politikinstrumente der Nachhaltigkeit ergeben sich am Beispiel des Klimaschutzes? Und welche faktischen Bedingungen sind dafür ursächlich, dass wir bisher meist nur über Nachhaltigkeit reden, anstatt real zu handeln? Zuletzt: Warum sind die gängigen nationalstaatlichen oder völkerrechtlichen Handlungsformen für die Nachhaltigkeit substanziell unzureichend, und wie müßten sie verändert werden?

The liberal framework of western societies has resulted in most inhabitants of modern-day western states being able to enjoy an extent of freedom and wealth which would have been inconceivable for human beings in former times. But it is still a matter of fact that the law as well as the philosophy of justice are more or less restrained to the resolution of conflicts between contemporaries and between people living in the same country. This is a crucial problem since the western way of life can probably not be continued (a) in a long-term perspective and (b) on a global level. If countries like China or India succeeded in copying our model of wealth and 2.3 billion Indian and Chinese people were to own 1.2 billion cars, fridges, air conditioners, washing machines, and have food imported by plane, etc., it wouldn’t work. This poses big challenges, especially in consideration of the fact that some kind of measures of global justice (e.g. accelerating economic growth to combat misery in the developing countries) can affect intergenerational justice - and vice versa. The intention of the concept of sustainability is exactly to fight this “global-intergenerational” dilemma. But so far, sustainability in law is more or less a non-binding idea which doesn’t really oblige political institutions to act in a more sustainable way. Therefore, it might be helpful to transform sustainability into a new concept of (sustainable) liberty. Liberty is the basic concept within the framework of human rights respectively fundamental rights - and human rights are the strongest element of liberal democratic constitutions, on a national as well as on a transnational level. A new concept of liberty overcomes the traditional biased “economic-centred” concept of liberty (without referring to collectivist ideas). Modern liberal liberty maybe has to be seen as a concept of a radical autonomy of the individuals - including a radical awareness of the limitation according to the equal autonomy of everybody, also of those persons who are far away from a spatial and temporal point of view. This contribution also discusses several aspects of climate protection and WTO.


Sebastian Oberthür: Die Vorreiterrolle der EU in der internationalen Klimapolitik: Erfolge und Herausforderungen (S. 39-57)
Der globale Klimawandel ist in den Mittelpunkt der europäischen und internationalen Politik gerückt. Seit Anfang der 1990er Jahre hat sich die EU zunehmend als Vorreiterin in der internationalen Klimapolitik etabliert. Allerdings stellen die Umsetzung wirksamer Maßnahmen, die Koordination der EU-Umweltdiplomatie, die sich entwickelnde internationale Tagesordnung, die EU-Erweiterung sowie die Gewährleistung eines einheitlichen internationalen Auftretens der EU weiterhin erhebliche Herausforderungen dar. Dennoch bestärken günstige politische Rahmenbedingungen und Fortschritte in der europäischen Klima- und Energiepolitik die Erwartung, dass die EU auch zukünftig eine treibende Kraft der internationalen Klimapolitik bleiben wird.

Climate Change has taken centre stage in European and international politics. Since the beginning of the 1990s, the EU has increasingly established itself as an international leader on climate change. However, implementation and policy coherence, coordination of EU environmental diplomacy, an evolving international agenda, EU enlargement, and a still precarious EU unity remain major challenges. Shifts in underlying driving forces and advances of EU domestic climate and energy policies nevertheless support the expectation that the EU will remain a progressive force in international climate policy for some time to come.


Tobias Lindenberg: Konfliktstoff Wasser (S. 58-74)
Massive Eingriffe in bis dahin intakte Ökosysteme sind die wichtigste Ursache für eine nachhaltige regionale Verknappung des Lebenselixiers Wasser. Anhand von Modellen werden daraus entstehende soziale und politische Spannungen sowie die ökologischen und hydrologischen Auswirkungen mit den Intentionen der Akteure in Kontext gesetzt und die Konstellation der betroffenen Staaten auf ihre Machtrelation hin untersucht. Die Komplexität wird dabei am Streitfall des Südostanatolienprojektes am Oberlauf des Euphrat und des Tigris veranschaulicht.

Massive interferences in intact ecosystems have to be considered as a major cause for long lasting regional water scarcity. Resulting social and political tensions as well as ecological and hydrological consequences are to be put in context with different intentions of various involved regional players. Furthermore, the constellation of affected states and their relationship in matters of regional power are examined in the present study. The case of the Southeast Anatolia Project on the upper reaches of Euphrates and Tigris illustrates the complexity of water scarcity conflicts.


Johanna Reichenbach/Till Requate: Umweltpolitische Instrumente in Theorie und Praxis (S. 75-96)
Der Artikel verschafft einen Einblick in die ökonomische Analyse von Umweltproblemen und erläutert die grundsätzliche Funktionsweise der wichtigsten umweltpolitischen Instrumente, insbesondere Emissionssteuern, handelbare Emissionszertifikate und Emissionsstandards. Außerdem werden anhand einiger Fallbeispiele die aktuelle deutsche sowie die europäische Regulierung im Rahmen des Klimaschutzes kritisch beleuchtet und Konflikte bei überlappender Regulierung von Seiten der EU und ihrer Mitgliedsstaaten herausgearbeitet.

This article gives an introduction to the economic analysis of environmental problems and explains how the most prominent instruments of environmental policy work, in particular emission taxes, tradable emission permits, and emission standards. In addition, we critically discuss selected issues of current climate change regulation in Germany and Europe and demonstrate the conflict of overlapping regulation by the EU and its member states.


Tim Engartner: Wider starre (gesellschafts-) politische Grenzen in der Wissenschaft (S. 136-147)
Um der Wissenschaft zu einem höheren Maß an gesellschaftlicher Relevanz und Akzeptanz zu verhelfen, müssen Wissenschaftler(innen) sich nicht nur einer breiteren Öffentlichkeit stellen, sondern auch den akademischen Elfenbeinturm selbst durchlässiger gestalten. Letzteres geschieht seit einigen Jahren erfolgreich im Rahmen transdisziplinärer Forschungsprojekte. An einer breit angelegten Debatte über die Notwendigkeit, den Blick über den Tellerrand zu richten, um sich innerhalb der eigenen Disziplin gegenläufigen Auffassungen zum selben Thema zu stellen, fehlt es indes nach wie vor.

If science is to gain greater social relevance and acceptance, researchers must not only relate to the broader public, but also promote intercourse within the ivory tower itself. The latter process has been under way successfully for a number of years in the form of transdisciplinary research initiatives. What is still lacking is a broad debate about the necessity to look around properly and face up to opposing views on one and the same topic within our own discipline.


http://www.zeitschriftpolitischebildung.de/

Inhaltsübersicht

3. Ursachen der Nicht-Nachhaltigkeit
4. Universalistische Freiheit als Schranke beliebiger Mehrheitsherrschaft
5. Nachhaltige Freiheit
6. Nachhaltigkeit, Demokratie und Abwägungen
7. Durchsetzung der Nachhaltigkeit - Abschied von der gewachsenen national verengten Politikperspektive
8. "Käsewürfel und Klimawandel" - wie wird der Wandel möglich?
9. Ist mehr Klimaschutz/Nachhaltigkeit nicht sozial ungerecht?

Andreas Rechkemmer: Klimawandel als Weltproblem
1. Zum Stand des Klimawandels
2. Das globale Klima-Regime
3. Elemente eines neuen Klima-Regimes

Sebastian Oberthür: Die Vorreiterrolle der EU in der internationalen Klimapolitik: Erfolge und Herausforderungen
1. Die Vorreiterrolle der EU in der internationalen Klimapolitik
2. Die EU als internationaler Akteur: Die Organisation der auswärtigen EU-Klimapolitik
3. Glaubwürdigkeitslücke schließen: Der Fortschritt der EU-internen Klimapolitik
4. Bestehende Herausforderungen
5. Antriebskräfte und strategische Motivationen für die Vorreiterrolle der EU
6. Schlussfolgerung

Tobias Lindenberg: Konfliktstoff Wasser
1. Einführung
2. Ein Streitfall: Das Südostanatolienprojekt
3. Schluss

Johanna Reichenbach/Till Requate: Umweltpolitische Instrumente in Theorie und Praxis
1. Einleitung
2. Warum brauchen wir umweltpolitische Regulierung?
3. Die Wirkungsweise der wichtigsten umweltpolitischen Instrumente
4. Europäische Umweltpolitik in der Praxis: Einige Beispiele
5. Das Klimaprogramm der EU
6. Zusammenfassung

Unterrichtspraxis
Georg Weißeno: Die CO2-Richtlinie der EU
Materialien für den Unterricht

Buchbesprechungen

Forum
Tim Engartner: Wider starre (gesellschafts-)politische Grenzen in der Wissenschaft

Das aktuelle Thema
Gotthard Breit: Politische Beteiligung zu Ende gedacht? Proteste gegen China anlässlich der Olympischen Spiele

Tagungsbericht

Zu den Autoren

Dipl. Soz.-Wiss. Valentin Eck
Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Pädagogischen Hochschule, Abteilung Politikwissenschaft, 76133 Karlsruhe

Dr. Tim Engartner
Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Englisch in Bonn, Oxford und Köln. Derzeit Lehrbeauftragter an der Universität Köln im Bereich der politischen und ökonomischen Bildung. Försterstraße 2, 50823 Köln

Dr. Felix Ekardt
Jurist, Philosoph und Soziologe, seit 2003 Professor für öffentliches Recht an der Universität Bremen, Fachbereich Rechtswissenschaft, 28353 Bremen

Tobias Lindenberg
Studium der Staats- und Sozialwissenschaften in München, zur Zeit Dissertation an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel. Fachlehrer für Politische Bildung an der Marineunteroffizierschule in Plön

Dr. Sebastian Oberthür
Akademischer Direktor am Institute for European Studies (IES) an der Flämischen Vrije Universiteit Brussel (VUB)

Dr. Andreas Rechkemmer
Exekutivdirektor des Internationalen Programms zur Erforschung der menschlichen Dimensionen des globalen Umweltwandels der Universität der Vereinten Nationen (UNU-IHDP) mit Sitz in Bonn; lehrt Politische Ökologie an der Universität Köln

Johanna Reichenbach
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Volkswirtschaftslehre der Christian-Albrechts-Universität Kiel

Dr. Till Requate
Professor für Wirtschaftspolitik am Institut für Volkswirtschaftslehre der Christian-Albrechts-Universität Kiel

Dr. Georg Weißeno
Profesor für Politikwissenschaft und ihre Didaktik an der Pädagogischen Hochschule, 76133 Karlsruhe