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Utopien

Politikum 2/2018

Bestellnummer: Pk2_18 (Print) / 40663 (PDF)
Autoren/Hrsg.: Stefan Schieren (Hg.)
unter Mitarbeit von: Jörg Althammer, Martin d'Idler, Gerhard Kruip, Richard Nate, Andreas Osiander, Walter Reese-Schäfer, Thomas Schölderle, Maximilian Sommer
Erscheinungsjahr: 2018
Seitenzahl: 80
ISBN: Pk2_18 (Print) / 978-3-7344-0663-8 (PDF)
Reihe: Politikum
Neuheiten: Neuerscheinung

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Utopien

Über das Buch

Im Alltag wird das Wort „utopisch“ gemeinhin für etwas verwendet, das als phantastisch und nicht wirklich gilt. Wer „utopischen“ Ideen anhängt, wird nicht selten als verträumt, als weltfremd angesehen. Dabei hat die Utopie in der Philosophie und in der Literatur Europas eine ebenso lange Tradition, wie sie eine wichtige Funktion im politischen Denken übernommen hat.

Bereits in der Antike träumte Platon von einem Ort als Gegenentwurf zu den von ihm kritisierten Zuständen in Athen: Atlantis. Die Menschen der Antike und des Mittelalters erdachten viele weitere Sehnsuchtsorte, die als Gegenentwurf zum eigenen Jammertal zu verstehen sind: das Paradies, Montsalvech, der Gottesstaat oder das Schlaraffenland. Es war schließlich Thomas Morus, der mit seinem Roman „Utopia“ eine neue literarische Gattung schuf und ihr sogleich den Namen verlieh. Seither sind unzählige Werke in Literatur, Philosophie, Bildhauerei, Malerei, Film und Computerspiel entstanden, die Phantasiewelten erschaffen, meist zur Unterhaltung, doch häufig genug mit dem Ziel, die politischen und gesellschaftlichen Zustände zu kritisieren und zu verändern. Einige dieser Utopien – wie der Kommunismus – wurden zu wirkmächtigen Ideologien, die den Gang der Weltgeschichte entscheidend verändern sollten und ihrerseits beißende Kritik erzeugten, die um 1900 eine wieder neue Gattung hervorbrachten: die Dystopie.

Diese Ausgabe von Politikum befasst sich mit den verschiedenen Facetten utopischer Entwürfe. Im Anschluss an einen Überblicksbeitrag folgt eine Einführung in die frühen Vorstellungen vom idealen Staat. Mit dem Ausgreifen Europas auf die Welt wuchs das Bedürfnis, eine Ordnung zu schaffen, die den Frieden zwischen den in Entstehung begriffenen Territorialstaaten jenseits dynastischer Arrangement garantieren könnte. Die Sehnsucht nach dem „Ewigen Frieden“ (Immanuel Kant) stand an der Wiege des Völkerbunds und der Vereinten Nationen. Die Skepsis, ob die Menschheit in der Lage sein würde, eine ideale Ordnung zu erschaffen, ließ einige Denker schon früh auf den Gedanken verfallen, dass dazu ein „neuer Mensch“ die Voraussetzung sei. Der entsprechende Beitrag zeigt, dass die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse des 19. Jahrhunderts die Möglichkeit zu eröffnen schienen, solch vage Ideen zu konkreten Plänen weiterentwickeln zu können, bis der Wahn vom „Herrenmenschen“ die zerstörerische Kraft derartiger dystopischer Vorstellungen offenbarte.Auch andere Utopien erschienen nicht als Verheißung, sondern als elementare Bedrohung und brachten ein neues Genre hervor, die Dystopie, die in Filmen und Videospielen deutlich weitere Verbreitung finden als utopische Entwürfe.

Die Diskussion um ein „Grundeinkommen“ ist ebenso konkret und aktuell, wie sie kontrovers ist. Ist sie eine „Utopie, die keine bleiben muss“ und – wenn ja – wie ist es um die Finanzierbarkeit bestellt? Oder ist das Grundeinkommen ein Gedanke, der nicht zu realisieren ist? Bei der Gegenüberstellung der konträren Meinungen wird zudem deutlich, dass die Protagonisten von sehr unterschiedlichen Dingen sprechen, wenn von „Grundeinkommen“ die Rede ist. Um ein „bedingungsloses Grundeinkommen“ für alle Bewohner in Deutschland geht es nämlich in aller Regel nicht, womit die Diskussion aber nicht nur auf dem Boden der harten ökonomischen Tatsachen landet, sondern ihren revolutionären Charakter einbüßt.

Nicht alles, was „utopisch“ des Weges kommt, ist weltfremd oder gar überflüssig. Als Ziel oder als Kontrastprogramm zu einer möglicherweise allzu buchhalterischen Politik haben Utopien auch heute ihre politische Funktion.

Inhaltsübersicht

Schwerpunkt
Die Utopie im politischen Denken
Thomas Morus schuf mit seinem Roman „Utopia“
eine neue literarische Gattung für ein altes Thema,
das für alle späteren Texte dieser Art prägend
wurde.

 

Schwerpunkt
Die Utopie vom ewigen Frieden
In der Zeit von 1500 bis 1800 befanden sich die
Mächte häufi ger im Krieg als im Frieden. Die Hoff-
nung auf „Ewigen Frieden“ (Kant) steht an der
Wiege der UNO.

 

Schwerpunkt
Die Utopie vom idealen Staat
Die Idee von einem idealen politischen und gesell-
schaftlichen Zustand durchzieht das politische
Denken in Europa und ist eng verknüpft mit Fort-
schrittsglauben und Untergangsszenarien.

Schwerpunkt
Die Utopie vom „Neuen Menschen“
Die Überzeugung, dass eine vollkommene Ordnung
einen „neuen Menschen“ voraussetze, endete unter
anderem im Rassenwahn des 19. und 20. Jahrhun-
derts.

 

 

Schwerpunkt
Die Dystopie als politisches Frühwarnsystem
Die Befürchtung, dass Gegenwartstendenzen nicht
in die Freiheit, sondern in die totale Überwachung
führen, brachte im 20. Jahrhundert mit der Dystopie
ein neues literarisches Subgenre hervor.

 

Bedingungsloses Grundeinkommen
Pro
Ein „bedingungsloses Grundeinkommen“ wird seit
sehr langer Zeit überaus kontrovers diskutiert. Unter
Beachtung einer Reihe von Randbedingungen muss
es keine Utopie bleiben.

 

Contra
Das Grundeinkommen berührt nicht nur ökonomi-
sche Fragen. Es betriff t auch die Arbeitswelt und
die Gesellschaft erheblich. Die Nachteile würden die
Vorteile deutlich überwiegen.

 

Rezensionen
einschlägiger Bücher zum Thema Utopie und wich-
tiger Neuerscheinungen für den Politikunterricht



Utopien

Martin d’Idler
Die Utopie im politischen Denken     4

Andreas Osiander
Weltordnungsentwürfe der Neuzeit.
Die Utopie vom ewigen Frieden     18

Walter Reese-Schäfer
Fortschrittsglaube und
Untergangsszenarien.
Die Utopie vom idealen Staat     30

Richard Nate
Moderne Aneignungen einer alten Idee.
Der „Neue Mensch“     38

Thomas Schölderle
Dystopie als Utopie. Ein Subgenre
als politisches Frühwarnsystem     48

 

Pro und Contra

Bedingungsloses Grundeinkommen

Eine Utopie, die keine bleiben muss
Von Jörg Althammer und
Maximilian Sommer     61

Ein falsches Signal
Von Gerhard Kruip     65

 

Rezensionen

Bücher zum Thema     70

Das besondere Buch     74

Bücher für den Politikunterricht     75

Literaturtipps     79

Zu den Autoren

Prof. Dr. Jörg Althammer
ist Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsethik und Sozialpolitik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Dr. Martin d’Idler
ist Lehrer am Überwald-Gymnasium in Wald-Michelbach (Hessen).

Prof. Dr. Gerhard Kruip
ist Professor für Christliche Anthropologie und Sozialethik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Prof. Dr. Richard Nate
ist Inhaber des Lehrstuhls für Englische Literaturwissenschaft an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Dr. Andreas Osiander
lehrt als Privatdozent der Humboldt Universität in Berlin Internationale Politik.

Prof. Dr. Walter Reese-Schäfer
ist Professor für politische Theorie und Ideengeschichte an der Georg-August-Universität Göttingen.

Dr. Thomas Schölderle
ist Politikwissenschaftler und Publikationsreferent an der Akademie für Politische Bildung in Tutzing.

Dr. Maximilian Sommer
ist Akademischer Rat am Lehrstuhl für Wirtschaftsethik und Sozialpolitik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

 

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