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Mediendemokratie

Grundlagen – Anspruch – Wirklichkeit

Bestellnummer: 285
Autoren/Hrsg.: Peter Massing (Hrsg.)
unter Mitarbeit von: Christoph Bieber, Gotthard Breit, Klaus Detterbeck, William A. Galston, Markus Gloe, Sigrid Koch-Baumgarten, Hans-Werner Kuhn, Detlef Oesterreich, Dejan Perc, Barbara Pfetsch
Erscheinungsjahr: 2003
Auflage: 1
Seitenzahl: 126
ISBN: 978-3-87920-285-0
Reihe: politische bildung
Format: Broschur

Verfügbarkeit: lieferbar

19,80 €
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Mediendemokratie - Grundlagen – Anspruch – Wirklichkeit

Über das Buch

Christoph Bieber: Bausteine der Mediende-mokratie. Ein Werkstattbericht
Der Beitrag unternimmt zunächst eine Sichtung wissenschaftlicher Literatur zum Thema Mediendemokratie und skizziert eine kurze Geschichte des Begriffs. Vor diesem Hintergrund werden aktuelle Erscheinungsformen der Mediendemokratie dargestellt, vor allem die zunehmende Unterhaltungsorientierung der Politik. Als besonderes Fallbeispiel dienen dabei die Fernsehduelle im Bundestagswahlkampf 2002. Dabei kristallisiert sich heraus, dass mediale Aufmerksamkeit zu einer neuen Schlüsselressource für den Verlauf politischer Karrieren geworden ist. Abschließend werden die Entwicklungen im Bereich Neuer Medien auf ihre Bedeutung für eine zukünftige Entwicklung der Mediendemokratie überprüft.

Barbara Pfetsch/Dejan Perc: Die Medien als Akteure und Instrumente im politischen Prozess – Mediatisierung und Inszenierung von Politik
Der Beitrag diskutiert die Medien als Akteure im politischen Prozess, die angesichts der wechselseitigen Abhängigkeit von Politik und Medien sowohl eine aktive als auch eine passive Rolle spielen. Eine aktive Rolle spielen sie durch die Nachrichtenauswahl und die Gestaltung der politischen Medienrealität. Darüber hinaus kommt ihnen durch die Agenda-Setting Funktion, d.h. ihrem Potenzial, die öffentliche Tagesordnung zu strukturieren und Themendeutungen und deren Kontexte zu beeinflussen, erhebliche politische Wirksamkeit zu. Gerade deshalb sind die Medien aber auch Objekte der Beeinflussungsversuche politischer Akteure, die in ihrem News-Management genau die Funktionen der Medien strategisch auszunutzen versuchen. Die Wechselwirkungen von Politik und Medien, bei denen beide Seiten sowohl aktiv als auch passiv sind, finden in einer Situation statt, in der den Medien eine wichtige Funktion für die Legitimierung und die Responsivität von Politik zukommt.

Klaus Detterbeck: Parteiendemokratie in der Mediengesellschaft Wird die Parteiendemokratie durch die Mediendemokratie ersetzt?
Der Beitrag beleuchtet zunächst in historischer Perspektive das Verhältnis von Medien und Parteien, das von einer zunehmenden Ausdifferenzierung geprägt ist. Bei den Reaktionsstrategien der Parteien auf das veränderte Medienumfeld sticht die interne Professionalisierung des Medienmanagements hervor. Die Vermittlung von Politik ersetzt aber nicht die Herstellung von Politik, die primär in medienfernen Verhandlungssystemen erzeugt wird. Die Parteiendemokratie bewegt sich innerhalb einer Mediengesellschaft, deren Bedingungen und Anforderungen sie in ihr Handeln einbeziehen muss.

Sigrid Koch-Baumgarten: Verbände und Medien – „Widerspenstiges“ in der Debatte um die Mediendemokratie
Der Beitrag setzt sich kritisch mit der These des Einflussverlustes der Verbände in der „Mediendemokratie“ auseinander. Als klassische Akteure der „Verhandlungsdemokratie“ sind einflussmächtige Interessengruppen trotz zunehmender „Beziehungsstörungen“ vielfältig mit den politischen Entscheidungsträgern aus Regierung, Parlament und Parteien vernetzt. Daher können sie in der Routinepolitik politische Entscheidungen direkt, über formelle und informelle Kanäle, und „diskret“ beeinflussen, ohne die Medien als Konkurrenten in der Politikvermittlung fürchten oder als Mittler nutzen zu müssen. Erst im politischen Konflikt öffnet sich ein Gelegenheitsfenster für den Medieneinfluss; die Öffentlichkeitsarbeit der Verbände; Virtuosität im Themenmanagement können konflikt( mit)entscheidend werden. Die meist unspektakuläre Verbandstätigkeit entzieht sich hingegen der Öffentlichkeit und dem Medieninteresse. Eine Anpassung ihrer Politikdarstellung oder gar ihrer Politikherstellung an die „Logik“ des Mediensystems erfolgt daher nur – wie bei Greenpeace - in Ausnahmefällen.

Markus Gloe: Mehr Demokratie durch „Neue Medien“?
Mit Begriffen wie „E-Democracy“ oder „virtuelle Demokratie“ wurden kühne Visionen von einem neuen athenischen Zeitalter verbunden. Andere sehen dagegen durch das Internet die repräsentative Demokratie zugrunde gehen. In den drei Bereichen Information, Kommunikation und Partizipation liegen demokratische Potenziale des Internets, aber auch Gefahren. Auf allen Stufen des demokratischen Prozesses ist eine Bedeutung des Internets unverkennbar, und so wird sich der politische Prozess Schritt für Schritt verändern. Zur Zeit können Neue Medien die herkömmliche Bürgerbeteiligung allerdings nur unterstützen.

Hans-Werner Kuhn: Urteilsbildung im Politikunterricht über Medien
Massenmedien sind an der Urteilsbildung der Bürgerinnen und Bürger beteiligt. Der Beitrag greift den konstruktiven Charakter der Medien auf und versucht, die Lernpotenziale an einem Multimediaprojekt zur „Urteilsbildung im Politikunterricht“ zu demonstrieren. Exemplarisch ausgewählte und anschlussfähige Bausteine der CD-ROM (u.a. Transskript, Interview, Karikatur, Checkliste, Lernwege) werden vorgestellt, aus der Produzenten- und der Nutzerperspektive beleuchtet und auf Evaluationsmöglichkeiten hin befragt. Damit verknüpft der Beitrag zwei Ziele: politische Urteilskompetenz und Medienkompetenz.

William A. Galston: Political knowledge, political engagement, and civic education
Nach Jahren der Vernachlässigung steht die politische Bildung in den Vereinigten Staaten wieder auf der Agenda der Politikwissenschaft. Tr otz riesiger Zuwächse bei den Bildungsabschlüssen der US-Bevölkerung in den letzten 50 Jahren hat sich das Level des politischen Wissens kaum verändert. Aktuelle Forschungen deuten an, dass politisches Wissen die Akzeptanz demokratischer Normen und die politische Partizipation beeinflusst und dass der traditionelle Politikunterricht dieses Wissen signifikant erhöhen kann. Andere Befunde zeigen, dass politische Partizipation auch vom sozialen Status sowie vom relativen und absoluten Bildungsgrad abhängt. „Service learning“ – eine Kombination von Gemeindearbeit und systematischer Reflexion der hier gemachten Erfahrungen im Unterricht – ist eine vielversprechende Innovation, aber die Evaluationen entsprechender Programme zeigen unterschiedliche Ergebnisse.

Detlef Oesterreich: Politische Bildung von 14-Jährigen im internationalen Vergleich
Deutsche Jugendliche haben im internationalen Vergleich von 28 Ländern durchschnittliche politische Kenntnisse, sie sind stark ausländerfeindlich eingestellt und haben eine unterdurchschnittliche politische Handlungsbereitschaft. Obwohl sie über positive Erfahrungen mit einem offenen Unterrichtsklima berichten, haben deutsche Jugendliche weniger Erfahrungen mit sozialem Lernen. Als Gründe für das eher schlechte Abschneiden der deutschen Jugendlichen werden die Besonderheiten des deutschen Schulsystems diskutiert, das aufgrund früher Selektion und hoher stofflicher Konzentration im Rahmen eines Halbtagsschulsystems wenig Spielraum für soziales Lernen zulässt.

http://www.zeitschriftpolitischebildung.de/

Inhaltsübersicht

Peter Massing: Einleitung
Christoph Bieber: Bausteine der Mediendemokratie. Ein Werkstattbericht
Barbara Pfetsch/Dejan Perc: Die Medien als Akteure und Instrumente im politischen Prozess – Mediatisierung und Inszenierung von Politik
Klaus Detterbeck: Parteiendemokratie in der Mediengesellschaft
Sigrid Koch-Baumgarten: Verbände und Medien – „Widerspenstiges“ in der Debatte um die Mediendemokratie
Markus Gloe: Mehr Demokratie durch „Neue Medien“?

Unterrichtspraxis
Hans-Werner Kuhn: Urteilsbildung im Politikunterricht über Medien
Fachwissenschaftliche Rezensionen
Politische Informationspotenziale im Internet (von Markus Gloe)
BARBARA HOLLAND-CUNZ: Die alte neue Frauenfrage (von Gotthard Breit)
BEN MOEBIUS: Die liberale Nation (von Eckhard Jesse)
Fachdidaktische Rezensionen
VOLKER MEIERHENRICH: Wie können Schüler politisch werden? (von Gotthard Breit)
THILO HARTH/JOACHIM SCHILD: Nationalstaaten in der EU – Identität und Handlungsmöglichkeiten (von Alfred Lui)

Allgemeiner Teil
Forum
William A. Galston: Political knowledge, political engagement and civic education

Detlef Oesterreich: Politische Bildung von 14-Jährigen im internationalen Vergleich

Das aktuelle Thema
Gotthard Breit: „Florida-Rolf“ oder die Macht der Medien

Abstracts
Autoren

Zu den Autoren

Dr. Christoph Bieber, Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Politikwissenschaft Justus-Liebig-Universität Gießen; Mitglied des Zentrums für Medien und Interaktivität (ZMI) der JLU Gießen.

Dr. Klaus Detterbeck,, Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Politikwissenschaft Universität Magdeburg, Zschokkestr. 32, 39106 Magdeburg

William A. Galston, Saul I Stern Professor of Civic Engagement Director am Institute for Philosophy and Public Policy School of Public Affairs, University of Maryland College Park

Markus Gloe, Doktorand im Fach Politikwissenschaft am Institut für Sozialwissenschaften Pädagogische Hochschule Freiburg

Dr. Sigrid Koch-Baumgarten Privatdozentin und Oberassistentin am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft

Dr. Hans-Werner Kuhn, Professor für politische Bildung und sozialwissenschaftlichen Sachunterricht Pädagogische Hochschule Freiburg

Dr. Detlef Oesterreich, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Dejan Perc, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Institut für Betriebswirtschaftslehre Universität Hohenheim

Dr. Barbara Pfetsch, Professorin für Kommunikationswissenschaft, Fachgebiet Medienpolitik Universität Hohenheim