Katalogservice

Telefonische Beratung & Bestellung:  06196 - 8 60 65

Neue deutsche Außenpolitik

Bestellnummer: 283
Autoren/Hrsg.: Wichard Woyke (Hrsg.)
unter Mitarbeit von: Wilfried von Bredow, Gotthard Breit, Joachim Krause, Sabine Manzel, Anja Mihr, Gisela Müller-Brandeck-Bocquet, Johannes Varwick, Barthold C. Witte, Wichard Woyke
Erscheinungsjahr: 2003
Auflage: 1
Seitenzahl: 142
ISBN: 978-3-87920-283-6
Reihe: politische bildung
Format: Broschur

Verfügbarkeit: lieferbar

19,80 €
*

Neue deutsche Außenpolitik

Über das Buch

Wilfried von Bredow: Was ist neu an der deutschenAußenpolitik seit 1990?

Obwohl Kontinuität nach wie vor als Kennzeichen der deutschen Außenpolitik gilt, hat sichseit 1990 eine Reihe von bemerkenswerten inhaltlichen und stilistischen Änderungen dieser Politik ergeben. Man kann sie unter dem Etikett eines „neuen weltpolitischen Selbstbewusstseins“ zusammenfassen. Die strukturellen Anpassungen der deutschen Außenpolitik an die veränderten internationalen Rahmenbedingungen wurden allerdings behutsam und schrittweise vollzogen. Erst durch die Politik im Vorfeld und während des Irak-Kriegs 2002/2003 trat zu Tage, dass eine der grundlegenden Maximen deutscher Außenpolitik, nämlich das Gleichgewicht der europäischen und der transatlantischen Westbindung, aufgegeben wurde.



Johannes Varwick: Deutsche Außenpolitik in globaler Perspektive. Kooperativer Multilateralismus und die Rolle der Vereinten Nationen

Nach der Vereinigung Deutschlands im Oktober 1990 ist die deutsche VN-Politik aktiver geworden und erstreckt sich nunmehr auf alle Tätigkeitsbereiche der Weltorganisation. Getragen wird dieses Engagement von einem breiten parteipolitischen Konsens. Deutschland bekennt sich zu einer multilateralen Politik mit den Vereinten Nationen als deren Hauptakteur auf globaler Ebene. Die Analyse der deutschen VN-Politik in den Bereichen Friedenssicherung, Entwicklungszusammenarbeit, Menschenrechtspolitik und VN-Reform belegt diese aktive Rolle. Ob die deutsche Außenpolitik allerdings für die Herausforderungen, die mit einer stärker global ausgerichteten Rolle einhergehen, gewappnet ist, wird mit einem Fragezeichen versehen.


Gisela Müller-Brandeck-Bocquet: Die Europapolitik des vereinten Deutschland

Auch nach Wiedervereinigung und Erlangung der vollen Souveränität ist Deutschland seinem traditionell großen europapolitischen Engagement treu geblieben. So trieb Kanzler Kohl die Vertiefung der Integration durch die Realisierung der Währungsunion und durch die Schaffung einer Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik weiter voran. Seit 1998 verfolgt die rot-grüne Bundesregierung zwar eine selbstbewusstere, aber nicht weniger engagierte Europapolitik, die sich insbesondere für die Osterweiterung, den Ausbau der internationalen Rolle Europas sowie die Konstitutionalisierung der Union einsetzt. Die Vollendung der Integration bedarf somit weiterhin Deutschlands voller Unterstützung.


Joachim Krause: Die transatlantischen Beziehungen seit Ende des Kalten Krieges

Die transatlantischen Beziehungen sind für Jahrzehnte ein zentrales Anliegen der deutschen Außenpolitik gewesen. Heute sind sie in einem beklagenswerten Zustand. In Europa herrscht die Meinung vor, dass die Verantwortung für diese Krise primär bei der amerikanischen Politik liege. Die USA würden sich jenseits des Völkerrechts stellen und hätten zudem bewährte transatlantische Konsultationsmechanismen außer Kraft gestellt. Die vorliegende Analyse folgt dieser Argumentation nicht. Der tatsächlich festzustellende zunehmende Unilateralismus der USA kann nicht mit hegemonialer Machtpolitik gleichgesetzt werden, sondern ist die logische Konsequenz negativer Erfahrungen der USA mit den europäischen Alliierten bei der Auseinandersetzung mit regionalen Konflikten und bei der Bekämpfung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen. Die amerikanisch-europäischen Debatten zeigen aber auch, dass es divergierende Schwerpunktsetzungen in der internationalen Agenda gibt. Während die USA Wert auf globale Sicherheitsprobleme legen, herrscht in Europa die Tendenz vor, diese Sicherheitsprobleme gering zu achten, dafür aber planetarische Probleme (Klima, Umwelt, Artenschutz) in den Vordergrund zu stellen.


Barthold C. Witte: Auswärtige Kulturpolitik – die „Dritte Säule“ der Außenpolitik

Ist die auswärtige Kulturpolitik Deutschlands wirklich die „Dritte Säule“ seiner Außenpolitik? Mehr als hundert Jahre geschichtliche Entwicklung zeigen, dass es nach bescheidenen Anfängen in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts, danach allerdings nicht mehr, gelang, diesem Anspruch gerecht zu werden. Das geschah dank des „erweiterten Kulturbegriffs“, demzufolge nicht nur die Kultur im engeren Sinn, sondern auch Bildung und Wissenschaft, Medien und gesellschaftliche Kräfte Aktionsfelder einer Politik wurden, die zunächst auf Wiedergewinnung des durch Hitler verlorenen Ansehens in der Welt gerichtet war, dann auf Behauptung im Ost-West-Konflikt und ganz allgemein auf Völkerverständigung. Heute treten die unterstützende Begleitung von Export und Auslandsinvestitionen hinzu sowie nicht zuletzt der Einsatz für Menschen- und Bürgerrechte. Die „alte“ Bundesrepublik wie das vereinte Deutschland gehören zu den wenigen Staaten, deren auswärtige Kulturpolitik weltweit operiert.


Gotthard Breit/Wichard Woyke: Nach dem Irak-Krieg! Planung von Politikunterricht zu den Auswirkungen des Irak-Krieges für einen Grund- oder Leistungskurs der gymnasialen Oberstufe

Viele Schülerinnen und Schüler haben im Frühjahr 2003 gegen eine militärische Intervention der USA im Irak demonstriert. Der Planungsentwurf enthält Überlegungen für ein Unterrichtsvorhaben zum Irak-Krieg, das Monate nach dem Ereignis durchgeführt wird. Nach der Bildung von zwölf didaktischen Perspektiven klärt die Sachanalyse zwei Fragen: Lässt sich der Krieg rechtfertigen? Wie entwickelt sich die Weltordnung nach dem Irak-Krieg? Um im Unterricht dem Kontroversitätsgebot genügen zu können, werden bewusst mehrere Antworten ausgeführt. Hinweise zu Zielen und Unterrichtsverlauf sowie Materialien komplettieren den Unterrichtsentwurf.


Anja Mihr: Menschenrechtsbildung und Menschenrechtsverständnis im Vergleich: Deutschland – USA – Großbritannien

In den drei Ländern Deutschland, USA und Großbritannien wird die Menschenrechtsbildung überwiegend vom privaten Sektor geleistet. Es sind NGOs und private Initiativen, die Bildungsprogramme in Schule und Erwachsenenbildung fördern. Auf staatlicher Seite werden nur vereinzelt Bildungsprogramme angeboten. Dem staatlichen Bildungsauftrag, Menschenrechte in Schule und Lehre zu verankern, wird keine der drei Regierungen gerecht. Das dabei vorherrschende Menschenrechtsverständnis geht davon aus, dass Menschenrechte zwar wichtige Grundwerte der Demokratie, diese aber vor allem im Ausland zu fördern seien. Im eigenen Land hingegen vertrauen die Bürger auf die eigene Gesetzgebung im Glauben, dass diese die Menschenrechte achte.


Sabine Manzel: Der lange Arm der Demokratie? Zur Diskussion um die Chancen von Service Learning und erfahrungsbezogener Praxis für das politische Lernen

In diesem Beitrag wird die Frage aufgeworfen, welche Bedeutung Service Learning und erfahrungsbezogene Praxis für die politische Bildung und das politische Lernen haben können. Eine kurze Skizze der amerikanischen Umsetzung des Konzepts Service Learning gemäß der Tradition eines bürgerschaftlichen Engagements in der Civil Society bietet den Einstieg in die deutsche Diskussion über erfahrungsorientiertes Demokratie-Lernen. Kann mit handlungsorientierten Methoden das demokratische Bewusstsein bei SchülerInnen gefördert und die Bereitschaft, sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen gesteigert werden? Oder bedarf es darüber hinaus politischer Kategorien wie demokratische Werte, Macht, Interessen, u.a.?

http://www.zeitschriftpolitischebildung.de/

Inhaltsübersicht

Wichard Woyke: Einführung: Neue deutsche Außenpolitik

Wilfried von Bredow: Was ist neu an der deutschen Außenpolitik seit 1990?
1. Außenpolitik und Außenpolitik-Forschung vor 1990
2. Die Wiederkehr der Außenpolitik und das Bedürfnis nach Kontinuität
3. Veränderte Rahmenbedingungen für deutsche Außenpolitik
4. Neues Selbstbewusstsein
5. Neuer Stil und neue Ziele
6. Folgeprobleme

Johannes Varwick: Deutsche Außenpolitik in globaler Perspektive: Kooperativer Multilateralismus und die Rolle der Vereinten Nationen
1. Deutschland, Multilateralismus und die Vereinten Nationen
2. Die VN-Politik des vereinten Deutschland
3. Deutschland und die Vereinten Nationen: Vom Konsument zum
Produzent von Ordnung?

Gisela Müller-Brandeck-Bocquet: Die Europapolitik des vereinten Deutschland
1. Einleitung
2. Europapolitischer Mehrwert der deutschen Einheit: Der Vertrag von Maastricht
3. Von Maastricht nach Amsterdam: Kohls Europapolitik 1993-1998
4. Rot-grüne Europapolitik: Selbstbewußter, aber nicht weniger engagiert

Joachim Krause: Die transatlantischen Beziehungen seit dem Ende des Kalten Krieges
1. Einleitung
2. Der Streit über die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen
3. Differenzen über regionale Konflikte
4. Völkerrecht, Multilateralismus und internationale Ordnung
5. Wie geht es weiter?

Barthold C. Witte: Auswärtige Kulturpolitik – die „Dritte Säule“ der Außenpolitik
1. Begriff und Ziele
2. Deutsche auswärtige Kulturpolitik: Geschichtliche Entwicklung
3. Die auswärtige Kulturpolitik des geeinten Deutschland (seit 1990)

Gotthard Breit/Wichard Woyke: (Unterrichtseinheit)

Materialien zur Unterrichtseinheit

Buchbesprechungen

Besprechungen zum Thema
Helga Haftendorn: Deutsche Außenpolitik zwischen Selbstbeschränkung und Selbstbehauptung

Christian Hacke: Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Von Konrad Adenauer bis Gerhard Schröder

Andrei S. Markovits/Simon Reich mit einem Vorwort von Joschka Fischer: Das deutsche Dilemma. Die Berliner Republik zwischen Macht und Machtverzicht

Enrico Brandt/Christian Buck (Hrsg.): Auswärtiges Amt. Diplomatie als Beruf (von Johannes Varwick)

Besprechung zur Fachwissenschaft
Sven Bernhard Gareis/Johannes Varwick: Die Vereinten Nationen. Aufgaben, Instrumente und Reformen
(von Sebastian Bartsch)

Besprechung zur Fachdidaktik
Christian Palentien/ Klaus Hurrelmann (Hrsg.): Schülerdemokratie. Mitbestimmung in der Schule
(von Markus Gloe)

Allgemeiner Teil

Forum
Anja Mihr: Menschenrechtsbildung und Menschenrechtsverständnis im Vergleich: Deutschland – USA – Großbritannien
Sabine Manzel: Der lange Arm der Demokratie? Zur Diskussion um die Chancen von Service Learning und erfahrungsbezogener Praxis für das politische Lernen

Abstracts

Autorinnen und Autoren

Zu den Autoren

Dr. Wilfried von Bredow, Professor für Politikwissenschaft, Philipps-Universät Marburg

Dr. Gotthard Breit, Professor für Didaktik der politischen Bildung, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Dr. Joachim Krause, Professor für Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität Kiel

Sabine Manzel, Doktorandin am Institut für Sozialwissenschaften und Europäische Studien der PH Karlsruhe, Abteilung Politikwissenschaft und ihre Didaktik

Dr. Anja Mihr Hochschulassistentin und Leiterin des Volkswagenstiftung-Forschungsprojekts „Teaching Human Rights in Europe“, Institut für Politikwissenschaft der Universität Magdeburg

Dr. Gisela Müller-Brandeck-Bocquet, Professorin für Politikwissenschaft, Universität Würzburg

Dr. Johannes Varwick, Wissenschaftlicher Assistent am Insitut für Internationale Politik, Universität der Bundeswehr Hamburg

Dr. Dr. h.c. Barthold C. Witte, Ministerialdirektor a. D./Publizist, 1983-1991 Leiter der Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes

Dr. Wichard Woyke, Professor für Politikwissenschaft, Universität Münster