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Nach Auschwitz: Schwieriges Erbe DDR

Plädoyer für einen Paradigmenwechsel in der DDR-Zeitgeschichtsforschung

Verfügbarkeit: vorbestellen, erscheint III. Quartal 2018

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Nach Auschwitz

Über das Buch

Spätestens seit dem Aufkommen der völkischen PEGIDA und der AfD ist klar, dass politisches System und Gesellschaft der DDR aus dem Kontext des historischen Nationalsozialismus wie des gegenwärtigen Rechtsradikalismus genauso wenig
herausgelöst werden können, wie die alte und neue Bundesrepublik. Ein Klima ist entstanden, in dem bislang ignorierte oder verdrängte Konfliktlinien der deutschen Mehrheitsgesellschaft – wie der Umgang mit Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus – deutlich zutage treten. Einige Historiker, Politiker sowie Bürgerrechtler instrumentalisieren die DDR-Aufarbeitung sogar für ihr rechtspopulistisches Engagement. Das Buch fasst wesentliche Ergebnisse der Tagung „Nach Auschwitz: Schwieriges Erbe DDR“ vom Januar 2017 zusammen. Es versteht sich als ein Plädoyer für eine intensivere Hinwendung der Zeitgeschichtsforschung wie der politischen Bildung zur Untersuchung und Kritik der SED-Diktatur als einer von drei Nachfolgegesellschaften des Nationalsozialismus.

Herausgegeben im Auftrag der Amadeu Antonio Stiftung sowie der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen (Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten)

Inhaltsübersicht

Enrico Heitzer, Martin Jander, Anetta Kahane, Patrice G. Poutrus
Neue Blicke auf die DDR
Plädoyer für einen Paradigmenwechsel in der DDR-Forschung und im DDR-Aufarbeitungsdiskurs

Deutsche Demokratische Republik

Annette Leo
Die Falle der Loyalität
Wolfgang Steinitz und die Generation der DDR-Gründerväter und -mütter

Anetta Kahane
Wirkung eines Tabus
Juden und Antisemitismus in der DDR

Gerd Kühling
Geteilte Stadt – geteilte Erinnerung?
Der Verflechtungsraum Berlin und der Umgang mit der NS‑Vergangenheit von 1948 bis 1961

Enrico Heitzer
DDR-Systemgegnerschaft von rechts
Anregungen für eine Perspektiverweiterung

Klaus Bästlein
Das DDR-Urteil gegen Hans Globke
Zur Verurteilung des NS‑Juristen und Chefs des Bundeskanzleramts unter Konrad Adenauer durch das Oberste Gericht der DDR im Sommer 1963

Christoph Classen
Macht durch Moral?
Anmerkungen zum Antifaschismus in der DDR

Helmut Müller-Enbergs
Soziologie der Agenten
Empirische Sozialforschung zu einer unsichtbaren Gruppe

Jeffrey Herf
Im Krieg mit Israel
Antizionismus in Ostdeutschland seit den 1960er Jahren bis zum Mauerfall

Agnes C. Mueller
Holocaust Lite?
Fiktionalisierungsstrategien in den Werken von Christa Wolf und Fred Wander

Katharina Lenski
„Asozialität“ in der DDR
Re-Konstruktion und Nachwirkung eines Ausgrenzungsbegriffs

Christiane Leidinger, Heike Radvan
Lesben und Schwule in der DDR
Selbstorganisierung, erinnerungspolitische Aktivitäten, Diskriminierung und öffentliches Beschweigen

Ingrid Bettwieser, Tobias von Borcke
„Richtige“ Lehren aus der Geschichte gezogen?
Antiziganismus und der Umgang der DDR mit Sinti und Roma

Martin Jander
Antifaschismus ohne Juden
Der Kollaps der DDR und die linke DDR-Opposition

Bundesrepublik Deutschland

Regina Scheer
Schweigen verstehen
Über eine anhaltende Suche nach Menschen, Dingen und Zusammenhängen, die nicht wirklich unbekannt sind

Günter Morsch
„… Eine umfassende Neubewertung der Europäischen Geschichte“?
Entwicklungen, Tendenzen und Probleme einer Erinnerungskultur in Europa

Carola S. Rudnick
Analogien und Ungleichgewichte
Auswirkungen der Gedenkstättenpolitik im Umgang mit Orten der DDR-Vergangenheit auf die NS‑Aufarbeitung

Anetta Kahane
Von der ideologischen Schuldabwehr zur völkischen Propaganda

Patrice G. Poutrus
Noch eine Vergangenheit, die nicht vergeht
Mein schwieriger Weg vom Zeitzeugen zum Zeithistoriker

Raiko Hannemann
Nonkonformität in einer deutschen Nachkriegsgesellschaft
Fragen an die DDR- und die Transformationsforschung

Daniela Blei
Monumentale Probleme: Freiheit und Einheit kommen nach Berlin
Eine Untersuchung der Auseinandersetzung um das „Freiheits- und Einheitsdenkmal“

Autorinnen und Autoren

Zu den Autoren

Klaus Bästlein, geb. 1956, ist Volljurist und promovierter Historiker. Seit 1983 war er Mitarbeiter bei der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, seit 1990 wissenschaftlicher Angestellter der Justizbehörde Hamburg und seit 1994 der Senatsverwaltung für Justiz in Berlin. Ab 2000 war er Projektmitarbeiter an der Freien Universität Berlin und der Universität Karlsruhe. Seit 2008 arbeitet er als Referent für politische-historische Aufarbeitung beim Berliner Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (jetzt: Berliner Beauftragter für die Aufarbeitung der SED-Diktatur).

Ingrid Bettwieser, geboren am 18.06.1979 in Göttingen, studierte Geschichte und Literaturwissenschaft und Lehramtsbezogene Berufswissenschaft an der Freien Universität Berlin. Seit 2012 war sie freie Mitarbeiterin an der Gedenkstätte und dem Museum Sachsenhausen. Seit 2017 ist sie Mitarbeiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück.

Daniela Blei hat zum Thema moderner deutscher Geschichte an der Stanford University (USA) promoviert. Danach hat sie Geschichte und Geisteswissenschaften am Reed College in Portland, Oregon und an der University of California in Berkeley unterrichtet. Dort war sie auch als Andrew W. Mellon Postdoctoral Fellow in den Geisteswissenschaften tätig. Sie arbeitet heute als Herausgeberin wissenschaftlicher Büchern in San Francisco, wo sie mit ihrer Familie lebt. Ihre Essays erscheinen
in Smithsonian, New Republic, Foreign Policy und anderen Zeitschriften. Ursprünglich stammt Daniela Blei aus Chicago und besuchte Berlin zum ersten Mal als Studentin. Seit dieser Zeit beobachtet sie die Erinnerungskultur der Stadt.

Tobias von Borcke hat sein Studium in den Fächern Soziologie, Philosophie und Erziehungswissenschaften an der Universität Münster mit einer Magisterarbeit zum Thema Antiziganismus in der BRD vor dem Hintergrund des NS‑Völkermordes an Sinti und Roma abgeschlossen. Er ist in der historisch-politischen Bildungsarbeit tätig (u. a. Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, Topographie des Terrors) und seit Sommer 2016 Projektmitarbeiter im Berliner Büro des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma. Publikationen u. a. zur Tsiganologie und zum Verhältnis von Gedenkstättenpädagogik und antiziganismuskritischer Bildungsarbeit.

Christoph Classen geboren 1965 in Hagen/W., arbeitet seit 1997 am Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam, seit 2009 in der Abteilung „Zeitgeschichte der Medien- und Informationsgesellschaft“. Er hat Lehraufträge an der Freien Universität Berlin sowie der Universität Potsdam. Arbeitsgebiete des studierten Historikers und Germanisten sind europäische Mediengeschichte, politische Kulturforschung, die Geschichte der Bundesrepublik und der DDR sowie Erinnerungskulturforschung.

Raiko Hannem ann, geboren am 4.8.1980 in Cottbus, Historiker, Philosoph und Politikwissenschaftler, forscht an der Alice Salomon Hochschule Berlin im Forschungsprojekt „Demokratieferne Einstellungen in einer Kommune. Das Beispiel Marzahn-Hellersdorf“. Er arbeitet(e) u. a. als freier Autor, als Fachkoordinator der „Bezirklichen Koordinierungsstelle für Demokratieentwicklung“ in Marzahn-Hellersdorf sowie als Gedenkstättenpädagoge in der Gedenkstätte Sachsenhausen. In seinem 2014 erschienenen Buch „Die unerträgliche Leichtigkeit des Vorurteils“ setzt er sich kritisch mit gegenwärtiger Antisemitismusforschung und Geschichtspolitik am Beispiel Götz Alys auseinander. Helga Grebing assistierte er in einem Publikationsprojekt zum Zionisten und Sozialisten Fritz Sternberg. Er publizierte u. a. zu DDR-, Antisemitismus-, Rechtsextremismus- und Demokratieforschung.

Enrico Heitzer, geboren 1977 in Altenburg in Thüringen, war von 1996 bis 1998 bei der Bundeswehr. Seit 1998 studierte er Geschichts- und Politikwissenschaften
in Potsdam und Halle. Von 2005 bis 2007 war er Stipendiat des Graduiertenförderungsprogrammes des Landes Sachsen-Anhalt. 2007 erhielt er ein Promotionsstipendium des DHI Washington. 2007/8 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Geschichte der Neuzeit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Seit 2005 war er assoziierter Doktorand am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) und 2010/12 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Berliner Mauer. Heute ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte und des Museum Sachsenhausen/Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Neben seiner Ausstellungstätigkeit
gelten seine Forschungsinteressen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem frühen Kalten Krieg, der Entnazifizierung, der Geschichte von Opposition und Widerstand in der SBZ/DDR, Erinnerungspolitik und -kultur. Publikationen: Die Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU): Widerstand und Spionage im Kalten Krieg 1948 – 1959, Wien, Köln, Weimar (Band 53 der Reihe „Zeithistorische Studien“ des Böhlau-Verlags, 2015); mit Günter Morsch, Robert Traba und Katarzyna Woniak: Von Mahnstätten über zeithistorische Museen zu Orten des Massentourismus? Gedenkstätten an Orten von NS‑Verbrechen in Polen und Deutschland, Forschungsbeiträge und Materialien der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten 18, Berlin: Metropol Verlag 2016.

Jeffrey C. Herf, geboren am 24. April 1947, ist amerikanischer Historiker. Er ist Professor für moderne europäische, besonders deutsche Geschichte an der Universität Maryland, College Park. Herf schloss sein Studium der Geschichte an der Universität Wisconsin–Madison 1969 ab und reichte seine Doktorarbeit in Soziologie 1980 an der Brandeis University ein. Bevor er in die Fakultät der Universität von Maryland aufgenommen wurde, unterrichtete er an der Harvard Universität und an der Ohio Universität. His publications include: Reactionary Modernism: Technology, Culture and Politics in Weimar and the Third Reich (Cambridge University Press, 1984); War by Other Means: Soviet Power, West German Resistance and the Battle of the Euromisiles (The Free Press, 1991); Divided Memory: The Nazi Past in the Two Germanys (Harvard University Press, 1997); deutsch, Zweierlei Erinnunger: Dis NS Vergangenheit im geteilten Deutschland (Ullstein/Propylaen, 1998); The Jewish Enemy: Nazi Propaganda During World War II and the Holocaust (Harvard University Press, 2006); Nazi Propaganda for the Arab World (Yale University Press, 2009); and Undeclared
Wars with Israel: East Germany and the West German Left, 1967-1989 (Cambridge University Press, 2016). Herf schreibt an einer Geschichte der Beziehungen der europäischen Staaten zu Israel seit seiner Gründung 1948.

Martin Jander, geboren am 21.1.1955 in Freiburg, Historiker, Dozent und Journalist, unterrichtet deutsche und europäische Geschichte an der Stanford University (Berlin), der New York University (Berlin) sowie im Programm FU‑BEST. Er hat seine Dissertation 1995 zum Thema „Formierung und Krise der DDR-Opposition“ am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin abgeschlossen. Gegenwärtig arbeitet er an einer Chronik des linken Terrorismus, die von der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur gefördert wird. Neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit ist Jander als Erwachsenenbildner in den Gewerkschaften tätig, erstellt Unterrichtsmaterialien für den Schulunterricht und bietet in Berlin und Potsdam Stadtführungen (www.unwrapping-history.de) an.

Anetta Kahane ist Schriftstellerin und die Vorsitzende der 1998 von ihr gegründeten Amadeu Antonio Stiftung. 1991 gründete Kahane die RAA e. V. (Regionale Arbeitsstellen für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule) für die neuen Bundesländer. Sie wurde dort in 20 Orten die erste Struktur für interkulturelle Bildung und Integration. Im gleichen Jahr wurde ihr gemeinsam mit Joachim Gauck, Christian Führer, David Gill, Ulrike Poppe, Jens Reich, stellvertretend für die Demonstranten im Herbst 1989, die Theodor Heuss Medaille verliehen. 2002 wurde sie mit dem Moses-Mendelssohn-Preis des Landes Berlin ausgezeichnet. Sie verfasst seit einigen Jahren regelmäßig eine Kolumne in der Berliner Zeitung, schrieb für Zeit, tageszeitung, stern, Tagesspiegel u. a. und ist Autorin des Buches „Ich sehe was, was du nicht siehst“ (Berlin 2004).

Gerd Kühling, geb. 1978, studierte Geschichte, Politik und Soziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 2008 – 2011 war er Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung und promovierte am Historischen Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 2014/15 war er Mitarbeiter im Deutschen Historischen Museum in Berlin. Seit Ende 2015 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz und gehört dort momentan zum Kuratoren-Team für die Erarbeitung einer neuen Dauerausstellung. Außerdem ist er Beisitzer im Vorstand des Vereins „Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin“. Er forscht und publiziert u. a. zum Umgang mit dem Nationalsozialismus in der Bundesrepublik und in der DDR. Monographie: Erinnerung an nationalsozialistische Verbrechen in Berlin. Verfolgte des Dritten Reiches und geschichtspolitisches Engagement im Kalten Krieg 1945 – 1979 (Berlin 2016).

Christiane Leidinger ist promovierte Politik- und Sozialwissenschaftlerin. Sie ist seit dem Wintersemester 2016/17 für zwei Jahre Gastprofessorin für Geschlechtersoziologie und Empowerment am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Hochschule Düsseldorf. Zuvor war sie viele Jahre freiberuflich v. a. in den Bereichen Lehre, Forschung, Politische Bildung, Berufliche Bildung sowie Coaching tätig. Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte sind u. a. Politische Soziologie Alter und Neuer Soziale Bewegungen, Protestforschung, Historische Biographik sowie Theorien und Praxen von Empowerment. Monografien: „Medien – Herrschaft – Globalisierung“ (2003), „Keine Tochter aus gutem Hause – Johanna Elberskirchen“ (2008), „Zur Theorie Politischer Aktionen“ (2015).

Katharina Lenski ist Historikerin, Soziologin und Erziehungswissenschaftlerin. Sie arbeitet als Postdoktorandin am Jenaer Graduiertenkolleg „Die DDR und die europäischen Diktaturen nach 1945 in vergleichender und verflechtungsgeschichtlicher Perspektive“ zur „Asozialität“. Sie forschte 2016 am Imre-Kertész-Kolleg in Jena zur Ausgrenzung im Staatssozialismus in transnationaler Perspektive und fragte nach dem Weiterwirken von Stereotypen und ihrer sozialen Praxis seit der Zeit vor 1945. Sie wurde im Jahr 2015 mit summa cum laude promoviert und veröffentlichte 2017 die Dissertation „Geheime Kommunikationsräume. Die Staatssicherheit an der Jenaer Universität“ beim Campus-Verlag. Katharina Lenski hat zahlreiche Forschungsprojekte zur Geschichte der DDR und zu staatssozialistischen Bürokratien, zur Universitäts- und Bildungsgeschichte, zur Geschichte der Jugend und ihrer Kulturen sowie zur Kirche nach 1945 initiiert und durchgeführt. Seit 1991 hat sie eines der wichtigsten Gesellschaftsarchive zur Dissidenz in der DDR, das Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk“, aufgebaut und bis 2011 geleitet. In der DDR hat sie Medizin
studiert, wurde politisch exmatrikuliert und war im Anschluss in der Berliner Opposition aktiv. Im Jahr 2001 wurde sie politisch rehabilitiert und schloss das daraufhin wieder mögliche Studium im Jahr 2008 als Magistra Artium ab.

Annette Leo (geb. 1948 in Düsseldorf). 1952 zog Annette Leo mit ihren Eltern nach Berlin. Ihr Vater war der Journalist Gerhard Leo.1966 legte sie ihr Abitur ab, absolvierte bis 1968 ein Volontariat bei der Berliner Zeitung, studierte von 1968 bis 1973 Geschichte und Romanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin in Ost-Berlin und arbeitete anschließend als Journalistin bei der Zeitschrift Horizont. 1982 promovierte sie zum Thema „Spanische Arbeiterkommissionen im Kampf gegen das Franco-Regime“.1982 bis 1986 arbeitete sie als Redakteurin bei der Neuen Berliner Illustrierten und von 1986 bis 1989 als freiberufliche Historikerin und Publizistin. 1991 veröffentlichte Annette Leo unter dem Titel „Briefe zwischen Kommen und Gehen“ eine Biografie ihres Großvaters Dagobert Lubinski, eines kommunistischen Journalisten und Widerstandskämpfers, der als Jude im KZ Auschwitz ermordet wurde. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin war sie 1991 bis 1993 am Prenzlauer Berg Museum
tätig und von 1993 bis 1996 am Forschungsinstitut für Arbeiterbildung Recklinghausen. 2001 bis 2005 arbeitete sie am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin wo sie 2004 eine Biografie Wolfgang Steinitz’ veröffentlichte und wechselte anschließend als wissenschaftliche Mitarbeiterin zum Historischen Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 2012 erschien ihre Biografie des DDR-Schriftstellers Erwin Strittmatter.

Günter Morsch ist ehemaliger Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und Leiter der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen. Er hat an der TU sowie FU Berlin Neuere Geschichte, Psychologie und Philosophie studiert. 1988 wurde er mit der Dissertation „Arbeit und Brot. Studien zur Lage, Stimmung, Einstellung und Verhalten der deutschen Arbeiterschaft 1933 – 1936/37“ promoviert. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter in verschiedenen großen historischen Ausstellungsprojekten. Im Januar 1993 begann er seine Tätigkeit als Leiter der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen. 1997 wurden ihm zusätzlich die Aufgaben des Vorstands und Direktors der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten übertragen, zu der außer in Sachsenhausen weitere Einrichtungen in Ravensbrück, Brandenburg/Havel und Potsdam-Leistikovstrasse gehören. Seit 1993 ist er Lehrbeauftragter am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin und wurde 2001 zum Honorarprofessor ernannt. Seine Veröffentlichungen handeln von den Themen NS‑Geschichte, Geschichte der SBZ/DDR, Industrie und Sozialgeschichte des 19. Jahrhunderts, Geschichte der Weimarer Republik, Fragen des Ausstellungswesens, Jüdische Geschichte, Gedenkstätten, Gedenkstätte Sachsenhausen, Geschichte des KZ-Systems sowie von Erinnerungspolitik und -kultur in Europa. Morsch ist und war außerdem Mitglied zahlreicher Gremien unterschiedlicher Museen und Gedenkstätten, u. a. des Kuratoriums der Stiftung „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“.

Agnes C. Mueller ist Professorin für Germanistik und Komparatistik an der University of South Carolina in den USA, wo sie den Lehrstuhl für Humanwissenschaften
innehat. Ihre neueren Arbeiten befassen sich mit deutsch-jüdischer Literatur, mit der Frage nach Emotionen in der Literatur und mit Literatur seit 1945, insbesondere der Gegenwartsliteratur. Mueller schloss ihr Magister Examen in Vergleichender Literaturwissenschaft 1993 an der Universität in München ab; ihre Dissertation reichte sie 1997 an der Vanderbilt University in Nashville (Tennessee, USA) ein. 2009 und 2010 arbeitete Frau Mueller für das Programmkomitee der German Studies Association. Gerade ist von ihr in deutscher Sprache erschienen: Agnes C. Mueller, Die Unfähigkeit zu lieben, Würzburg 2017. Seit 2014 arbeitet sie an einem Buch-Projekt, das den Arbeitstitel trägt: Holocaust Migration. Jewish Fiction in Today’s Germany. Das Buch soll 2019 erscheinen.

Helmut Müller-Enbergs ist Politologe und DDR-Forscher. Seit 1992 ist er Wissenschaftlicher Referent beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Seit 2010 ist er Honorarprofessor an der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Syddansk Universitet in Odense (Dänemark). Von 2012 bis 2014 war er Honorarprofessor an der historischen Fakultät der Högskolan på Gotland in Visby (Schweden). Der Schwerpunkt seiner Forschungen liegt im Bereich der Grundlagenforschungen zu Inoffiziellen Mitarbeitern und der Hauptverwaltung Aufklärung (HV A) des MfS sowie zu Spionage und Nachrichtendienstpsychologie. Eine seiner Veröffentlichungen, zusammen mit Cornelia Jabs, im Deutschland Archiv enttarnte den West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras als SED-Mitglied und Stasi-IM „Otto Bohl“.

Patrice G. Poutrus, geboren am 22.04.1961 in Ost-Berlin, Historiker und Dozent, vertritt derzeit an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder die Professur für Vergleichende Kultur- und Sozialanthropologie spätmoderner Gesellschaften. Er hat an der Viadrina 2001 promoviert und anschließend u. a. am Deutschen Historischen Institut in Washington DC, am Zentrum für Zeithistorische Forschungen, am Simon-Wiesenthal-Institut für Holocaust-Studien in Wien und am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien geforscht. Er ist Mitglied des DFG-Forschungsnetzwerkes Grundlagen der Flüchtlingsforschung und arbeitet derzeit an einer Monografie zur Geschichte des politischen Asyls im Nachkriegsdeutschland, die im Frühjahr 2019 erscheinen soll.

Heike Radvan, geboren 1974, aufgewachsen auf der Insel Rügen, ist ausgebildete Dipl.-Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin und promovierte Erziehungswissenschaftlerin.
Seit 2017 arbeitet sie als Professorin Soziale Arbeit an der BTU Cottbus. Sie provomierte 2009 zum Thema „Pädagogisches Handeln und Antisemitismus“ an der FU Berlin. 15 Jahre lange betrieb sie Praxisforschung und Projektentwicklung in der Amadeu Antonio Stiftung (Berlin), u. a. hatte sie die Projektkonzeption und Koordination der Ausstellungen der Amadeu Antonio Stiftung „Das hat’s bei uns nicht gegeben!“ Antisemitismus in der DDR (2007) und Germany after 1945: A society confronts antisemitism, racism and neo-nazism (2012) inne. Sie hat die Fachstelle Gender und Rechtsextremismus der Stiftung aufgebaut und geleitet.Schwerpunkte ihrer Tätigkeiten sind: Rekonstruktive Sozialforschung, Pädagogisches Handeln und Antisemitismus, geschlechterreflektierende Rechtsextremismusprävention, Diversität in ländlichen Räumen der Neuen Bundesländer, Interkulturelle Pädagogik, Antisemitismus in der DDR.

Carola S. Rudnick (Dr.), geb. 1976, hat Kulturwissenschaften an der Universität Lüneburg studiert. Von 2005 – 2009 war sie Graduierten-Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung. Von 2009 – 2011 hat sie das Pädagogische Zentrum der Gedenkstätte Bergen-Belsen geleitet. 2011 schloss sie ihre Promotion in Geschichte zum Thema „Die DDR in der deutschen Geschichtspolitik nach 1989“ ab. Seit 2011 war sie freiberuflich tätig u. a. für die Leuphana Universität Lüneburg; von 2012 – 2015 hatte sie die EU-Projektleitung „Vielfalt achten, Teilhabe stärken. Lüneburger Inklusionsschulung“ inne. Seit 2015 ist sie als wissenschaftliche und pädagogische Leitung mit der Neugestaltung der „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg befasst. Zahlreiche Veröffentlichungen, zuletzt: Verbindungslinien zwischen „Euthanasie“-Morden und Holocaust-Verbrechen. Chancen und Möglichkeiten bilateraler Beschäftigung mit NS‑“Rassenhygiene“ und Tätern der „Aktion T4“, in: Langebach, Martin/Liever, Hanna (Hg.): Im
Schatten von Auschwitz. Zeitbilder Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2017, S. 465 – 479; „Schwachsinn wurde hier nicht festgestellt“. Zwangssterilisation in Lüneburg, Husum 2017.

Regina Scheer wurde 1950 in Berlin geboren. Studium der Theater- und Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität. Seit dem 16. Lebensjahr Veröffentlichungen
von Gedichten, Liedtexten, auch Prosa in Zeitschriften und Anthologien. Nach dem Studium Redakteurin beim FORUM bis zur Auflösung der Redaktion wegen „konterrevolutionärer Tendenzen“. Seit 1976 freie Autorin an der Schnittstelle von Dokumentation und Literatur, Mitarbeit bei verschiedenen Zeitschriften, u. a. bei TEMPERAMENTE, Blätter für junge Literatur. Nach 1990 Mitarbeit an Dokumentarfilmen und Ausstellungen, Recherchen zur NS‑Geschichte und zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Seit 1992 vor allem literarische Arbeit. Es erschienen mehrere Bücher, oft zu deutsch-jüdischer Geschichte. Zuletzt (2014) der Roman „Machandel“. 2019 wird wieder ein Roman erscheinen.

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