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Politikvermittlung in der Demokratie

Bestellnummer: 4698
Autoren/Hrsg.: Peter Massing (Hrsg.)
unter Mitarbeit von: Uwe Andersen, Christoph Bieber, Patrick Donges, Annette Kammertöns, Stefan Marschall, Peter Massing, Oskar Niedermayer, Roland Roth, Uwe Stegenwallner, Christian Stock, Ralph Weiß

Erscheinungsjahr: 2011
Auflage: 1
Seitenzahl: 176
ISBN: 978-3-89974698-3
Reihe: politische bildung
Format: Broschur

Verfügbarkeit: lieferbar

22,80 €
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Politikvermittlung in der Demokratie

Über das Buch

Abstracts:

Stefan Marschall/Ralph Weiß: Politikvermittlung in der repräsentativen Demokratie
Politikvermittlung als reziproker Prozess zwischen der Gesellschaft und dem politisch-administrativen System ist ein elementarer Bestandteil der repräsentativen Demokratie. Sie wird herausgefordert durch die gesellschaftliche Heterogenisierung und ein Schrumpfen der Spielräume politischer Akteure. Wenn die politischen Eliten hierauf mit über die Massenmedien verbreiteter Symbolpolitik reagieren, droht sich Politikvermittlung zur einseitigen "top down"-Kommunikation zu verengen. Dem wirken aber die konkurrenzbedingte Unabhängigkeit von Medien sowie neue Formen der "bottom up"-Präferenzvermittlung entgegen.

Constituting a reciprocal process between the society and the political-administrative system, political communication constitutes a substantial component of representative democracy. Political communication is challenged by processes of societal heterogenization and the shrinking room for maneuver of political actors. If political elites react upon this with symbolic politics disseminated via mass media, political communication is in the danger of being narrowed down to top-down communication. However, the competition-based independence of media as well as new forms of bottom-up preference communication counteract these tendencies.


Oskar Niedermayer: Politische Kommunikation durch Parteien in Wahlkämpfen
Aus der Sicht des Wahlkampfmanagements der Parteien sind Wahlkämpfe persuative politische Kommunikationsprozesse, in denen versucht werden muss, die eigenen Stammwähler zu mobilisieren und die wechselbereiten Wähler auf die eigene Seite zu ziehen. Der Beitrag analysiert die verschiedenen Strategien und Instrumente, mit denen durch direkte und indirekte - d.h. vor allem durch die Medien vermittelte - Kommunikation den Wählern von der eigenen Partei und ihrem Spitzenkandidaten ein positives und vom politischen Gegner ein negatives Bild vermittelt werden soll, und geht auf die längerfistigen Veränderungen der Wahlkampfkommunikation ein.

The campaign managements of the parties see electoral campaigns as persuasive political communication processes to mobilize the own loyal voters and to convict floating voters. The article analyses the different strategies and instruments which are used in direct and indirect communication processes with the voters to mediate a positive image of the own party and its frontrunner and a negative image of the political opponents. In addition, the long-term processes of change in electoral communication are discussed.


Patrick Donges: Die Rolle der Massenmedien bei der Politivermittlung
Politikvermittlung ist keine einfache Abbildung der Politik, sondern eine Form der Interaktion. Wie kein anderes Vermittlungssystem können Massenmedien alle Teile der Gesellschaft erreichen und dort Anschlusskommunikation auslösen. Dabei sind jedoch Unterschiede zwischen den einzelnen Medientypen zu beachten.

The mediation of policy is not a simple reproduction, but a form of interaction. Like no other communication system, mass media are able to reach all parts of society and initiate follow-up communication. However, the differences between the different types of media have to be taken into account.


Christoph Bieber: Aktuelle Formen der Politik(v)ermittlung im Internet
Bei aktuellen Formen der Politikvermittlung im Internet lassen sich grob drei Gruppen unterscheiden. Den "klassischen" Formen der Politikvermittlung durch politische Akteure in Richtung der Bürgerschaft stehen längst Beiträge in der entgegengesetzten Kommunikationsrichtung gegenüber. Dabei werden Parteien, Parlamente oder Regierungen zum Adressat direkter politischer Meinungsäußerungen durch unterschiedliche gesellschaftliche Akteure. Schließlich entstehen allmählich auch gemeinschaftliche Formen von "Politikermittlung", die sich auf Online-Plattformen in Gestalt einer Kollaboration zwischen Bürgerschaft und Politik realisieren lassen und dabei künftig stark auf datenorientierte Formen politischer Kommunikation zugreifen werden.

Contemporary formats of communicative mediation of politics on the Internet can be divided into three types. Political actors (i.e. parties, parliaments, governments) adress citizens in rather conventional formats of political communication (Party Websites, Online-Campaigning, Social Networks) and try to stay in control of their messages. Meanwhile, active citizens have started to reverse the typical top-down flow of information, using the web as a platform for formulating and articulating their arguments, directing them towards political actors. Furthermore, a rather innovative type of collaborative political communication can be identified where institutional political actors and citizens meet and cooperate in online-based dialog platforms. Future examples of communicative mediation of politics will be closely connected to social networks as well as to data-driven formats of public communication.


Christian Stock: Politikvermittlung und internationale Beziehungen: Vermittlungshindernisse
Die Phänomene in den internationalen Beziehungen werden zunehmend wichtiger für den Alltag der Menschen. Zugleich bringt ihre zunehmende Komplexität die Gefahr mit sich, dass das hierfür notwendige analytische Verständnis und damit eine wesentliche Entscheidungsgrundlage für die demokratische Gesellschaft erodieren. Der Beitrag diskutiert mögliche Verständnisprobleme in diesem Bereich, die sowohl aus den internationalen Beziehungen als Gegenstand als auch aus der dazugehörigen wissenschaftlichen Disziplin der Internationalen Beziehungen resultieren.

The phenomena of the international affairs attain more and more relevance for everyday life. Simultaneously, the increasing complexity of the matter jeopardizes the analytical capacity to understand these phenomena which is necessary for reasonable democratic decision-making. The article discusses possible obstacles for a proper understanding of international politics, deriving both from the subject matter of international affairs and from the International Relations as a scientific discipline.


Uwe Stegenwallner: Das Parlament als Gegenstand und Ort politischer Bildung. Zur Bedeutung von Parlamentsrollenspielen in der politischen Bildung am Beispiel des Niedersächsischen Landtages
Eine Demokratie kann sich nur stabil weiterentwickeln, wenn die Bürgerinnen und Bürger die politischen und parlamentarischen Entscheidungsprozesse verstehen, diese beurteilen können und die Fähigkeit entwickeln sich aktiv zu beteiligen. Politische Bildung muss dazu beitragen, junge Menschen in diesem Sinne zu befähigen. Exemplarisch wird ein Parlamentsrollenspiel im Niedersächsischen Landtag mit entsprechenden pädagogischen Potentialen vorgestellt. Abschließend wird für eine ganzheitliche Institutionen- und Parlamentsdidaktik plädiert, die sowohl zielgruppen- als auch kompetenzorientierte Konzepte entwickelt und evaluiert.

The stability and the development of a democracy requires citizens being able to understand political and parliamentary processes and form their own opinion of these decisions. Moreover, they need the ability to participate in the political system. Political education has to qualify young people in this respect. This paper describes a showcase roleplay taking place in the parliament of the German state of Lower Saxony that has the educational potential to develop these abilities. Finally, the author argues for an integrated principle of teaching the subject matter "political institutions and parliaments". Didactics should be based on the development as well as on the evaluation of concepts that are aligned with individual target groups and skills.


Anette Kammertöns: "Welche Bildung darf es sein?" Überlegungen zu einer "besseren" politisch-ökonomisch-sozialwissenschaftlichen Bildung
Die Debatte über die Verankerung einer ökonomischen Bildung in allgemeinbildenden Schulen wird zur Zeit wieder sehr kontrovers geführt. Die Institutionalisierungsvarianten reichen von der Forderung nach einem eigenständigen Schulfach "Ökonomie" mit entsprechenden Kompetenzmodellen für Schulen und Hochschulen bis zu einer Einbettung der ökonomischen Bildung in eine sozialwissenschaftliche Bildung. Der Beitrag unterzieht die Einwände gegen ein eigenständiges Fach "Ökonomie", wie sie von fünf Professorinnen und Professoren in einer Kurzexpertise gegen ein vorliegendes Gutachten von vier Wirtschaftswissenschaftlern und -didaktikern formuliert worden sind, einer kritischen Prüfung und fordert eine fundiertere und konstruktivere Diskussion der Frage nach der Fach- und Unterrichtsgestaltung von ökonomischen Bildungsprozessen.

The debate on anchoring economic education in the curriculum of schools dedicated to general education whas currently become strongly controversial once more. Variants of institutionalisation range from demands for the introduction of an independent subject "economy" with its own model of competency in schools, colleges and universities, to embedment of economic education into the general discipline of social sciences education. This paper is dedicated to the objections against an autonomous discipline of "economics" as formulated by five professors in a short critical statement against a current report submitted by four scientists of economics and didactics of economics and calls for a more solidly founded and constructive discussion of the technical and instructional aspects inherent to the process of developing educational models for the discipline of economic education.


Monika Oberle: Determinanten von Politikkenntnissen bei Schülerinnen und Schülern am Beispiel der Europäischen Union
Politische Kenntnisse der Bürger/innen gelten als ein bedeutendes Element ihrer politischen Kompetenz, weshalb die weitreichenden Defizite ihrer empirischen Erforschung überraschen. Die hier vorgestellte Studie untersucht das objektive und subjektive (auf Selbsteinschätzung beruhende) politische Wissen über die Europäische Union bei Schüler/innen zweier Sekundarstufen mittels latenter Modellierung. Untersucht wird der Einfluss verschiedener Prädiktoren auf beide Wissenstypen, darunter Geschlecht, kulturelles Kapital, Migrationshintergrund, Nachrichtenkonsum, Unterrichtsklima sowie Einstellungen zur EU.

In spite of its widely accepted salience as an element of political competency, the empirical investigation of political knowledge is less developed than one might expect. The study presented focuses on political knowledge of German secondary school pupils, looking at both their objective and subjective (perceived, self-evaluated) knowledge of the European Union, using a latent modelling approach. The potential influence of various predicators on both types of knowledge is being looked at, among which gender, cultural capital, migration background, news consumption, class climate and attitudes towards the EU.

Inhaltsübersicht

Politikvermittlung in der Demokratie

Peter Massing/Gotthard Breit: Einführung

Stefan Marschall/Ralph Weiß: Politikvermittlung in der repräsentativen Demokratie
1. Eine "Krise" der repräsentativen Demokratie?
2. Repräsentative Demokratie und Politikvermittlung: Theoretische Annäherungen
3. Akteure der Politikvermittlung - politische-administratives System und intermediäre Organisationen
4. Gesellschaftliche Differenzierung als Rahmenbedingung und Bezugspunkt der Politikvermittlung
5. Medialisierung der Politikvermittlung
6. Ausblick: Politikvermittlung statt Repräsentation?

Oskar Niedermayer: Politische Kommunikation durch Parteien in Wahlkämpfen
1. Einleitung
2. Der Wahlkampf als politischer Kommunikationsprozess
3. Veränderungen in der Wahlkampfkommunikation

Christian Stock: Politikvermittlung und internationale Beziehungen: Vermittlungshindernisse
1. Die zunehmende Bedeutung der internationalen Beziehungen
2. Die IB als wissenschaftliche Disziplin: Entwicklung und Inhalte
3. Hürden für das Verständnis der internationalen Beziehungen
4. Individuelle Rezeptionsprobleme
5. Fazit

Unterrichtspraxis
Uwe Stegenwallner: Das Parlament als Gegenstand und Ort politischer Bildung. Zur Bedeutung von Parlamentsrollenspielen in der politischen Bildung am Beispiel des Niedersächsischen Landtages

Buchbesprechungen zur Fachwissenschaft und Fachdidaktik

Forum
Annette Kammertöns: "Welche Bildung darf es sein?" Überlegungen zu einer "besseren" politisch-ökonomisch-sozialwissenschaftlichen Bildung

Monika Oberle: Determinanten von Politikkenntnissen bei Schülerinnen und Schülern am Beispiel der Europäischen Union

Uwe Andersen: Alleinregierung der SPD in Hamburg - Analyse der Wahl zur Hamburger Bürgerschaft 2011

Uwe Andersen: Im Osten wenig Neues - Analyse der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2011

Das aktuelle Thema
Gotthard Breit: Politische Urteilsbildung über die deutsche Stimmenthaltung im UN-Sicherheitsrat

Zu den Autoren

Dr. Uwe Andersen
Emeritierter Professor für Politikwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum, Trakehner Weg 40, 48308 Senden

Dr. Christoph Bieber
Professor für Politikwissenschaft (Welker-Stiftungsprofessur für Ethik in Politik-management und Gesellschaft) an der NRW School of Governance und dem Institut für Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen, Lotharstraße 53, 47057 Duisburg

Dr. Gotthard Breit
Emeritierter Professor für Politikwissenschaft und ihre Didaktik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg; Gerstäckerstr. 13, 38102 Braunschweig

Dr. Patrick Donges
Professor für Kommunikationswissenschaft am Institut für Politik- und Kommunikationswissenschaft der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Rubenowstr. 3, 17487 Greifswald

Dr. Stefan Marschall
Professor für Politikwissenschaft am Institut für Sozialwissenschaften der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Universitätsstraße 1, 40225 Düsseldorf

Dr. Annette Kammertöns
Honorarprofessorin für die Didaktik der Sozialwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum, Universitätsstr. 150, 44801 Bochum

Dr. Oskar Niedermayer
Professor für Politische Wissenschaft mit dem Schwerpunkt Politische Soziologie an der Freien Universität Berlin, Ihnestr. 21, 14195 Berlin

Dr. Peter Massing
Professor für Politikdidaktik am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin, Ihnestr. 22, 14195 Berlin

Monika Oberle
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialwissenschaften, Bereich Politikwissenschaft und ihre Didaktik, der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, Bismarckstr. 10, 76135 Karlsruhe

Uwe Stegenwallner
Oberstudienrat und Teamleiter für das Fach Politik an der BBS am Pottgraben, Pottgraben 4, 49074 Osnabrück

Christian Stock, M.A.
Doktorand am Lehrstuhl für Politische Wissenschaft (Prof. Dr. Johannes Varwick), Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Dr. Ralph Weiß
Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft am Institut für Sozialwissenschaften der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Universitätsstraße 1, 40225 Düsseldorf