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Propaganda, Desinformation, Verschwörung

Journal für politische Bildung 4/2017

Bestellnummer: Jpb4_17 (Print) / 40611 (PDF)
unter Mitarbeit von: Johannes Baldauf, Ali Can, Thomas Gill, Benno Hafeneger, Verena Haug, Claus Leggewie, Manfred Pappenberger, Jan Rathje, Jette Stockhausen, Frieder Vogelmann, Juliane Wetzel, Alexander Wohnig
Erscheinungsjahr: 2018
Seitenzahl: 88
ISBN: Jpb4_17 (Print) / 978-3-7344-0611-9 (PDF)
Reihe: Journal für politische Bildung

Verfügbarkeit: Vorbestellen, erscheint Januar 2018

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Propaganda, Desinformation, Verschwörung

Über das Buch

Aktuelle Umfragen belegen: Die Verschwörungstheorie, einst eine Denkfigur der Selbstisolation, ein Exerziersport von Spinnern an der Peripherie, breitet sich aus. Sie wandert von den Rändern in Richtung Zentrum und wird diskursmächtig – und zwar zur Rechten wie zur Linken“ – so diagnostizierte der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen im Frühjahr 2017 die gegenwärtige „Zeit des großen Verdachts“.

In der Auseinandersetzung mit Verschwörungstheorien muss man zunächst anerkennen, dass Verschwörungen real exis­tieren. Die Geschichte ist voller Beispiele, wie Menschen sich im Geheimen zusammengeschlossen haben, um ihre Macht zu sichern und auszubauen. Es ist also nicht von vornherein abwegig, Ereignisse darauf zu prüfen, ob sie das Ergebnis einer Verschwörung waren oder sind. Problematisch wird dieser Vorgang jedoch, wenn der Verdacht einer Verschwörung nicht fallengelassen wird, sobald er sich als falsch erwiesen hat.

Verschwörungstheorien versuchen, Zufälle oder Ereignisse, auf die Menschen im Allgemeinen keinen direkten Einfluss ausüben können, durch den Plan einer großen Weltverschwörung zu erklären. Doch wie können komplexe Sachlagen verständlich erklärt werden? Durch das Internet wird zunehmend deutlich, wie weit Verschwörungsideologien in der Gesellschaft verbreitet sind. Dies liegt an der Demokratisierung des Netzes, also der Möglichkeit für alle, ihre Meinung zu veröffentlichen. Was früher nur in einzelnen Studien als Einstellungen der Menschen zutage trat, wird heute täglich von den Menschen in die Öffentlichkeit gesendet. In den Sozialen Medien zeigt sich, dass Verschwörungsideologien, Fake News und Propaganda nicht nur von vermeintlichen gesellschaftlichen Randpersonen verbreitet und geglaubt werden. Der oftmals skandalisierende Ton, das Zusammenspiel von einfachen Erklärungen und der Benennung von Schuldigen ist für die breite Masse attraktiv; und dies vollkommen unabhängig von Geschlecht, Alter oder Bildung. Doch wie erkennt man derartige Unwahrheiten im Zwiegespräch, an Stammtischen und in den Medien?

Durch die Konfrontation mit Propaganda, Desinformation und Verschwörung als Angstfigur des rationalen Austauschs von Argumenten wird eines unabweisbar deutlich: Aufklärung und Diskurs brauchen heute neue Formen. Es reicht nicht mehr, einfach nur Positionen auszutauschen, weil in der „Zeit des großen Verdachts“ die gemeinsame Gesprächsgrundlage zwischen vielen Menschen weggebrochen ist. Man muss deutlich machen, was überhaupt als Beweis taugt, welche Quellen man verwendet, wie man zu den eigenen Ansichten und Gewissheiten gelangt ist, denn Demokratie lebt – trotz vieler erschreckender Gegenbeispiele – von der Idee der Mündigkeit. Diesen und den oben ausgeworfenen Fragestellungen der politischen Bildung im Kontext von „Propaganda – Desinformation – Verschwörung“ widmet sich diese Ausgabe.

Inhaltsübersicht

ZeitZeugen

Ali Can
Für mehr wertschätzenden Austausch

VorGänge

Jugend ermöglichen und politische Bildung stärken / Festakademie zur Verabschiedung von Lothar Harles / Fachveranstaltung „Medien­sommer” / basa e. V. / Wirkung der Arbeiten von Achim Schröder

SchwerPunkt
Propaganda, Desinformation, Verschwörung

Frieder Vogelmann
Demokratische Wahrheit statt postfaktischer Politik

Juliane Wetzel
Verschwörungstheorien als Ersatzreligion? Eine historische Herleitung

Johannes Baldauf, Jan Rathje
Antisemitismus und Verschwörungs­erzählungen heute.
Zur Aktualität des Mythos der „jüdischen Weltverschwörung”

Manfred Pappenberger
Falschmeldungen, Hasskommentare, Social Bots.
Die Rolle von Staat und Medien

Claus Leggewie
Wissenschaftsfreiheit in „postfaktischen” Zeiten

Benno Hafeneger
Aufklärung, Wissen und Reflexion vs. Fake News, Mythen und Legenden.
Herausforderung für die politische Bildung

BildungsPraxis

Aktueller Antisemitismus – Eine lohnende Auseinandersetzung mit Verschwörungs­ideologien im Netz.
Projektskizze von Verena Haug

Jette Stockhausen, Alexander Wohnig
Ausgewählte Bildungsmaterialien zu Verschwörungstheorien

E-Learning-Kurs „Sind denn alle verrückt hier?! Verschwörungstheorien erkennen“

MitDenken

Thomas Gill
Werthaltungen vermitteln? Politische Bildung im Kontext von Zuwanderung

ÜberGrenzen

Rainer Gries
Von der „Nord-Süd-Kommission” zum „Marshallplan”: Krisenkontinent Afrika

LeseZeichen

Politische Bildung mit Marx? / Wieviel Konsens braucht die politische Bildung? / „Den" Terrorismus gibt es nicht / Ältere Menschen und politische Bildung / Kompendien für die Bildungs- und Präventionsarbeit gegen Rechtsextremismus

AusBlick

Zu den Autoren

Johannes Baldauf, M.A.,
hat Literaturwissenschaft, Jüdische Studien und DaF studiert. Für die Amadeu Antonio Stiftung hat er Projekte zu Erscheinungsformen von Hate Speech und zu Gegenstrategien in Sozialen Netzwerken geleitet und europaweit dazu beraten und referiert. Er arbeitet als Berater.

Ali Can
wurde 1993 als Sohn einer türkisch-kurdischen alevitischen Familie im Südosten der Türkei geboren. Er war selbst Asylsuchender, als sich seine Familie aufgrund der Diskriminierung von kurdischen Aleviten im Jahr 1995 auf den Weg nach Deutschland machte. An der Justus-Liebig-Universität Gießen befindet sich Ali mittlerweile am Ende seines Lehramtsstudiums. Er engagiert sich für diverse Hilfsorganisationen und gibt seit einigen Jahren Workshops für den Umgang mit kultureller Vielfalt. Zudem war er 2016 Gründer des Vereins „Interkultureller Frieden e. V.“ und ist als Journalist für mehrere nationale Medien tätig. Durch seine Friedensreisen durch den Osten Deutschlands, die ihn u. a. regelmäßig zu PEGIDA- und AfD-Veranstaltungen führen, und seine 2017 gegründete „Hotline für besorgte Bürger“ bekam er in den letzten Monaten weltweite mediale Aufmerksamkeit und setzt wichtige Akzente im deutschen Integrationsdiskurs.

Thomas Gill
ist Leiter der Berliner Landeszentrale für politische Bildung. Zuvor war er u.a. als Leiter der Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein in der politischen Bildung aktiv.

Rainer Gries, Dipl.-Sozialwissenschaftler,
ist ehemaliger Leiter der Kurt-Schumacher-Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bad Münstereifel.

Prof. em. Dr. Benno Hafeneger
lehrte an der Philipps-Universität Marburg zu „Jugend und außerschulischer Jugendbildung“ und ist Mitglied der Journal-Redaktion.

Dr. Verena Haug
ist Projektkoordinatorin des Projektes „Antisemitismus und Protestantismus“ der Evangelischen Akademien in Deutschland e. V. (EAD) und stellt im Journal Überlegungen zum Umgang mit Verschwörungstheorien in der Praxis an.

Prof. Dr. Claus Leggewie
ist Professor für Politikwissenschaft und Direktor des Käte Hamburger Kolleg / Centre for Global Cooperation Research in Duisburg sowie Inhaber der Ludwig Börne-Professur an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Von 2007 bis August 2017 leitete er das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI).

Manfred Pappenberger, Dipl.-Pädagoge,
studierte Erziehungswissenschaft, Soziologie, Psychologie und Kriminologie an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Seit 1990 ist er Dozent für politische Bildung am Bildungszentrum Bad Staffelstein.

Jan Rathje, M.A.,
leitet seit 2015 das Projekt „No World Order. Handeln gegen Verschwörungsideologien“ der Amadeu Antonio Stiftung. Vorher war er in der mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus tätig.

Jette Stockhausen
ist derzeit im Vorbereitungsdienst für das Lehramt in Kassel und freie Mitarbeiterin der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung (HLZ). Seit Frühjahr 2017 ist sie zudem Teil der erweiterten Journal-Redaktion.

Dr. Frieder Vogelmann
studierte Philosophie, Mathematik und Kognitionswissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und wurde in Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main promoviert. Er arbeitet am Institut für Interkulturelle und Internationale Studien (InIIS) der Universität Bremen in der Arbeitsgruppe Politische Theorie.

Dr. Juliane Wetzel,
Historikerin, ist seit 1991 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin. Zudem ist sie Mitglied des Unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus des Deutschen Bundestages.

Dr. Alexander Wohnig
ist akademischer Mitarbeiter an der Heidelberg School of Education (Universität und Pädagogische Hochschule Heidelberg). Seit Frühjahr 2017 ist er Teil der erweiterten Journal-Redaktion.

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