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Religion - Macht - Politik

Journal für politische Bildung 3/2017

Bestellnummer: jpb3_17 (Print) / 40564 (PDF)
unter Mitarbeit von: Theresa Beilschmidt, Inga Beinke, Ramona Bullik, Constantin Klein, Hermann-Josef Große Kracht, Hussein Hamdan, Klaus-Peter Hufer, Moritz Kilger, Constantin Klein, Jette Stockhausen, Heinz Streib, Rita Süssmuth, Alexander Wohnig
Erscheinungsjahr: 2017
Seitenzahl: 80
ISBN: jpb3_17 (Print) / 978-3-7344-0564-8 (PDF)
Reihe: Journal für politische Bildung
Neuheiten: Neuerscheinung

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Religion - Macht - Politik

Über das Buch

Die seit der Aufklärung und insbesondere der Französischen Revolution machtvoll voranschreitende Säkularisierung und die damit verbundene Herauslösung von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft aus theologisch-kirchlichen Deutungen führte nicht zum Verschwinden der Religionen, doch hat die Religion im pluralistischen Gemeinwesen seitdem einen wesentlich veränderten Stellenwert. Anders als in England und den USA, wo der Aufbau des neuzeitlichen und modernen Staates weitgehend unbelastet von Glaubenskämpfen und staatlich-kirchlichen Konflikten vor sich ging, vollzog sich in Kontinentaleuropa die Entwicklung von Demokratie und Menschenrechten in scharfer Auseinandersetzung mit Kirche und christlichem Glauben. Dieser war in der Monarchie Staatsräson, in Deutschland noch bis zum Zusammenbruch des Kaiserreiches 1918, wo bis dato eine enge Bindung zwischen staatlicher und kirchlicher Macht – Thron und Altar – herrschte.

Über Jahrzehnte war Religion ein eher unterrepräsentierter Themenbereich in den großen politischen Auseinandersetzungen der Bundesrepublik Deutschland. Religionspolitische Fragestellungen und Konflikte werden in der Öffentlichkeit allerdings zunehmend kontrovers diskutiert, und Politiker/-innen unterschiedlicher Couleur betonen nachdrücklich die Bedeutung von Religionen und Glaubensgemeinschaften für Staat, Demokratie und Gesellschaft. Gleichzeitig finden religiöse Transformationsprozesse in der Gesellschaft statt, welche nicht zuletzt durch Zuwanderung beschleunigt werden, und es wird intensiv debattiert, wie mit religiös motivierter Diskriminierung und Gewalt umgegangen werden kann. Obwohl in Deutschland formalisierte religiöse Bindungen abnehmen und die Akzeptanz christlicher Überzeugungen schwindet, kann im Allgemeinen jedoch nicht von einem fortschreitenden Bedeutungsverlust von Religion(en) die Rede sein, im Gegenteil: Die Religion ist in den vergangenen Jahren – spätestens seit 9/11 als eine welthistorische Zäsur sowie als „Chiffre für die Ohnmacht der Aufklärung“ (Arno Orzessek) – mit großer Wirkungsmächtigkeit in die Öffentlichkeit zurückgekehrt.

Haben wir es mit einer genuinen Renaissance des Religiösen zu tun oder handelt es sich hierbei um eine Instrumentalisierung von Religion für politische Zwecke? Fest steht zumindest, dass Religion, Macht und Politik sich in einem Spannungsfeld gesellschaftlichen Zusammenlebens befinden und in Zusammenhängen der politischen Bildung immer umfangreicher und kontroverser diskutiert werden. Religion ist demnach wieder ein großes Thema. Wo verschiedene religiös-weltanschauliche Überzeugungen aufeinandertreffen, da entstehen Wertkonflikte, die des öffentlichen Diskurses bedürfen und häufig emotional werden, da solche Dispute die Menschen im Kern ihrer Identität berühren. Gleichzeitig sind sie immer nur einer von vielen Faktoren, aus denen Identität erwächst, wenn auch ein bedeutsamer. Und oft scheint es einfacher, seine religiös-weltanschauliche Überzeugung vorzuschieben, um sich abzugrenzen, anstatt in einen Dialog einzutreten. Unsere Gesellschaft wird pluraler, womit das Potenzial für gesellschaftliche Konflikte, die religiös bzw. weltanschaulich motiviert sind, wächst. Umso wichtiger ist es, einander zuzuhören und in einen sachlichen Austausch darüber einzutreten, welche religionspolitische Gestaltung zukunftsfähig ist: Wie viel und welche religiöse Aktivität verträgt der demokratische Staat? Und wie viel staatliche Regelung vertragen die Religionen? Diesen und anderen Leitfragen im Spannungsfeld „Religion – Macht – Politik“ widmet sich dieses Heft.

Inhaltsübersicht


Inhalt

VorGänge

6   Verleihung des bap-Preis Politische Bildung /
Jung und engagiert? Jungagiert! / Forschungs-
projekt: „Religiöse Positionierung“ / Tagung des
GPJE-Nachwuchses / Tutzing: Ort der Reflexion
in kontrafaktischen Zeiten / 30 unter 30: Junge
Menschen für eine starke Demokratie


MitDenken

12   Interview mit Klaus-Peter Hufer
Erfolgreich gegen Parolen, Palaver
und Populismus
Wie man im Alltag mit menschenfeindlichen
Äußerungen umgehen kann


SchwerPunkt
Religion – Macht – Politik

20   Hermann-Joseph Große Kracht
Unter Reflexionsdruck:
Religionen und Republik

24   Theresa Beilschmidt
Kann Integration in der Moschee gelingen?
Das Beispiel DITIB

30   Hussein Hamdan
Muslime als Partner
Ein Projekt zur Einordnung von Islamfragen
in Kommunen

36   Moritz Kilger
Warum wir gerade im Lutherjahr
Max Webers „Protestantische Ethik“
wieder lesen sollten!

42   Heinz Streib, Ramona Bullik, Constantin Klein
Xenosophie und Religion in Deutschland
Einstellungen Jugendlicher zum Fremden

48   Inga Beinke
Das Fremde und das Eigene
Der Faktor Religion in der politischen Bildung

 

MitDenken

12   Erfolgreich gegen Parolen, Palaver und
Populismus
Im Interview mit dem JOURNAL stellt sich Prof. Dr. Klaus-
Peter Hufer (Universität Duisburg-Essen) den Fragen
zu den von ihm entwickelten Argumentationstrainings
gegen Stammtischparolen.

 


SchwerPunkt

18   Die staatliche Angst vor den Religionen
Demokratien beschäftigen sich intensiv mit der Frage, wie
sie es mit den Wahrheits- und Öffentlichkeitsansprüchen
der Religionsgemeinschaften halten wollen. Wie können
Religionen und Republik miteinander umgehen?

 

 

SchwerPunkt

24   Kann Integration in der Moschee gelingen?
Kaum ein islamischer Dachverband in Deutschland
bestimmt derzeit die Debatten so stark wie die mit der
türkischen Religionsbehörde verbundene DITIB. Sind
Moscheegemeinden Orte gesellschaftlicher Integration?

 

 

 

ZeitZeugen

54   Rita Süssmuth
„Politische Bildung ist nicht nur in Krisenzeiten wichtig,
sondern eine Daueraufgabe“ – so Rita Süssmuth in
ihrem programmatischen Beitrag zum Spannungsfeld
von Migration, Politik und Religionen.

 

BildungsPraxis

56   Interreligiöses Lernen im Lutherjahr
Was sind die Grundlagen Interreligiösen Lernens in der
Jugendarbeit, welche Projekte der außerschulischen
politischen Bildung gibt es, und wie können Hürden und
Herausforderungen gemeistert werden?

 

ÜberGrenzen

72   Kirchliche Entwicklungszusammenarbeit heute
Gibt es eine globale Zivilgesellschaft in Zeiten des Populismus?
Angesichts der weltweiten Herausforderungen
wie Armutsbekämpfung und Klimawandel wächst die
Bedeutung von transnationalem Engagement.

3/2017

 

ZeitZeugen

54   Rita Süssmuth
Migration, Politik und Religionen

 

BildungsPraxis

56   Jette Stockhausen, Alexander Wohnig
Religion als legitime Lebensorientierung
im Rahmen der Demokratie. Interview mit
Carsten Passin • Interreligiöses Lernen in
der Jugendarbeit

 

LeseZeichen

64   Wider den permanenten Stammtisch /
Zur (NS-)Vergangenheit der Zunft / Nahostkonfl
ikt und politische Bildung / Puzzleteile eines
Bildes der rechtsextremen Bewegung / Aufklä-
rungsliteratur im allerbesten Sinne

 

ÜberGrenzen

72   Karl Weber, Markus Büker
Zwischen den Welten
Kirchliche Entwicklungszusammenarbeit
und globales Lernen

 

AusBlick

76   Kooperationsprojekt „Empowered by
Democracy“ / Jahrestagung der Transferstelle /
Mit Rückgrat gegen PAKOs! / Studie „Junges
Europa 2017“ / Integrations- und Migra-
tionsforschung / Personen & Organisationen /
Veranstaltungen
Propaganda –

Zu den Autoren

Dr. Theresa Beilschmidt
arbeitet als Referentin in der (politischen) Erwachsenen- und Jugendbildung am St. Jakobushaus, Akademie der Diözese Hildesheim, in Goslar. Dort ist sie zuständig für die Bereiche Migration/Flucht, Islam, interreligiöser Dialog und gesellschaftlicher Zusammenhalt.

Inga Beinke, M.A.,
arbeitet als Referentin im Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA). Als Dozentin in der Erwachsenenbildung beschäftigte sie sich mit dem Verhältnis von Politik und Religion aus demokratietheoretischer Perspektive.

Ramona Bullik, M. A.,
ist Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Religionsforschung/Religionspsychologie im DFG-Projekt „Längsschnittuntersuchung religiöser Entwicklung“.

Dr. Markus Büker
ist seit 2012 zuständig für Theologische Grundfragen bei Misereor in Aachen und Mitglied der Stabsstelle. Zuvor war er in Bogotá, Kolumbien, in der ökumenischen Friedensarbeit tätig, seit den 1990er Jahren arbeitet er zu Fragen weltweiter Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit.

Apl. Prof. Dr. Hermann-Josef Große Kracht M.A.
ist katholischer Theologe und Sozialwissenschaftler. Er arbeitet seit 2008 als Akademischer Oberrat am Institut für Theologie und Sozialethik der TU Darmstadt.

Dr. Hussein Hamdan,
Islam- und Religionswissenschaftler, promovierte an der Universität Tübingen. Seit 2012 ist er an der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart tätig. Er leitet das Projekt „Muslime als Partner in Baden-Württemberg“ und das Fortbildungs­angebot „Islam im Plural“.

Klaus-Peter Hufer,
Jahrgang 1949, Prof. Dr. rer. pol. phil. habil., ist außerplanmäßiger Professor an der Fakultät Bildungswissenschaften der Universität Duisburg-Essen. Er hat zahlreiche Bücher und Beiträge zur politischen Erwachsenenbildung verfasst, unter anderem auch zur Bildungsarbeit gegen Rechtsextremismus.

Dr. Moritz Kilger
ist Vorstand der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) in Berlin. Von 2012 bis 2017 war er Leiter der Stiftung Europäische Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar (EJBW).

Prof. Dr. Constantin Klein,
Theologe und Psychologe, ist Professor für Spiritual Care an der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Carsten Passin
ist freiberuflicher Philosophischer Praktiker und Projektleiter der „DenkWege zu Luther“. Seit 1986 ist er in der philosophischen, politischen, kulturellen und religionskundlichen Bildung überwiegend in Ostdeutschland tätig und hat diverse Projekte zum Philosophieren mit Jugendlichen, insbesondere im Jugendverein philoSOPHIA e. V., geleitet.

Jette Stockhausen
arbeitet als Lehrbeauftragte an der Philipps-Universität Marburg sowie der Universität Kassel und ist freie Mitarbeiterin der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung (HLZ). Seit Frühjahr 2017 ist sie zudem Teil der erweiterten Journal-Redaktion.

Prof. Dr. Heinz Streib
ist Professor für Religionspädagogik an der Universität Bielefeld und Leiter der Forschungsstelle Biographische Religionsforschung.

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Rita Süssmuth
übte zwischen 1966 und 1982 zahlreiche wissenschaftliche Tätigkeiten an der Pädagogischen Hochschule Ruhr, der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Dortmund aus. 1985 wurde sie zur Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit ernannt. Von 1987 bis 2002 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages, von 1988 bis 1998 dessen Präsidentin. Von 1988 bis 2015 war sie Präsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verban­des, dessen Ehren-Präsidentin sie seit 2015 ist. Zwischen 2000 und 2001 saß sie der Unabhängigen Kommission Zuwanderung und von 2002 bis 2004 dem Sachverständigenrat für Zuwanderung und Integration vor. 2004 bis 2005 gehörte sie der UN-Weltkommission für Internatio­nale Migration an. Seit 2005 ist sie Präsidentin des Deutschen Polen Instituts, seit 2008 Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung. Seit 2010 ist sie Präsidentin des deutschen Hochschul­­­­konsortiums der Deutsch-Türkischen Universität in Istanbul.

Dr. Karl Weber,
Theologe und Historiker, ist seit 2016 Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke (AKSB) in Bonn. Zuvor war er bei Misereor in Aachen u. a. Mitglied der Stabsstelle sowie in der Leitung des Bundesverbandes der Christlichen Arbeiterjugend in Essen tätig. Nebenamtlich ist er Lehrbeauftragter an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Aachen.

Dr. Alexander Wohnig
ist akademischer Mitarbeiter an der Heidelberg School of Education (Universität und Pädagogische Hochschule Heidelberg). Seit Frühjahr 2017 ist er zudem Teil der erweiterten Journal-Redaktion.

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