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Historische Kompetenz

Aneignung und Vermittlung von Geschichte. Vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg. Jugendbewegung und Jugendarbeit. Historisch-politische Bildung 2014

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Historische Kompetenz

Über das Buch

2014 wird die historisch-politische Bildung eine besondere Rolle spielen. Dem Brauch der runden Zahlen folgend gibt das Jahr in mehrfacher Hinsicht Anlass, auf wichtige Stationen, die speziell im 20. Jahrhundert die Weichen stellten, zurückzublicken. Einen herausragenden Platz nehmen dabei der Erste und der Zweite Weltkrieg ein, deren Beginn sich zum 100. bzw. 75. Mal jährt. Das Jahr 1914 steht für den Auftakt der unfriedlichen Ordnung, die von Europa ausgehend die Welt in Krieg und Bürgerkrieg stürzte und die heute – vom erreichten Stand der europäischen Einigung aus betrachtet – als ferne Vergangenheit und gleichzeitig als ein bedenkliches Drohbild erscheint. Für viele der heutigen Zeitgenossen, vor allem für Jugendliche und junge Erwachsene, ist das ein weit entferntes Zeitalter, dessen Signatur immer undeutlicher wird. Dass die nationalstaatlichen oder weltwirtschaftlichen Triebkräfte, die dieses Zeitalter bestimmten, auch heute noch wirken, ist meist nicht bewusst – genau so wenig wie die Tatsache, dass die Eltern- und Großelterngeneration dadurch nachhaltig geprägt wurde.

Pädagogisch tragfähige Zugänge zu solchen historischen Zusammenhängen zu schaffen, um sich in der Gegenwart zu orientieren und Zukunft zu gestalten, ist das Anliegen der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung. Ihr geht es nicht primär um die Vermittlung historischen Wissens über Ereignisse, Institutionen und Personen. Sie will vielmehr die Vergangenheit, den Werdegang der heutigen Welt, als Editorial ein Feld erschließen, das den eigenen politischen Standort betrifft und herausfordert. Die Zugänge sind ja meist verschüttet, auch wenn sich heute durch die mediale Informationsüberfülle ein bunter Bilderreigen der Vergangenheit jedem Nachgeborenen geradezu aufdrängt. Der Bildungsarbeit geht es dagegen, kurz gesagt, um historische Kompetenz. Was das heißt – im Grundsätzlichen und bezogen auf die verschiedenen historischen Perspektiven –, will das vorliegende Heft deutlich machen und zur Diskussion stellen.

Es beginnt daher mit einem Grundsatzartikel von Prof. Christine Zeuner (Helmut Schmidt Universität Hamburg), der danach fragt, worin die Vermittlung historischer Kompetenz als Aufgabe außerschulischer politischer Bildung, gerade im Unterschied zur Schule, besteht. Ein wichtiger Bezugspunkt ist dabei das Kompetenzmodell von Oskar Negt. Prof. Arno Klönne (Universität Paderborn) wendet sich dann dem Ersten Weltkrieg und seinen Konsequenzen für die deutsche Erinnerungspolitik zu. Er zieht das Fazit, dass ohne systematische volks- und insbesondere jugendpädagogische Vorbereitung die Militarisierung und Brutalisierung des politischen Lebens nicht möglich gewesen wäre. Prof. Gerd Steffens (Universität Gießen) setzt dies mit einem Beitrag über den Zweiten Weltkrieg fort. Er thematisiert u.a. die Wege und Abwege der deutschen Erinnerungskultur, die sich an der „singulären“ Unmenschlichkeit des NS-Regimes festgemacht hat.

Dem folgt ein Rückblick von Dr. Susanne Rappe-Weber (Archiv der deutschen Jugendbewegung) auf 100 Jahre Jugendbewegung und Jugendarbeit in Deutschland. Ausgangspunkt ist das berühmte Jugendtreffen 1913 auf dem Hohen Meißner, das seine eigene Tradition mit Gedenkveranstaltungen und Rückblicken gestiftet hat. Den Abschluss des Schwerpunkts bildet ein Panorama der Praxis, das von der Journal-Redaktion zusammengestellt und von verschiedenen Autoren verfasst wurde. Hier berichten Vertreter und Vertreterinnen der (außerschulischen) politischen Bildung über Planungen, die für das Jahr 2014 anstehen, und reflektieren Notwendigkeit wie Zielsetzungen historisch-politischer Bildung.

Inhaltsübersicht

Editorial

SchwerPunkt HISTORISCHE KOMPETENZ

Christine Zeuner
Vermittlung historischer Kompetenz als Aufgabe politischer Bildung

Arno Klönne
„Stahlgewitter“ Der Erste Weltkrieg und die Erinnerungspolitik

Gerd Steffens
Volksgemeinschaft, Weltkrieg, Holocaust Folgerungen für die politisch-historische Bildung

Susanne Rappe-Weber
„Jugend erzieht sich selbst“ Jugendarbeit und Jugendbewegung im Spiegel der 100-Jahrfeier des Freideutschen Jugendtages

Ein Panorama der Praxis Historisch-politische Bildung im Jahr 2014

QuerDenken

Karl-Heinz Boeßenecker
50 Jahre Stiftung Mitarbeit Beiträge zur Entwicklung demokratischer Kultur und partizipativer Demokratie

ÜberGrenzen

Nazaret Nazaretyan, Matthias Klingenberg
Vom Zuhören-Lernen zum Miteinander-Reden Erfahrungen aus einem türkisch-armenischen Versöhnungsprojekt

VorGänge

Politische Bildung: Herbstkonferenzen / Bildungsbenachteiligung

LeseZeichen
Gewerkschaftliche Bildung / Antiextremismus / Vom Beutelsbacher Konsens zum Heppenheimer Dissens / Wie die Überlebenden zurechtkamen
/ Demokratiepädagogik

AugenMerk
Filmtipp: „Come together“ / Kulturprogramm: 1914 / Onlineangebote: Geschichte / Tagungsreihe: Antisemitismus / AdB: Tunesien /
KAS: Internet im Wahlkampf / Personen & Organisationen / Veranstaltungen

Zu den Autoren

Karl-Heinz Boeßenecker, Prof. em. Dr. M.A., Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, ist derzeit Direktor im Institut für Zukunftsfragen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft der Evangelischen Hochschule Darmstadt und war von 1988 bis 1991 Bundesgeschäftsführer der Stiftung Mitarbeit und bis 2006 Mitglied der Stiftungsgremien.

Paul Ciupke, Dr., ist Mitglied des Leitungsteams des Bildungswerks der Humanistischen Union NRW in Essen.

Robert Grünbaum, Dr., leitet den Bereich außerschulische Bildungsarbeit.

Jens Hüttmann, Dr., leitet den Bereich schulische Bildungsarbeit bei der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Martin Kaiser ist Direktor des Gustav Stresemann Instituts in Bad Bevense.

Matthias Klingenberg leitet dessen Regionalbüro für den Südkaukasus und die Türkei.

Arno Klönne, Prof. Dr., zuletzt Hochschullehrer an der Universität Paderborn, veröffentlichte jugendsoziologische Studien und Arbeiten zu den Themenfeldern Faschismus, Geschichte der Arbeiterbewegung und internationale Politik.

Nazaret Nazaretyan ist Referent für Funding und für die Region Zentralasien beim Institut für Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (dvv international).

Susanne Rappe-Weber, Dr. phil., ist Historikerin und Archivarin und leitet das Archiv der deutschen Jugendbewegung auf der Burg Ludwigstein in Witzenhausen.

Sascha Rex ist Referent für politische Jugendbildung beim Deutschen Volkshochschul-Verband in Bonn.

Nina Schillings ist Mitarbeiterin der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn.

Johannes Schillo ist Redakteur des Journals für politische Bildung

Gerd Steffens, Prof. Dr., lehrte bis 2007, nach einer Tätigkeit als Politik- und Geschichtslehrer, Politische Bildung und ihre Didaktik an der Universität Kassel. Mit der NS-Geschichte hat er sich in Theorie, Praxis und regional-geschichtlicher Forschung viele Jahre auseinandergesetzt.

Christine Zeuner, Prof. Dr., lehrt Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg und ist Mitglied der Journal-Redaktion.

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