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Politische Kultur in Deutschland

Abwendung von der Vergangenheit – Hinwendung zur Demokratie

Bestellnummer: 284
Autoren/Hrsg.: Gotthard Breit (Hrsg.)
unter Mitarbeit von: Dirk Berg-Schlosser, Wolfgang Bergem, Konrad Blume, Gotthard Breit, Helmut Däuble, Dieter Fuchs, Gerhard Himmelmann, Peter Massing, Werner J. Patzelt, Edeltraud Roller, Reinhard Wesel
Erscheinungsjahr: 2003
Auflage: 1
Seitenzahl: 160
ISBN: 978-3-87920-284-3
Reihe: politische bildung
Format: Broschur

Verfügbarkeit: lieferbar

19,80 €
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Politische Kultur in Deutschland - Abwendung von der Vergangenheit – Hinwendung zur Demokratie

Über das Buch

Dirk Berg-Schlosser: Erforschung der politischen Kultur – Begriffe, Kontroversen, Forschungsstand

Der Beitrag umreißt Wissenschaftsgeschichte und aktuelle Entwicklungen der internationalen Politische-Kultur-Forschung. Er erläutert die zentralen Begriffe und wichtigsten Ansätze und ordnet diese in allgemeine sozialwissenschaftli-he Erklärungsschemata ein. Auf diese Weise lassen sich auch einige der Kontroversen klären, die die Diskussion um dieses sehr breit gefasste Konzept geprägt haben. Neuere Untersuchungen belegen die andauernde Fruchtbarkeit dieses Ansatzes.

Dieter Fuchs/Edeltraud Roller: Die Einstellung zur Demokratie in Deutschland

Seit der formellen Vereinigung beider deutscher Staaten wird kontrovers über die innere Einheit diskutiert. Dabei geht es um die Frage, ob die Bürger der alten und neuen Länder getrennte politische Gemeinschaften mit unterschiedlichen politischen Grundorientierungen bilden. Empirische Befunde auf der Basis repräsentativer Bevölkerungsumfragen können zeigen, dass Ost- und Westdeutsche zwar gleichermaßen die Demokratie als Herrschaftsordnung akzeptieren. Die Ostdeutschen befürworten jedoch eher ein sozialistisches Demokratiemodell und stehen im Unterschied zu den Westdeutschen der liberalen Demokratie, so wie sie in Deutschland implementiert ist, skeptischer gegenüber. Insofern kann man von einer gespaltenen politischen Gemeinschaft der Deutschen sprechen.

Wolfgang Bergem: Die Vergangenheitsprägung deutscher politischer Kultur und Identität

Der Beitrag untersucht die Präsenz der Vergangenheit in Deutschland nach 1945 in zweierlei Hinsicht: Zum einen geht es um die Frage, inwieweit die deutschen Traditionen politischer Kultur, deren Wurzeln bis in die Zeit der Reformation reichen und auf deren Grundlage die Barbarei des Dritten Reichs nicht verhindert werden konnte, in den beiden deutschen Nachkriegsstaaten und im vereinigten Deutschland fortgewirkt haben oder überwunden wurden. Zum anderen wird analysiert, aus welchen Gründen, in welchen Formen und mit welchen Folgen die Vergangenheit der nationalsozialistischen Diktatur politische Identität in der Bonner Republik, in der DDR und in der Bundesrepublik seit 1990 geprägt hat und weiterhin beeinflusst.

Reinhard Wesel: Deutschlands „außenpolitische Kultur“. Zu Entwicklung und Wandel der Haltung der Deutschen zur internationalen Politik

Deutschland hat nach 1945 einen Lern- und Wandlungsprozess durchlaufen, der auch die Sichtweisen und Grundhaltungen, politische Prinzipien und Ziele, Handlungsnormen und Stilelemente seiner außenpolitischen Kultur prägt, die mit fast allen politisch-kulturellen Traditionen der deutschen Geschichte brach, die in zwei Weltkriege geführt hatten. Die Bundesrepublik wurde zu einer friedlich zurückhaltenden wirtschaftsorientierten Zivilmacht, die sich um multilaterale Kooperation und Integration bemühte, auch unter den Bedingungen der deutschen Teilung. Diese Orientierung unterlag häufig Veränderungen, aber keinen substanziellen Richtungswechseln und wurde auch nach der Zäsur von 1989 durchgehalten. Das wiedervereinigte Deutschland fiel nicht in nationalistisch oder gar militaristisch gefärbte Attitüden zurück, sondern bemühte sich um die kooperative Integration seiner gestiegenen Bedeutung in die europäische und internationale Politik. Die rasche und undramatische Beteiligung der Bundeswehr an international legitimierten und multilateral organisierten Militäreinsätzen im Ausland zeugte eher von einer kontinuierlichen Fortentwicklung als von einem Politikwechsel.

Werner J. Patzelt: Die Deutschen und ihre politischen Missverständnisse

Die empirischen Befunde zum Institutionsvertrauen, zum Ansehen der politischen Klasse oder zur Zufriedenheit mit dem politischen System sind – nicht nur in Deutschland – immer wieder deprimierend. Was steht hinter ihnen? Einesteils enttäuschte Bürgererwartungen, wobei viele populäre Erwartungen so beschaffen sind, dass sie in der Praxis nur enttäuscht werden können. Andernteils Vorurteile und Verständnismängel der Deutschen hinsichtlich ihres politischen Systems, die sich aus oft sehr tiefen Schichten deutscher politischer Kultur speisen. Diese werden obendrein von einem nennenswerten Teil der politischen Klasse geteilt.

Konrad Blume: Formung eines demokratischen Bewusstseins anhand historischer Texte zum Thema „Persönlichkeit und Staat im Dritten Reich“

Erfahrungen historischer Personen, hier z. B. S. Haffners und K. Hubers, erweitern den begrenzten aktuellen Horizont gerade auch der Heranwachsenden. Berichten diese Personen aus extremen Situationen, dann wecken sie leicht Interesse, Empathie und Affirmation. Im Augenblick günstiger Disposition kann daraus bei den Aufnehmenden ein Dialog mit sich selbst werden, ein wesentlicher Schritt zur Gewinnung eines Selbstbewusstseins, möglicherweise ein Schritt zu einem auf Humanität gegründeten gesicherten normativen Fundament des Denkens und Handelns. Das ist eine wesentliche Voraussetzung für eine demokratische Gesellschaft. Sie gilt es durch ständiges Bewusstmachen und Einüben zu gewinnen und zu verfestigen. Die Erfahrungen in etablierten Diktaturen zeigen, dass die Freiheit der Person, der „privaten“ wie der „öffentlichen“, im Augenblick ihrer extremen Bedrohung nur bei äußerster Gefährdung ihrer selbst durch Widerstand zu retten ist. Das schließt Widerstand nicht aus, stärkt aber die Einsicht, dass nur langfristig, d.h. durch Sozialisation und stetiges eigenes Bemühen um eine starke Persönlichkeit, die Freiheit in einem humanen Miteinander erreicht werden kann.

Helmut Däuble: Schattenseiten-Didaktik. Sensibilisierung für Politik- und Parteienverdruss in der politischen Bildung am Beispiel einer Karikaturen-Staffel

Aufbauend auf der Annahme, dass eine weit verbreitete Politikverdrossenheit in der politischen Bildung vorschnell durch positives Entgegensteuern abgemildert wird und damit „schizophrene Demokratielernende“ produziert werden, setzt der Autor dem ein politisches Bildungskonzept gegenüber, das sich konsequenter mit den alltäglichen Schattenseiten von funktionierenden Demokratien auseinandersetzt. „Schmutzige Politik“, Affären, Skandale etc. werden dabei in ihren Wirkungen auf die Urteilsbildung von Lernenden in den Mittelpunkt gerückt. Anhand einer so genannten Karikaturen-Staffel wird exemplarisch aufgezeigt, wie ein erster praktischer Zugang dazu aussehen könnte und welche Konsequenzen sich für die Fachdidaktik ergeben.

Gerhard Himmelmann: „Demokratie lernen und Politik lernen – ein Gegensatz?“
Der Autor vertritt die These, dass die politische Bildung in jüngster Zeit durch verschiedene Anstöße in Richtung auf ein neu strukturiertes „Demokratie-Lernen“ einen deutlichen Anstoß zur Weiterentwicklung erfahren hat. Allerdings soll damit keine übersteigerte Kontroverse „Politik- Lernen“ kontra „Demokratie-Lernen“ vorgetragen werden. Gleichwohl sollte für die Weiterentwicklung der Politischen Bildung die fachorientierte Demokratie-Wissenschaft stärker mit Demokratie-Politik, Demokratie-Pädagogik zu einer eigenständigen Demokratie-Didaktik verknüpft werden.

http://www.zeitschriftpolitischebildung.de/

Inhaltsübersicht

Gotthard Breit: Einführung: Politische Kultur in Deutschland.
Abkehr von der Vergangenheit – Hinwendung zur Demokratie

Dirk Berg-Schlosser: Politische Kulturforschung – Begriffe, Kontroversen, Forschungsstand
1. Einleitung
2. Kontroversen
3. Grundlegendes Analysemodell, vorherrschende Ansätze
4. Die Verbindung unterschiedlicher Analyseebenen
5. Neuere Entwicklungen
6. Ausblick

Dieter Fuchs und Edeltraud Roller: Die Einstellung zur Demokratie in Deutschland
1. Problemstellung
2. Theoretischer Hintergrund
3. Empirische Befunde
4. Schlussfolgerungen

Wolfgang Bergem: Die Vergangenheitsprägung deutscher politischer Kultur und Identität
1. Deutsche Politische Kultur im Vergleich
2. Diskontinuitäten in der Bundesrepublik?
3. Kontinuitäten in der DDR?
4. Das Ende einer langen Linie im vereinten Deutschland?
5. Die NS-Diktatur und der Antitotalitarismus der Bundesrepublik
6. Das Nazi-Regime und der Antifaschismus der DDR
7. Das Dritte Reich und Deutschlands Dritte Republik

Reinhard Wesel: Deutschlands „außenpolitische Kultur“. Zu Entwicklung und Wandel der Haltung der Deutschen zur internationalen Politik
1. Zur Geschichtlichkeit (außen)politischer Kultur
2. Zum Konzept „außenpolitische Kultur“
3. Zur Entwicklung der deutschen außenpolitischen Kultur
4. Zu einzelnen Arbeits- und Problemfeldern deutscher Außenpolitik
5. Ausblick

Werner J. Patzelt: Die Deutschen und ihre politischen Mißverständnisse
1. Deprimierende Daten
2. Zwei Richtungen der Diagnose
3. Voreinstellungen und Vorurteile zum politischen System
4. Was tun?

Konrad Blume: Formung eines demokratischen Bewusstseins anhand historischer Texte zum Thema: Persönlichkeit und Staat im Dritten Reich
1. Text 1: Das Duell
2. Text 2: Kameradschaft
3. Text 3: Vertrauen
4. Text 4: Das Bewusstsein seiner selbst (seines Selbst)

Buchbesprechungen
Besprechungen: Politische Kultur – Politische Sozialisation – Politische Bildung

DETLEF OESTERREICH: Politische Bildung von 14-Jährigen in Deutschland. Studien aus dem Projekt Civic Education

HANS-PETER KUHN, KARIN WEISS, HANS OSWALD (HRSG.): Jugendliche Wähler in den neuen Bundesländern. Eine Längsschnittstudie zum Verhalten von Erstwählern bei der Bundestagswahl 1998

HEINZ-HERMANN KRÜGER /SIBYLLE REINHARDT, CATRIN KÖTTERS-KÖNIG/NICOLLE PFAFF, RALF SCHMIDT/ADRIENNE KRAPPIDEL, FRANK TILMANN: Jugend und Demokratie – Politische Bildung auf dem Prüfstand. Eine quantitative und qualitative Studie aus Sachsen-Anhaltt

Besprechung zur Fachdidaktik
LOTHAR SCHOLZ: Spielerisch Politik lernen. Methoden des Kompetenzerwerbs im Politik- und Sozialkundeunterricht

Allgemeiner Teil

Forum

Helmut Däuble:Schattenseiten-Didaktik. Sensibilisierung für Politik- und Parteienverdruss in der politischen Bildung am Beispiel einer Karikaturen-Staffel

Gerhard Himmelmann: Thesen zum Thema: „Demokratie lernen und Politik lernen – ein Gegensatz?“

Das aktuelle Thema: „Der Bürger erhält die Politik, die er verdient“

Andrea Fischer: Wo, bitte, geht es hier zur Macht? Spektakuläre Ruck-Reden sind nicht genug. Politischer Mut muss im Alltag bewiesen werden

Tagungsbericht
Gotthard Breit:Gedanken zum 9. Bundeskongress für politische Bildung in Braunschweig .

Autorinnen und Autoren

Zu den Autoren

Dr. Dirk Berg-Schlosser, Ph. D., Professor für Politikwissenschaft, Philipps-Universität Marburg,

Dr. Wolfgang Bergem, Wissenschaftlicher Angestellter in Politikwissenschaft an der Bergischen Universität Wuppertal, Fachbereich 2,

Konrad Blume, Studiendirektor i. R.

Dr. Helmut Däuble, Wissenschaftlicher Mitarbeiter/Lehrbeauftragter am Institut für Sozialwissenschaften der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, Abteilung Politikwissenschaft und politische Bildung

Dr. Dieter Fuchs, Professor für Politikwissenschaft, Universität Stuttgart, Institut für Sozialwissenschaften

Dr. Gerhard Himmelmann, Professor für Politische Wissenschaft und Politische Bildung, Technische Universität Braunschweig, Institut für Sozialwissenschaften, FB 10, Fachgebiet Politische Wissenschaft und Politische Bildung

Dr. Werner Patzelt, Voglerstraße 18, 01277 Dresden, Professor für Politische Systeme und Systemvergleich, Technische Universität Dresdenn

Dr. Edeltraud Roller, Professorin für Politikwissenschaft, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Politikwissenschaft

Dr. Reinhard Wesel, Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Politikwissenschaft, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg