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Regierungssysteme

Bestellnummer: 4774
Autoren/Hrsg.: Peter Massing, Johannes Varwick (Hrsg.)
unter Mitarbeit von: Jürgen Hartmann, Eckhard Jesse, Wilhelm Knelangen, Simon Koschut, Maxime Lejeune, Werner J. Patzelt, Sven Singhofen, Andrea Szukala
Erscheinungsjahr: 2012
Auflage: 1
Seitenzahl: 192
ISBN: 978-3-89974774-4
Reihe: politische bildung
Format: Broschur

Verfügbarkeit: lieferbar

22,80 €
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Regierungssysteme

Über das Buch

Abstracts

Jürgen Hartmann: Einführung in die Vergleichende Regierungslehre
Die Vergleichende Regierungslehre kreist um den Gegenstand des Regierungssystems. Dieser Gegenstand ist an die repräsentative Demokratie gebunden. Das politische System als politikwissenschaftliches Konzept hingegen haftet weder an einer bestimmten Herrschaftsform noch beschränkt es sich darauf, allein die Institutionen des politischen Entscheidungsprozesses zu analysieren. Die Beziehungen zwischen Parlament und Regierung stehen im Zentrum der Vergleichenden Regierungslehre. Das Wissen über die Art des Regierungssystems, ob parlamentarisch, präsidentiell oder semipräsidentiell, gehört zum politikwissenschaftlichen Standard.
Comparative government is about institutions of representative democracy, whereas the study of political systems includes authoritarian regimes and the societal dimension of politics. The main subject of comparative government is executive-parliamentary relationships. Models of parliamentary, presidential and semi-presidential government are standard tools in government analysis.

Werner J. Patzelt: Parlamentarische Systeme
Was kennzeichnet ein parlamentarisches Regierungssystem? Wie entstand es? Wie funktioniert es? Wie wird es geprägt durch den nie endenden Prozess von Regierungsbildung und Regierungsunterstützung? Und wie prägt der grundlegende Antagonismus zwischen regierungstragender Mehrheit und Opposition die Erfüllung der übrigen Parlamentsfunktionen? Antworten auf diese Fragen werden gegeben und sollten zu einem besseren Verständnis dieses so besonderen Regierungssystems beitragen.
What is a parliamentary system of government? How came it into being? How does it work? How is it shaped by the continuous process of forming a cabinet and keeping it in office? And how does its basic antagonism between the cabinet supporting majority and the opposition shape the performance of the other parliamentary functions? Answers to these questions are given and might contribute to a better understanding of this particular system of government.

Simon Koschut: Präsidentielle Systeme
Die Klassifikation von Regierungssystemen ist grundlegend für das Verständnis von Herrschaft und Ordnung in der Vergleichenden Regierungslehre. Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit der Frage von Machtverteilung, Ordnung und politischer Interaktion in demokratischen präsidentiellen Regierungssystemen. Während über das Vorhandensein der institutionellen Arrangements und Rahmenbedingungen präsidentieller Systeme in der Literatur weitgehend Konsens herrscht, ist deren relative Bedeutung und Wirkungsweise nach wie vor umstritten. Der vorliegende Beitrag bietet einen Überblick über den Forschungsstand und verwendet das Regierungssystem der USA als Referenzmodell, um daraus Erkenntnisse für ein kritisches Verständnis präsidentieller Systeme ableiten zu können.
The classification of government systems is fundamental to the understanding of rule and order in comparative politics. The present article deals with the question of the distribution of power, order, and political interaction in democratic presidential systems of government. While there exists a consensus on the presence of institutional arrangements and conditions of presidential systems in the literature, their relative importance and mode of action is still controversial. This paper provides an overview of the state of the art and uses the system of government of the United States of America as a reference model in order to derive insights for a critical understanding of presidential systems.

Sven Singhofen: Demokratien mit Adjektiven, hybride Regime oder elektorale Autokratien?
Herrschaftsformen in der Grauzone zwischen Demokratie und Diktatur
Die Bestimmung und Lehre der Herrschaftsformen ist seit jeher einer der Kernbereiche der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Politik. Seit der 3. Welle der Demokratisierung, die in den 1970er Jahren einsetzte und bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion anhielt, ist die Politikwissenschaft mit dem Problem konfrontiert, dass eine große Anzahl an Ländern mit dem gebräuchlichen konzeptionellen Instrumentarium nicht eindeutig erfasst und eingeordnet werden kann. Für diese Fälle, die zwischen Demokratie und Autokratie stehen, gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Einordnungsvorschlägen. Der Beitrag gibt einen Überblick über diese politikwissenschaftlichen Instrumente zur Kategorisierung der Grauzone.
Determining the political regime of a given political system has been one of the core questions of political science. Ever since the third wave of democratization, which started in the 1970s and lasted until the end of the Soviet Union, political science was confronted with the problem that a high number of countries could not be grasped and categorized with the established instruments. For these cases between democracy and autocracy there has been an abundant number of proposals to deal with the categorization problem. The article presents an overview of the most recent developments in this field of categories concerning the gray zone.

Eckhard Jesse: Der demokratische Verfassungsstaat der Bundesrepublik Deutschland - mehr konkordanzdemokratische als konkurrenzdemokratische Elemente
Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer Verfassungsstaat - eine repräsentative Demokratie und eine parlamentarische Demokratie, die zu den funktionierenden Demokratien zählt, nicht zu den "defekten". Sie ist weder eine Konkurrenz- noch eine Konkordanzdemokratie, wobei konkordanzdemokratische Elemente immer stärker zugenommen haben ("Politikverflechtung"). Dies führt zu Reformstau und zu Blockaden. Die Zurechenbarkeit der Entscheidungen bleibt auf der Strecke. Reformen sind notwendig.
The German Federal Republic is a democratic constitutional state, particular a representative and parliamentarian democracy, a well-consolidated democracy, not a defective one. It is neither a pure consociational nor a full competitive democracy, even though consensual elements have progressively increased over time. The resulting complex political interrelationships ("Politikverflechtung") often produce blockades and reform backlogs. Above all the imputability of political decisions falls by the wayside. Reforms are needed.

Wilhelm Knelangen: Zwischen institutionellen Erbschaften und Verfassungssprung: Das Regierungssystem der Europäischen Union
Weil die EU kollektiv bindende Entscheidungen fällt, hat sich weitgehend die Ansicht durchgesetzt, die Union könne mit den gleichen Forschungsansätzen untersucht werden wie staatlich verfasste politische Systeme. Der Beitrag analysiert, ob das Regierungssystem der EU mit den klassischen Kategorien des Parlamentarismus, Präsidentialismus und Semi-Präsidentialismus angemessen erfasst werden kann. Dabei zeigt sich, dass es zwar jeweils strukturelle Gemeinsamkeiten, aber auch gravierende Unterschiede gibt, die vor allem darauf zurückzuführen sind, dass in der EU eine gemeinsame Identität und ein unionsweites Parteiensystem nur in Ansätzen existieren.
Due to the fact that the EU makes collectively binding decisions, it has become widely accepted that the Union can be analysed with the same research approaches as state-authored political systems. This article analyses whether the governmental system of the EU can be adequately examined with classical categories such as parlamentarism, presidentialism and semi-presidentialism. It becomes obvious that in spite of structural similarities, there are also major differences which can be mainly ascribed to the circumstances that a common identity and a union-wide party system exist only rudimentarily.

Maxime Lejeune: Das Europäische Parlament nach dem Vertrag von Lissabon - Volksvertretung auf institutioneller Augenhöhe? Eine Unterrichtseinheit zum Thema EU für die Sekundarstufe II
Bedeutung und Einfluss europäischen Regierens haben im Zuge der fortschreitenden europäischen Integration in der Vergangenheit kontinuierlich zugenommen. Zugleich lässt sich in der Unionsbevölkerung ein evidentes Informationsdefizit bezüglich der Funktionen, Aufgaben und Arbeitsweisen der Institutionen der Europäischen Union feststellen. Mehr als jede andere EU-Institution hat das Europäische Parlament seit seiner Entstehung eine sukzessive Kompetenzerweiterung und einen institutionellen Bedeutungszuwachs erfahren. Dieser Trend setzt sich auch mit dem Vertrag von Lissabon fort. Die Bewertung der Rolle des Europäischen Parlaments als Akteur im politischen System der EU fällt hingegen weiterhin uneinheitlich aus. Der Beitrag befasst sich mit der Stellung und den Funktionen des Europäischen Parlaments im Institutionengefüge der Europäischen Union nach Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon.
The importance and influence of European governance have increased continuously in the course of European integration. At the same time, citizens of the EU have little knowledge about the role, the functions and the functioning of EU institutions. More than any other European institution, the European Parliament has, since its foundation, experienced an increase in importance and a gradual extension of competence. This trend continues with the Treaty of Lisbon. The evaluation of the role of the European Parliament as an actor in the political system of the EU, however, is still ambiguous. The teaching unit explores the role and functions of the European Parliament in the institutional structure of the European Union after the Treaty of Lisbon

Inhaltsübersicht

Peter Massing/Johannes Varwick: Einleitung

Jürgen Hartmann: Einführung in die Vergleichende Regierungslehre
1. Das Regierungssystem - eine Begriffsklärung
2. Politisches System und Regierungssystem
3. Parlamentarismus - Kern des Regierungssystems
4. Typologie der Regierungssysteme
5. Hinter dem Horizont der Vergleichenden Regierungslehre - Mehrheitsdemokratie und Konsensdemokratie
6. Die Europäische Union - ein Regierungssystem?
7. Regime und Systemtransformation
8. Fazit

Werner J. Patzelt: Parlamentarische System
1. Woran erkennt man ein ‚parlamentarisches Regierungssystem‘?
2. Parlamentarismus und parlamentarisches Regierungssystem
3. Entstehungswege des parlamentarischen Regierungssystems
4. Regierungsbildung als Prozess: der Kern des parlamentarischen Regierungssystems
5. Der "neue Dualismus" und die parlamentarische Opposition
6. Fraktionsdisziplin und die allgemeinen Parlamentsfunktionen
7. Das allzu wenig bekannte Regierungssystem

Simon Koschut: Präsidentielle System
1. Einleitung
2. Grundmerkmale präsidentieller Systeme
3. Die USA als Referenzmodel präsidentieller Systeme
4. Kritik am präsidentiellen System
5. Fazit

Eckhard Jesse: Der demokratische Verfassungsstaat der Bundesrepublik Deutschland - mehr konkordanzdemokratische als konkurrenzdemokratische Elemente
1. Einleitende Überlegungen
2. Was ist ein demokratischer Verfassungsstaat?
3. Die Bundesrepublik Deutschland als repräsentative, als parlamentarische, als funktionsfähige Demokratie
4. Was ist Konkordanz-, was Konkurrenzdemokratie?
5. Die BRD zwischen Konkurrenz- und Konkordanzdemokratie
6. Abschließende Überlegungen

Wilhelm Knelangen: Zwischen institutionellen Erbschaften und Verfassungssprung: Das Regierungssystem der Europäischen Union
1. Die EU - ein Fall für die Vergleichende Regierungslehre?
2. Von der Montanunion bis Lissabon: Entwicklungspfade des Regierungssystems
3. Gewaltenverschränkung: Legislative, Exekutive und Judikative in der EU
4. Parlamentarisch, präsidentiell, semi-präsidentiell - oder etwas ganz anderes?
5. Vorm Verfassungssprung? Die Euro-Krise und die Vorschläge zur institutionellen Reform

Unterrichtspraxis
Maxime Lejeune: Das Europäische Parlament nach dem Vertrag von Lissabon - Volksvertretung auf institutioneller Augenhöhe?
Eine Unterrichtseinheit zum Thema EU für die Sekundarstufe II

Buchbesprechungen, u.a. Sammelrezension zum Thema Regierungssysteme

Forum
Andrea Szukala: Von der Regierungslehre zur Demokratieforschung. Perspektiven für die didaktische Transformation von neueren Fachkonzepten der politischen Bildung

Das aktuelle Thema
Gotthard Breit: Die Piratenpartei

Tagungsberichte

Zu den Autoren

Dr. Gotthard Breit
Emeritierter Professor für Politikwissenschaft und ihre Didaktik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg; Gerstäckerstr. 13, 38102 Braunschweig

Dr. Jürgen Hartmann
Prof. em. an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg, Holstenhofweg 85, 22043 Hamburg

Dr. Eckhard Jesse
Professor für Politikwissenschaft an der TU Chemnitz, Straße der Nationen 62, 09107 Chemnitz

Dr. Wilhelm Knelangen
Akademischer Rat am Institut für Sozialwissenschaften, Bereich Politikwissenschaft, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Westring 400, 24118 Kiel

Dr. Simon Koschut
Akademischer Rat am Lehrstuhl für Auslandswissenschaften/International Studies der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Findelgasse 7-9, 90402 Nürnberg

Maxime Lejeune
Studienreferendar am Droste-Hülshoff-Gymnasium in Berlin

Dr. Werner J. Patzelt
Prof. für Politikwissenschaft, Lehrstuhl für Politische Systeme und Systemvergleich, am Institut für Politikwissenschaft der Technischen Universität Dresden, 01062 Dresden

Dr. Sven Singhofen
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialwissenschaften (Fachbereich Politikwissenschaft) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Olshausenstr. 40, 24098 Kiel

Dr. Andrea Szukala
Lehrerin im Hochschuldienst, Fakultät für Soziologie, Universität Bielefeld, PF 100131, 33501 Bielefeld