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Interessenvermittlung durch Verbände

Bestellnummer: 4116
Autoren/Hrsg.: Wichard Woyke (Hrsg.)
unter Mitarbeit von: Nils C. Bandelow, Wolfgang Beutel, Gotthard Breit, Hans-Jürgen Friedrichs, Michèle Knodt, Markus Pille-Schowe, Christine Quittkat, Volker Reinhardt, Armin Scherb, Wolfgang Schroeder, Klaus Schubert, Christoph Strünck
Erscheinungsjahr: 2004
Auflage: 1
Seitenzahl: 152
ISBN: 978-3-89974116-2
Reihe: politische bildung
Format: Broschur

Verfügbarkeit: lieferbar

19,80 €
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Interessenvermittlung durch Verbände

Über das Buch

ABSTRACTS

Klaus Schubert: Neo-Korporatismus – und was dann?
Eine zentrale Fragestellung der Interessengruppen-Forschung ist das „wie“ der Einflussnahme, die Modi und Kanäle, über die sich Interessen Gehör verschaffen und zur Durchsetzung gelangen können. Dabei haben sich zwei Erklärungsansätze durchgesetzt: 1. der (Neo-) Korporatismus und 2. der Pluralismus. Beide Theorie-Schulen stoßen aber auf Grenzen ihrer Erklärungskraft. Im Streit dieser beiden Theorien könnte ein weiterer, neuerer Ansatz einen Ausweg bieten, der bisher zu wenig Beachtung gefunden hat: der Ansatz der Politischen Netzwerke.

Christoph Strünck: Arbeitnehmerorganisationen im Prozess der politischen Interessenvermittlung
Arbeitnehmerorganisationen zählen noch immer zu den zentralen Interessengruppen in Demokratien. Neben ihrer Funktion als Verhandlungspartner von Arbeitgebern wirken sie auch in der politischen Interessenvermittlung zwischen Parteien, Parlamenten, Regierungen und Medien mit. Die Organisationstypen sind unterschiedlich: Es gibt das Branchen- und Berufsprinzip, es gibt Massen- oder Nischenorganisationen, und die Organisationsgrade variieren beträchtlich. Verschiedene wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandlungstrends machen es allerdings immer schwieriger, Arbeitnehmerinteressen zu definieren und diese zu vertreten. Massive Mitgliederverluste, neue Beschäftigungsverhältnisse und Konfliktlinien sowie Veränderungen des politischen Systems bewirken, dass in Zukunft thematische Interessen-Koalitionen wichtiger sein werden als die einzelne Arbeitnehmer-Organisation.

Wolfgang Schroeder: Entwicklung und Wandel von Arbeitgeberverbänden in Deutschland
Prägend für das deutsche Modell der industriellen Beziehungen sind mitgliederstarke Arbeitgeberverbände, die mit dem Instrument des Flächentarifvertrages eine soziale Regulierung der Einkommensverhältnisse und Wettbewerbsstrukturen anstreben. Seit einigen Jahren ist dieser Typus von Arbeitgeberverband, insbesondere durch Dezentralisierungs-, Deregulierungs- und Desorganisationsprozesse im Rahmen veränderter ökonomischer Rahmenbedingungen, normativer Prämissen (Shareholder etc.), spezifischer Sozialisationsbedingungen und politischer Kräfteverhältnisse unter enormen Veränderungsdruck geraten. Die Zunahme von Tarif- und Verbandsflucht, die Bildung von Arbeitgeberverbänden ohne Tarifbindung und das Engagement für normative und organisatorische Alternativen können als Belege für Desorganisationsprozesse in den Arbeitgeberverbänden gewertet werden. Damit bleibt offen, ob und in welcher Form die Arbeitgeberverbände dem Mitgliederunmut, der abnehmenden Verpflichtungsfähigkeit und der Bedeutungszunahme alternativer Regelungskonzepte Paroli bieten können und wollen. Von den Antworten auf diese Prozesse wird es mit abhängen, in welche Richtung sich der Kapitalismus und die Politik der Interessenartikulation und -durchsetzung in Deutschland im europäisch-globalisierten Kontext verändert.

Nils C. Bandelow: Akteure und Interessen in der Gesundheitspolitik: Vom Korporatismus zum Pluralismus?
Das deutsche Gesundheitswesen galt bisher als Prototyp eines neokorporatistischen Verhandlungssystems. Vor allem die Verbände der Kassenärzte und Krankenkassen wurden als zentralistische Zwangsverbände in die Formulierung und Umsetzung staatlicher Politik eingebunden. Die aktuellen Entwicklungen zeigen grundlegende Veränderungen der gesundheitspolitischen Interessenvermittlung. Die Strukturen der Verbände im Gesundheitswesen nähern sich stärker pluralistischen Formen an. Gleichzeitig findet aber in veränderten Formen weiterhin (und teilweise zunehmend) eine Einbindung der Verbände in die staatliche Politik statt. Diese basiert weniger auf der Idee eines gleichberechtigten Tauschs zwischen den Vertretern gesellschaftlicher Interessen, sondern entspricht zunehmend der politisch und sozial besonders umstrittenen Form des Wettbewerbskorporatismus.

Michèle Knodt/Christine Quittkat: Interessenvermittlung im europäischen Mehrebenensystem
Der vorliegende Beitrag betrachtet die Interessenvermittlung von Wirtschaftsverbänden und Regionen im europäischen Mehrebenensystem. Untersucht wird, wie diese Akteure ihre Interessen in das verflochtene und Ebenen übergreifende System einbringen und welche Besonderheiten der Interessenvermittlung dabei zu beobachten sind. So lässt sich bei den europäischen Strategien der Interessenvermittlung von Wirtschaftsverbänden eine relativ klare Aufgabenteilung zwischen Euroverbänden und nationalen Verbänden erkennen; darüber hinaus werden länderspezifische Unterschiede hinsichtlich der Strategie- und Instrumentenwahl deutlich. Letzteres gilt ähnlich auch für Regionen, wobei nationale und regionale Unterschiede auf die ungleiche Ausstattung europäischer Regionen mit Kompetenzen, Ressourcen und der Fähigkeit zur strategischen Interaktion zurückzuführen sind.

Wolfgang Beutel: Verbände: Interessenorganisation und Gemeinwohl – ein Konflikt? Eine Unterrichtseinheit für die Sekundarstufe II
Interessenartikulation und politische Einflussnahme sind im politischen, kulturellen und sozialen Leben der Bundesrepublik Deutschland (und in anderen entwickelten Industrienationen der westlichen Moderne) ohne Verbände, deren Arbeit und Lobbyismus und ohne deren fachlichen Rat kaum denkbar. Ihr Einfluss bestimmt die Politik und die politische Kultur in Deutschland in weitaus größerem Maße, als dies die analytische Betrachtung des politischen Systems zunächst nahe legt. Verbände und organisierte Interessen genießen allerdings in der Wahrnehmung der Bürgerinnen und Bürger einen eher zwiespältigen, wahrscheinlich sogar negativen Ruf. Die Unterrichtseinheit will Verbände als Grundtatsache der Willensartikulation sozialen Lebens in der Moderne ebenso aufgreifen wie ihre Neigung sichtbar machen, in korporatistischen Handlungsstilen die verfasste Demokratie auf bisweilen undurchschaubare Weise zu beeinflussen. Dies erfolgt mit Hilfe von Materialien zu den Themen „Verpackungsordnung“ und „Agenda 2010 der Bundesregierung“.

Volker Reinhardt: Demokratische Bildung als selbstgesteuertes Projektlernen
Der Beitrag gliedert sich in drei Bestandteile einer neueren Diskussion in der politischen Bildung sowie deren Zusammenführung. Zunächst wird das selbst-gesteuerte Lernen als Lehr-/Lernform beschrieben, in einem zweiten Teil wird auf die besondere Struktur des Projektlernens eingegangen. Anschließend wird die demokratische Bildung bzw. das Demokratie-Lernen vorgestellt, um abschließend die beiden genannten Lernformen auf das Demokratie-Lernen anzuwenden. Es soll aufgezeigt werden, dass das selbstgesteuerte Projektlernen fast als eine logische Konsequenz des Demokratie-Lernens gesehen werden kann. Projektbeispiele belegen diesen Zusammenhang.

Hans-Jürgen Friedrichs/Markus Pille-Schowe: Gerichtssendungen im deutschen Privatfernsehen – die Darstellung des Rechts unter dem Aspekt der Erzählstruktur
Medienerziehung in der Schule muss einen Beitrag dazu leisten, dass Schüler die heutige Medienflut bewältigen lernen. Dies kann nicht vom Fach Politik bzw. Sozialwissenschaften allein ausgehen, sondern muss fachübergreifend geschehen. Das Fach Deutsch bietet im Verbund mit Sozialwissenschaften einen Zugang. Am Beispiel der Gerichtssendungen im deutschen Privatfernsehen wird gezeigt, wie narrative Elemente die deskriptive Textsorte der Gerichtsverhandlung in eine erzählende Textsorte überführen. Dies erzeugt größere Akzeptanz beim Publikum und steigert so die Quote, führt aber auch zu einer sehr vereinfachten Wahrnehmung der Gerichtswirklichkeit.

http://www.zeitschriftpolitischebildung.de/

Inhaltsübersicht

Wichard Woyke: Einleitung: Interessenvermittlung durch Verbände

Klaus Schubert: Neo-Korporatismus – und was dann?
1. Was ist Neo-Korporatismus?
2. Ausdifferenzierungen des ursprünglichen Modells
3. Veränderte Randbedingungen korporatistischer Politik
4. Variationen in den Beziehungen zwischen Regierung und Verbänden
5. Politische Netzwerke
6. Schluss

Christoph Strünck: Arbeitnehmerorganisationen im Prozess der politischen Interessenvermittlung
1. Von der Arbeiter- zur Arbeitnehmerbewegung
2. Organisationstypen und ihre Funktionen
3. Was sind Arbeitnehmerinteressen?
4. Strategien und Instrumente der Interessenvermittlung
5. Institutionen und Prozess der Interessenvermittlung
6. Wandel der Arbeitnehmerorganisationen, Wandel der Interessenvermittlung

Wolfgang Schroeder: Entwicklung und Wandel von Arbeitgeberverbänden in Deutschland
1. Einführung
2. Die historische Entwicklung der Arbeitgeberverbände
3. Organisatorische Strukturen und ihr Wandel
4. Aktuelle Probleme und strategische Reaktionen der Arbeitgeberverbände
5. Resümee

Nils C. Bandelow: Akteure und Interessen in der Gesundheitspolitik: Vom Korporatismus zum Pluralismus?
1. Einleitung
2. Akteure und Interessen im deutschen Gesundheitswesen
3. Phasen verbandlicher Interessenpolitik
4. Fazit

Michèle Knodt/Christine Quittkat: Interessenvermittlung im europäischen Mehrebenensystem
1. Das europäische Mehrebenensystem
2. Interessenvermittlung der Wirtschaft
3. Regionale Interessenvermittlung in der EU
4. Fazit

Unterrichtspraxis

Wolfgang Beutel: Verbände: Interessenorganisation und Gemeinwohl – ein Konflikt? Eine Unterrichtseinheit für die Sekundarstufe II
1. Einleitung
2. Verbände und Interessenorganisation – Definitonsversuche und Theorie
3. „Verpackungsordnung – Dosenpfand“ und „Agenda 2010“: zwei aktuelle Beispiele
4. Arbeitsziele und didaktische Überlegungen
Materialien und Interpretationsangebote zur Unterrichtseinheit,
zusammengestellt von Wolfgang Beutel

Buchbesprechungen

Besprechung zum Thema
WOLFGANG SCHROEDER/BERNHARD WESSELS (HRSG.): Die Gewerkschaften in Politik und Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland (von Ursula Bazant)

Besprechung zur Fachwissenschaft
CHRISTIAN SCHWAABE: Der distanzierte Bürger. Gesellschaft und Politik in einer sich wandelnden Moderne (von Jörg Ramel)

Besprechungen zur Fachdidaktik
ANJA BESAND: Angst vor der Oberfläche. Zum Verhältnis ästhetischen und politischen Lernens im Zeitalter Neuer Medien (von Hans-Werner Kuhn)

DOKUMENTATIONSZENTRUM OBERER KUHBERG ULM E.V./OBERSCHULAMT TÜBINGEN (HRSG.): „Württembergisches Schutzhaftlager Ulm“. Ein frühes Konzentrationslager im Nationalsozialisus (1933-1945). Informationen und Arbeitshilfen für den Besuch der Ulmer KZ-Gedenkstätte mit Schülern (von Ulrich Klemm)

Allgemeiner Teil

Forum
Volker Reinhardt: Demokratische Bildung als selbstgesteuertes Projektlernen
Hans-Jürgen Friedrichs/Markus Pille-Schowe: Gerichtssendungen im deutschen Privatfernsehen – die Darstellung des Rechts unter dem Aspekt der Erzählstruktur

Wolfgang W. Mickel zum 75. Geburtstag

Das aktuelle Thema
Gotthard Breit: Der Streit um die Ausbildungsabgabe

Tagungsbericht
Armin Scherb: Demokratie braucht politische Bildung

Abstracts

Autorinnen und Autoren

Zu den Autoren


PD Dr. Nils C. Bandelow, Lehrstuhlvertreter an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Hochschuldozent an der Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Sozialwissenschaft, 44780 Bochum

Dr. Wolfgang Beutel, Löbstedter Str. 67, 07749 Jena, Geschäftsführer des Wettbewerbs „Förderprogramm Demokratisch Handeln“,

Hans-Jürgen Friedrichs, Tulpenstr. 19, 59909 Bestwig-Nuttlar, Oberstudienrat i.E. am Gymnasium der Benediktiner in Meschede

Dr. Michèle Knodt, Wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Politische Wissenschaft II Universität Mannheim, 68131 Mannheim

Christine Quittkat, M. A., Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Politische Wissenschaft II Universität Mannheim, 68131 Mannheim

Dr. Volker Reinhardt, Juniorprofessor für Didaktik der Sozialwissenschaften, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Sozialwissenschaft, Universitätsstraße 150, 44780 Bochum

Markus Pille-Schowe, M.A., Hüserstraße 29, 59821 Arnsberg, Studienrat i.E. am Gymnasium der Benediktiner in Meschede

Dr. Wolfgang Schroeder,Privatdozent an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt; Abteilungsleiter Sozialpolitik beim Vorstand der IG Metall

Dr. Klaus Schubert, Professor für Deutsche Politik und Politikfeldanalyse am Institut für Politikwissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Scharnhorststraße 100, 48151 Münster

Dr. Christoph Strünck, Universität Duisburg-Essen, Institut für praxisorientierte Sozialwissenschaften,
Lotharstr. 65, 47057 Duisburg