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Pragmatistische Politikdidaktik

Making It Explicit

Bestellnummer: 4963
Autoren/Hrsg.: Armin Scherb
Erscheinungsjahr: 2014
Auflage: 1. Auflage
Seitenzahl: 288
ISBN: 978-3-89974963-2
Reihe: Politik und Bildung
Format: Broschur

Verfügbarkeit: Lieferbar

29,80 €
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Pragmatistische Politikdidaktik

Über das Buch

Die Geschichte der Politischen Bildung in der Bundesrepublik hat Gesamtkonzeptionen hervorgebracht, deren philosophische Referenztheorien in den Jahren nach 1968 zu einer Lagerbildung geführt hatten. In der Zeit nach dem Beutelsbacher Konsens (1976), der als werthaltige Geschäftsordnung der Politischen Bildung den Richtungsstreit der nachachtundsechziger Jahre beendet hat, ereignete sich eine „Professionalisierung“, die auch mit einem Verzicht auf Theoriebildung einher gegangen ist. Walter Gagel hatte deshalb durchaus mit kritischem Unterton von einer „nachkonzeptionellen Phase“ (1994) gesprochen. Nahezu gleichzeitig hatte er andernorts den „Pragmatismus als verborgene Bezugstheorie der politischen Bildung“ (1995) identifiziert. Disparate Beiträge zum Verhältnis von Pragmatismus und Politischer Bildung rücken jedoch die Frage in den Vordergrund, ob die von Gagel so bezeichnete „verborgene Bezugstheorie“ des Pragmatismus nicht überhaupt als Begründungskonzept für die Politische Bildung tauglich erscheint. Verschiedene Anläufe, den Pragmatismus auf der Basis der Erziehungsphilosophie von John Dewey hoffähig zu machen, waren nur mäßig erfolgreich, weil Deweys Konzept normativ zu schwach ist. Erfolg versprechender erscheint dagegen der Rekurs auf den Urvater des Pragmatismus C.S. Peirce, dessen pragmatistische Erkenntnistheorie beachtliche Relevanz für ein normatives Konzept der Politischen Bildung entfaltet, zumal im Pragmatismus à la Peirce eine Aufhebung anderer Bezugstheorien gelingen kann. Noch bevor der Terminus lebendig wurde, hat Peirce mit seiner Pragmatischen Maxime den linguistic turn vollzogen. Sein Pragmatismus kann somit auch konstruktivistische Elemente integrieren. Daraus ergeben sich interessante Ansätze für eine pragmatistische Grundlegung der Politischen Bildung, deren didaktische Säulen das Prinzip der Sinnorientierung, die Politische Urteilskompetenz als Problemlösungsprozess und die Offenheit von Schule sind.

Inhaltsübersicht

Einleitung
1. Was heißt „Pragmatismus“?
2. Was muss eine „Pragmatistische Politikdidaktik“ leisten?
3. Das Spannungsverhältnis von Selbstbestimmung und normativer Bindung

TEIL I: Zur Rezeptionsgeschichte des Pragmatismus in Deutschland

1. Abwehr, Diskreditierung und Umdeutung
    1.1 Instrumentalismus, Utilitarismus, Relativismus
    1.2 Faschismus und Dezisionismus
    1.3 Kognitionsfeindlichkeit
2. Die Rezeption in der Politischen Bildung nach 1945
    2.1 Die „halbierte“ Pragmatismusrezeption bei Friedrich Oetinger
          2.1.1 Kooperation, reflektierte Erfahrung und Übung
          2.1.2 „Wahrheit“ als Ergebnis von Kooperation
          2.1.3 Reduzierter Politikbegriff
          2.1.4 „Halbierte“ Dewey-Rezeption und Reste der NS-Ideologie
    2.2 Impliziter Pragmatismus in den politikdidaktischen Konzeptionen
          2.2.1 Die zuerst „verdeckte“, dann eklektizistische Rezeption bei Hermann Giesecke
          2.2.2 Rolf Schmiederers Schülerorientierung
          2.2.3 Die versäumte Rezeption in der methodenorientierten Politikdidaktik bei Bernd Janssen
          2.2.3 Näherungen an pragmatistisches Denken bei Bernhard Sutor und Wolfgang Sander
          Exkurs 1: Der Pragmatismus der Radbruchschen Formel
          Exkurs 2: Grundannahmen des Radikalen Konstruktivismus
    2.3. Bekenntnisse zum Pragmatismus: Proklamation ohne (hinreichende) Explikation
           2.3.1 Pragmatismusbezüge in Walter Gagels Didaktik
           2.3.2 Pragmatismus in Tilmann Grammes‘ Kommunikativer Fachdidaktik
           2.3.3 Gerhard Himmelmann: Pragmatismus als Implikation des Demokratielernens

TEIL II: Der Pragmatismus als explizite Bezugstheorie

1. Der Pragmatismus als allgemein-pädagogische Theorie des Lernens und der Schule
    1.1 Deweys Begriff der Erfahrung
    1.2 Pragmati(sti)scher Lernprozess als Forschungsprozess
    1.3 Lern- und Schulkultur
    1.4 Schule und Demokratielernen als soziales Lernen
2. Der Pragmatismus als Theorie des politischen Lernens
    2.1 Von der Lebenswelt zur Politik
    2.2 Der Gebrauch der Dinge: Übertragung auf das politische Lernen
3. Der Pragmatismus als Theorie der Politischen Bildung
    3.1 Normativität und Pragmatismus I: John Dewey
    3.2 Normativität und Pragmatismus II: Charles Sanders Peirce
          3.2.1 Die Pragmatische Maxime
          3.2.2 Personalistische Implikationen der Pragmatischen Maxime
          3.2.3 Pragmatismus und Utilitarismus
          Exkurs 3: Abgrenzungen
4. Pragmatistische Normativität und Demokratielernen
    4.1 Kompetenzebenen des Demokratielernens
    4.2 Pragmatistische Begründungskonzepte
          4.2.1 Prozessualisierung des Konflikts: das Prinzip OFFENHEIT
          Exkurs 4: Pragmatistische Minimalkonsensbegründung als kriterialer Maßstab
          4.2.2 Praxisreflexion als meta-kognitive Identifizierung werthaltiger Urteilskriterien
          4.2.3 Transzendentalpragmatik: Die performative Begründung ethischer Minima
          4.2.4 Schlussfolgerungen

TEIL III: Bausteine einer pragmatistischen Politikdidaktik

1. Sinnorientierung als pragmatistisches Prinzip
    1.1 Die Suche nach Sinn als Merkmal menschlicher Praxis
    1.2 Sinnentfremdungen des politischen Lernens
          1.2.1 Probleme in der Inhaltsdimension
          1.2.2 Probleme in der Verfahrensdimension
          1.2.3 Probleme in der Ergebnisdimension
    1.3 Sinnorientierung als übergreifendes politikdidaktisches Prinzip
          1.3.1 Sinnorientierung als Pädagogisierung: Der Anspruch des Subjekts
          1.3.2 Sinnorientierung als Re-Politisierung: Der Anspruch der Sache POLITIK
          1.3.3 Sinnorientierung als Konvergenz von Lebenswelt und Politik
2. Politische Urteilsbildung als Problemlösungsprozess
    2.1 Die subjektiv-biographische Eingangssituation
    2.2 Rationalität und Urteilsbildung
          2.2.1 Kategoriale Urteilsbildung
          2.2.2 Moralische Urteilsbildung: Reflexivität und Moralität
          2.2.3 Kommunikativität der Urteilsbildung
3. Offenheit von Schule
    3.1 Inhaltliche Offenheit als Zusammenführung der Wissens- und Lernbereiche
          3.1.1 Offenheit der Lehrpläne
          3.1.2 Offenheit als partielle Entgrenzung der Fächer
    3.2 Methodische Offenheit als Zusammenführung der Wissens- und Lernformen
          3.2.1 Simulative Begegnung mit der politischen Außenwelt
          3.2.2 Reale Begegnung mit der politischen Außenwelt
    3.3 Institutionelle Offenheit von Schule als strukturelle Voraussetzung der freien Lerngemeinschaft
          3.3.1 Demokratische Schulgemeinde: Der Aspekt der Schulsystemverfassung
          3.3.2 Demokratische Schulgemeinde: Der Aspekt der Schulbetriebsverfassung
          Exkurs 5: Musische Bildung und Sport als Politische Bildung

TEIL IV: Pragmatistische Unterrichtspraxis – Die Bausteine einer pragmatistischen Politikdidaktik im Unterricht

Fall 1: Rektorin Kohler ändert das Wahlverfahren
Fall 2: Soll die NPD verboten werden?
Fall 3: Unfair im Sportunterricht – fair in der Freizeit
Fall 4: „Was wahr ist, darf man sagen!“

Literaturverzeichnis
Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen
Personenregister
Sachregister

Zu den Autoren

Dr. phil. Armin Scherb
lehrt als Professor für Didaktik der Sozialkunde an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind die Theorien der Politischen Bildung und konzeptionelle Begründungen des Demokratielernens.

Stimmen zum Buch

"Mit Blick auf aktuelle fachdidaktische Diskussionen sei besonders hervorgehoben, dass im Entwurf der "Pragmatistischen Politikdidaktik" die Kompetenzen (...) einer äußerst soliden Theorieanbindung zugeführt werden. Des Weiteren eröffnet Scherbs Publikation hinsichtlich des Themas "Umgang mit Heterogenität" (...) gehaltvolle Perspektiven.

"Es ist zu wünschen, dass dieses Werk nicht nur in Kreisen fachdidaktischer Experten Verbreitung findet, sondern ebenso von Praktikern gelesen wird, die durch die Darlegung zur Reflexion ihrer eingeschliffenen Routinen und Unterrichtsskripte motiviert werden können."

Klaus Barheier, Forum Politikunterricht 2/14


"Zentral ist die Botschaft dieses Buches, dass mit der pragmatistischen Politikdidaktik ene Metatheorie politischer Bildung existiere, die die lebensweltbezogene, subjektorientierte und konstruktivistische Richtung auf der einen Seite mit der domänenspezifischen, fachwissenschaftlichen und instruktionsorientierten Richtung auf der anderen Seite verbinden könne."

Hans-Joachm von Olberg, POLIS 2/2015

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