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Politische Partizipation

Theoretische Konzepte und empirische Befunde

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Politische Partizipation

Über das Buch

Jan W. van Deth: Das schwierige Verhältnis zwischen Partizipation und Demokratie
Demokratie setzt Partizipation voraus, aber mehr Partizipation bedeutet nicht automatisch mehr Demokratie. Für Beteiligung gibt es intrinsische, instrumentelle und legitimitätsorientierte Begründungen. Trotz stark gewachsener Möglichkeiten ist die tatsächliche Partizipation eher gering und ungleich. Kritische Betrachtungen der Demokratie führen häufig zu Plädoyers für mehr Beteiligung außerhalb von Wahlen und Parteiaktivitäten.

Participation is a prerequisite for democracy, but more participation does not automatically lead to more democracy. Participation is motivated by intrinsic, instrumental, and legitimacy-oriented reasons. Despite greatly expanded opportunities, actual participation is rather modest and unequally distributed. Critical reflections on democracy frequently lead to calls for more participation that are not related to elections and the activities of political party.

Oscar Gabriel: Bürgerbeteiligung in Deutschland
In den letzten Jahrzehnten hat die politische Partizipation in Deutschland stark zugenommen und sich strukturell verändert. Ca. 90 Prozent der Bundesbürger nehmen zumindest minimal am politischen Leben Anteil und jeder zehnte ist der Gruppe der politischen Aktivisten zuzurechnen, die das gesamte Spektrum an Möglichkeiten ausschöpfen, um Einfluss auf politische Entscheidungen auszuüben. Allerdings brachte diese Entwicklung bislang keine Lösung des alten Problems der starken Ungleichheit in der Wahrnehmung der Beteiligungsrechte durch Angehörige verschiedener sozialer Gruppen mit sich. Partizipation ist nach wie vor eine Domäne der höheren Statusgruppen und der Personen mittleren Alters. Auch Zuwanderer sind weniger aktiv als der Durchschnitt der Bevölkerung. Politische Beteiligung hängt aber nicht allein von der sozialen Position der Bürger ab, auch politische Einstellungen wie das kognitive Engagement und die Präferenz für postmaterialistische Werte sowie die Einbindung in soziale Netzwerke spielen eine maßgebliche Rolle dafür, ob Menschen sich für die Übernahme einer aktiven Rolle im politischen Leben entscheiden. Vor dem Hintergrund der vorliegenden Forschungsresultate leistet Bürgerbeteiligung vor allem dann einen positiven Beitrag zur Weiterentwicklung der repräsentativen Demokratie, wenn nicht nur die Zahl der Aktiven steigt, sondern zugleich Strukturen gefunden werden, die bisher politikferne Gruppen zum politischen Engagement ermutigen.

Over the past few decades political participation in Germany has increased considerably and, at the same time, undergone a structural change. Around 90 per cent of the Germans are at least minimally involved in political life, and one out of ten citizens belongs to the activist stratum of the public by making use of the entire range of activities available for exerting political influence. Nevertheless, the social bias in political participation has persisted. The active use of participatory rights is still most widespread among the well-to-do, and the middle-aged and less common among immigrants. Political participation is not only dependent on citizens’ social position but also on political attitudes such as cognitive engagement and support for post-materialist values and on inclusion in social networks. Given these conditions, political participation will contribute to improving the quality of representative democracy if not only the relative numbers of activists increase but if more people from all social strata can be recruited to engage in political activities.

Brigitte Kerchner: „Liquid Democracy“ – Zur Qualität digital vernetzter Bürgerbeteiligung
Wie funktionieren politische Online-Diskurse und inwiefern lassen sich mit ihnen die Verkrustungen herkömmlicher Institutionen „auflösen“ („Liquid Democracy“) und partizipative Elemente stärken? Ziel dieses Beitrags ist es, am konkreten Fall das Potenzial einer digital vernetzten Bürgerbeteiligung aus demokratietheoretischer und diskursanalytischer Sicht zu prüfen. Das empirische Material liefert die jüngst tagende Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ (2011-2013), die während ihrer Beratungen in einem Selbstversuch die Beteiligungssoftware „Adhocracy“ einsetzte. Legen wir an dieses Material Prüfkriterien an, die sich am Habermas’schen Diskursideal orientieren, zeigt sich ein ambivalentes Ergebnis: Einerseits scheinen Probleme des Netzzugangs und der „digitalen Spaltung“ nach wie vor ungelöst; andererseits überzeugt der qualitative Input neuer Ideen sowie der hohe Grad an Responsivität und Rationalität, mit dem Online-„Vorschläge“ eingebracht werden.

How do political online discourses work? To what extent are they able to “liquify” the incrustations of traditional institutions (“liquid democracy”) and strengthen civic participation? Using a case study and applying the perspectives of democratic theory and discourse analysis, this article will examine the potential of digitally networked democracy. The empirical data studies comes from the German Parliamentary Enquete Commission Internet and Digital Society, which used the software Adhocracy during its consultations (2011-2013). Evaluation of this material with criteria, based on Habermas’ discourse ideals, produces ambivalent results: on one hand, problems of internet access and the “digital divide” still seem to be unresolved. On the other, the quality of input is convincing, as are the high grade of responsivity and rationality with which ideas are contributed online.

Wolfgang Gaiser/Martina Gille: Jugendliche und Partizipation
Im dem Beitrag werden zunächst unterschiedliche Formen der Beteiligung junger Menschen anhand von aktuellen Daten (AID:A) untersucht: Mitgliedschaft in Vereinen und Verbänden, Aktivität im Kontext der NGOs, Bereitschaft zu politischer Partizipation und tatsächliches politisches Handeln. Es werden Einflüsse von Ressourcenausstattung (insbesondere Bildung) und Motivationen (politisches Interesse) analysiert. Entwicklungstendenzen werden unter Bezug auf Ergebnisse bisheriger DJI-Jugendsurveys dargestellt. Dabei werden Fragen wie die folgenden betrachtet: Beteiligen sich Mädchen und junge Frauen in anderer Weise als Jungen und junge Männer? Welche Rolle spielen Herkunftsfamilie und kulturelles Kapital? Abschließend werden Entwicklungstrends skizziert und Perspektiven für Politik und Praxis angedeutet.

The article starts by analyzing the various forms of young people’s participation on the basis of current data (AID:A): membership in clubs and associations, activities in the context of NGOs, willingness to engage in politics, and actual political activities. The study examines the ways in which available resources (particularly education) and motivations (political interest) influence participation. It presents developmental tendencies and references them to results of previous DJI Youth Surveys, focusing on the following questions: does the participation of girls and young women differ from that of boys and young men? How do the family of origin and cultural capital influence participation? Finally, developmental trends are outlined and perspectives for politics and practice suggested.

Göttrik Wewer: Form und Inhalt, oder: Transparenz und Politik
Transparenz ist ein wichtiges Prinzip unserer Demokratie. Es gibt aber noch andere Prinzipien, die bei politischen Entscheidungen zu beachten sind: Partizipation, Effizienz, Effektivität, Legitimation. Diese Prinzipien beeinflussen sich wechselseitig und stehen untereinander in einem Spannungsverhältnis. Sie müssen jeweils möglichst optimal ausbalanciert werden, um zu „guten“ politischen Entscheidungen zu kommen und die die Rolle der Transparenz darf dabei nicht überbewertet werden.

Transparency is a key principle in our democracy. But there are other principles that have to be taken into consideration in political decision-making: participation, efficiency, effectiveness, legitimacy. These principles influence one another mutually and are in a permanent state of tension. They must be balanced in each case in the best possible way in order to reach good political decisions; the role of transparency should not be overestimated.

M. Abu-Shuair/H. Dausend/M. Hoodgarzadeh: Die Kunst der Revolution.
Mit Graffiti den Arabischen Frühling am Beispiel Ägyptens im deutschen Schulunterricht erarbeiten

Der Beitrag widmet sich einem Höhepunkt der Arabischen Revolution in Ägypten vor dem Sturz des Diktators Mubaraks (2011) – dem sog. Arabischen Frühling. Er beschreibt die politischen Entwicklungen und diskutiert die politische und kulturelle Bedeutung von Graffiti für die Revolution. Sein Herzstück sind fotografierte Graffiti, die sich auf dem Tahrir-Platz und im Botschaftsviertel auf der Halbinsel Zamalek in Kairo befinden. Die Analyse dieser Graffiti offenbart ihr Potential für den politischen Unterricht.

This article deals with the Arab Spring in Egypt and discusses how graffiti were used for communicative purposes during the events. Teachers are given examples of graffiti painted during the revolution that can be used within social studies lessons.

Markus Gloe/Tonio Oeftering: Musik und Politik. Ungenutztes Potential eines Mediums für den Politikunterricht Die Autoren geben zuerst eine Antwort auf die Frage, was ein politisches Lied zu einem solchen macht. Daran anschließend erläutern sie die vielfältigen Möglichkeiten einer Verbindung von Musik und Politik. Diese Vielfalt aufgreifend zeigen die Autoren eine Reihe von Möglichkeiten einer reicheren Unterrichtsgestaltung mit dem Medium Musik im Politikunterricht auf. Damit beleuchtet der Beitrag grundlegende fachwissenschaftliche und fachdidaktische Fragestellungen des Projekts „Musik und Politik“, das derzeit in Kooperation der Pädagogischen Hochschule Freiburg, der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Leibniz Universität Hannover für die Bundeszentrale für politische Bildung durchgeführt wird.

In this paper the authors begin by offering an answer to the question of what makes a song political. In the next step they specify the various possible connections between music and politics. Based on this range of possibilities the authors identify basic didactic approaches to the use of the medium music in social studies classes. The article elucidates basic research and didactic questions addressed in the study “Music and Politics”, which is currently being conducted as a joint project by the University of Education Freiburg, Ludwig Maximilians University Munich, and Leibniz University Hannover for the Federal Agency for Civic Education.

Christian Stock: Jenseits der Empörung. Die NSA-Affäre erfordert eine Diskussion über die richtige Sicherheitspolitik Der Artikel analysiert Hintergründe der sogenannten ‚NSA-Spähaffäre‘. Mit Blick auf die USA wird nach Gründen für die Ausweitung der nachrichtendienstlichen Aufklärung gefragt. Als zentrale Ursache wird die Entwicklung diskutiert, die sich aus dem erweiterten Sicherheitsbegriff und einer unpräzisen Terrorismusdefinition in Verbindung mit einer umfangreichen Sicherheitsbürokratie ergeben hat. Die derzeitige, teilweise etwas naive Empörung, so das Fazit, sollte bald einer nüchternen Debatte über eine angemessene Sicherheitspolitik weichen.

This paper discusses the background of the so-called “NSA incident”. The relation between freedom and security as the basic underlying problem is difficult to tackle directly. Therefore the paper focuses on the background of the threat perception and examines the reasons behind the expansion of intelligence activities, especially in the US. The paper argues that an expanded concept of security and a imprecise definition of terrorism, together with an bloated security bureaucracy have led to the current situation where many people perceive infringements of their privacy.

<p>Die Bezugsbedingungen im Abo finden Sie<a href="http://www.zeitschriftpolitischebildung.de/Bestellung_.html" target="_blank"><span style="color: #0000ff;"><strong> hier</strong></span></a>.</p>

Inhaltsübersicht

Politische Partizipation

Kerstin Pohl/Peter Massing: Einleitung

Jan W. van Deth: Das schwierige Verhältnis zwischen Partizipation und Demokratie
1. Partizipation und Demokratie
2. Wozu partizipieren?
3. Wer partizipiert?
4. Wozu nicht partizipieren?
5. Fazit

Oscar Gabriel: Bürgerbeteiligung in Deutschland
1. Mehr Partizipation – Mehr Demokratie?
2. Grundlagen politischer Beteiligung in Deutschland: Verfassung, Gesetze und informelle Muster
3. Wie stark engagieren sich die Bundesbürger politisch und wie hat sich das politische Engagement im Zeitverlauf entwickelt?
4. Wer beteiligt sich und wer beteiligt sich nicht?
5. Was veranlasst Menschen zur politischen Aktivität?
6. Schluss: Politische Partizipation und die Qualität der Demokratie

Brigitte Kerchner: „Liquid Democracy“ – Zur Qualität digital vernetzter Bürgerbeteiligung
1. Demokratie, E-Demokratie, Liquid Democracy – Erste Begriffsklärungen
2. Die Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ – Digitale Bürgerbeteiligung im Selbstversuch
3. „Demokratie und Staat – ein exemplarisches Themenfeld
4. Zur Qualität von „Liquid Democracy“ – Fünf Prüfkriterien im Einsatz
5. Fazit und Ausblick auf künftige Forschungsfragen

Wolfgang Gaiser/Martina Gille: Jugendliche und Partizipation
1. Aktualität der Partizipation junger Menschen
2. Empirische Ergebnisse
3. Entwicklungstrends
4. Fazit und Perspektiven

Göttrik Wewer: Form und Inhalt, oder: Transparenz und Politik
1. Transparenz: Wundermittel oder Ordnungsprinzip?
2. Politik heißt Abwägen: Optimieren statt maximieren
3. Politik heißt Entscheiden: Inhalte statt Verfahren
4. Transparenz als Prinzip – oder aus Prinzip?

Unterrichtspraxis

Mahmoud Abu-Shuair/Henriette Dausend/Mahzad Hoodgarzadeh: Die Kunst der Revolution.
Mit Graffiti den Arabischen Frühling am Beispiel Ägyptens im deutschen Schulunterricht erarbeiten
Philip Elsen: Politikdidaktische Überlegungen und Vorschläge für die praktische Umsetzung im Politikunterricht

Buchbesprechungen

Sammelrezension zum Thema Demokratie und bürgerschaftliches Engagement  (von Reinhild Hugenroth)

Fachwissenschaft
Georg Weißeno/Hubertus Buchstein (Hrsg.): Politisch Handeln: Modelle, Möglichkeiten, Kompetenzen (von Philip Elsen)

Fachdidaktik
Siegfried Frech/Frank Meier (Hrsg.): Unterrichtsthema Staat und Gewalt (von Hans-Joachim Reeb)
Georg Weißeno/Valentin Eck: Wissen, Selbstkonzept und Fachinteresse (von Dorothee Gronostay)

Forum

Markus Gloe/Tonio Oeftering: Musik und Politik. Ungenutztes Potential eines Mediums für den Politikunterricht

Das aktuelle Thema

Christian Stock: Jenseits der Empörung. Die NSA-Affäre erfordert eine Diskussion über die richtige Sicherheitspolitik

Tagungsbericht

Die GPJE-Tagung 2013 an der Leibniz-Universität Hannover

Zu den Autoren

Mahmoud Abu-Shuair, 
Wiss. Oberassistent an der Sektion für islamische Studien in Deutsch der Sprachen- und Übersetzungsfakultät, Al-Azhar Universität, Kairo

Henriette Dausend,
Johann-Wolfgang-Goethe Universität Frankfurt am Main

Dr. Jan W. van Deth, 
Inhaber des Lehrstuhls für Politische Wissenschaft und International Vergleichende Sozialforschung an der Universität Mannheim

Philip Elsen,
Lehrer (Studienrat) für Politik- und Sozialwissenschaften am Beethoven-Gymnasium in Berlin

Dr. Oscar Gabriel,
Prof. em. am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart und ordentliches Mitglied des Deutschen Forschungsinstituts für Öffentliche Verwaltung, Speyer.

Dr. Wolfgang Gaiser, 
arbeitete von 1973 bis 2011 am Deutschen Jugendinstitut e.V. in München, zuletzt als Grundsatzreferent für Jugendforschung

Martina Gille,
Dipl.-Soziologin, wissenschaftliche Mitarbeiterin des „Zentrums für Dauer-beobachtung und Methoden“ des Deutschen Jugendinstituts (DJI) in München.

Dr. Markus Gloe,
Leiter der Lehreinheit Didaktik der Sozialkunde am Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München

Mahzad Hoodgarzadeh,
Projektmanagerin „Wir gründen in Deutschland! Unterstützung für Akademiker/innen und Gründer/innen in Deutschland“; Integration durch Qualifikation bei der RKW Nierdersachsen GmbH

Dr. Brigitte Kerchner,
Lehrstuhlvertretung der rechtlichen Grundlagen der Politik am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin, Ihnestr. 22, 14195 Berlin

 

Dr. Tonio Oeftering,
Vertretung der Professur Didaktik der Politischen Bildung am Institut für Politische Wissenschaft der Leibniz Universität Hannover

Christian Stock,
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und Europäische Politik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Dr. Göttrik Wewer, 
Politik- und Verwaltungswissenschaftler, Staatssekretär a. D., Vice President E-Government bei der Deutschen Post Consult GmbH

Stimmen zum Buch

"Der theoretische Überblick über den Stand der Forschung und die verschiedenen Ansätze der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der politischen Partizipation erlaubt es LeserInnen, sich selbstständig auf der Basis eines guten Überblicks tiefer in die Thematik einzulesen. Die unterrichtspraktischen Beiträge ermutigen LehrerInnen und politische BildnerInnen dazu die Berührungen mit Politik und politischem Handeln von
Schülerinnen und Schülern in den jugendlichen Lebenswelten sichtbar zu machen und damit lebendigere Zugänge für den Politikunterricht zu erschließen."

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