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Gespaltene Gesellschaften

geschichte für heute 4/2018

Bestellnummer: gfh4_18 (Print) / 40729 (PDF)
Autoren/Hrsg.: Bundesverband der Geschichtslehrer in Deutschland und Landesverbände
unter Mitarbeit von: Markus Bernhardt, Lutz Häfner, Jürgen Kocka, Herfried Münkler, Eva Schlotheuber
Erscheinungsjahr: 2018
Seitenzahl: 144
ISBN: gfh4_18 (Print) / 978-3-7344-0729-1 (PDF)
Reihe: geschichte für heute
Neuheiten: Neuerscheinung

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Gespaltene Gesellschaften

Über das Buch

Abstracts

Jürgen Kocka: Gespaltene Gesellschaft? Die gegenwärtige Krise in historischer Perspektive
Mit der Chiffre der „gespaltenen Gesellschaft“ wird die Wahrnehmung einer komplexen, teils widersprüchlichen Krisenhaftigkeit angezeigt, die Veränderungen in der Arbeitswelt, wachsende soziale Ungleichheit, vielfältige Zukunftsängste, Flucht- und Migrationsphänomene, politische Instabilität durch populistische Bewegungen und auf internationaler Ebene neuen Protektionismus bei gleichzeitigen Globalisierungsschüben bündelt. Seit dem 19. Jahrhundert hat der „organisierte Kapitalismus“ in Westeuropa den Sozialstaat tief verankert und ausgeweitet, während die gegenwärtige Globalisierung alle erreichten Standards in Frage stellt. Eine Folge davon ist die durch die Migrationskrise genährte antiliberale Systemkritik rechtspopulistischer Kräfte, die sich gegen die etablierten „Eliten“ wendet, die der liberalen Ordnung verhaftet sind. Bisher war diese Ordnung international lange durch den Einfluss der USA stabil gehalten worden, doch mit dem Schwinden ihrer politisch-kulturellen Macht wird Europa mehr auf sich selbst gestellt. Gleichzeitig erhöht die globale Digitalisierung über z. B. die „sozialen Medien“ politische Beteiligungschancen vieler Individuen, die sich in einer schärferen Kritik an der liberalen Ordnung und repräsentativen Demokratie äußert, und erzeugt einen neuen Strukturwandel der  Öffentlichkeit, in der illiberale Alternativen an Attraktivität gewinnen. Doch im historischen Vergleich relativiert sich die Krisenhaftigkeit der Gegenwart und öffnet den Blick auf den hohen Grad von Konsens und auf gegenläufige Entwicklungen, die immer noch in der deutschen Gesellschaft zu entdecken sind. Daher ist es am Ende nicht eindeutig, dass wir in einer „gespaltenen Gesellschaft“ leben.

Herfried Münkler: Gespaltene Gesellschaften
Geteilte Gesellschaften, in denen viele Trennlinien zwischen unterschiedlichen Parteien und Gruppen vorliegen, können ihren friedlichen Zustand des Zusammenlebens verlassen und gespaltene Gesellschaften werden, in denen zwei Gruppen sich antagonistisch bekämpfen. Liberale Gesellschaften haben eine hohe Geteiltsheitstoleranz. Gegenwärtig dramatisieren Gruppen die Migrationssituation und verlieren sich nostalgisch in einer Vorstellung einer homogenen Gemeinschaft, die es historisch nie gegeben hat. Spaltung beginnt in den Köpfen der Beobachter. An drei Beispielen veranschaulicht Herfried Münkler diese Beobachtung: An der Vor- und Verlaufsgeschichte des Dreißigjährigen Kriegs, am Kommunistischen Manifest und an den Vorstellungen der „Neuen Rechten“, die mittels Spaltung der Gesellschaft gegenwärtig zu einer gedachten ethnisch-kulturellen Homogenität zurückkehren will.

Markus Bernhardt: Neue Ideen zur Bildanalyse im Geschichtsunterricht der Mittelstufe
Bilder sind, um ihr Lernpotenzial zu entfalten, als Quelle zu behandeln. Vom dekorativen Einsatz ist abzusehen, denn Bilder zeigen nicht die Wirklichkeit, sondern sie sind eine Aussage über sie. Zur Erschließung der Bildaussage stellt die Geschichtsdidaktik Methoden zur Verfügung, doch die Zuordnung dieser Methoden zu bestimmten Verstehensprozessen ist noch ohne theoretische Absicherung. Elemente dieser Annahmen sind dabei sinnvoll, weil sie mit einem von der kognitiven
Psychologie entwickelten Verstehensmodell korrespondieren. Damit besteht eine theoretische Legitimation der Methoden. Die Folgen der Überlegungen für den Geschichtsunterricht liegen in der Schulung der Wahrnehmung und in einer Ausweitung der Hintergrundinformationen.

Inhaltsübersicht

Editorial
10 Jahre Verbandszeitschrift geschichte für heute

Gespaltene Gesellschaften

Interview mit Eva Schlotheuber,
der Vorsitzenden des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands

Jürgen Kocka: Gespaltene Gesellschaft?
Die gegenwärtige Krise in historischer Perspektive

Herfried Münkler: Gespaltene Gesellschaften –
Betrachtungen zum Dreißigjährigen Krieg, zum Kommunistischen Manifest und zum aktuellen Populismus


Impulse für den Geschichtsunterricht

Markus Bernhardt: Neue Ideen zur Bildanalyse im Geschichtsunterricht der Mittelstufe

Lutz Häfner: Aurora“ oder „letzte Tage der Menschheit“?
Hundert Jahre Russische Revolution – ein Überblick über neuere Publikationen


Szene

Martin Stupperich: Europäischer Geschichtsunterricht.
Doppelte Buchvorstellung in Frankfurt am Main und Marseille

Ulrich Schnakenberg: Mediterranean Dialogues – ein Tagungsbericht

Ulrich Bongertmann: Neuer Euroclio-Präsident Miro Mladenovski aus Mazedonien

Niko Lamprecht: Neues Material zum Karl-Marx-Jahr:
Marx2018@school – Projekt der Friedrich-Ebert-Stiftung mit dem VGD


Geschichte vor Ort – außerschulische Lernorte und Projekte

Geschichte hautnah erleben: history360° beim ZDF


Buchbesprechungen
aus Fachwissenschaft und Fachdidaktik

Leitrezension:
Von Wittenberg in die Welt und zurück. Heinz Schillings globaler Blick auf das Jahr 1517 (von Antje Flüchter)

Zu den Autoren

Prof. Dr. Markus Bernhardt
geb. 1959, Professor für Didaktik der Geschichte an der Universität Duisburg-Essen seit 2011. Nach mehrjähriger Lehrertätigkeit Habilitation in Kassel 2007, Autor zahlreicher unterrichtspraktischer Beiträge, Forschungstätigkeit u.a. zur Bildwahrnehmung von Lernenden

Prof. Dr. Lutz Häfner
geb. 1960, apl. Professor an der Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie im Arbeitsbereich Osteuropäische Geschichte der Universität Bielefeld. Forschungsschwerpunkte: Russische Geschichte des 18. bis 20. Jahrhundert, die Geschichte der russischen Revolutionen 1905, 1917 unter besonderer Berücksichtigung der politischen Gewalt und des Terrorismus

Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Jürgen Kocka
geb. 1941, em. Professor für die Geschichte der industriellen Welt an der Humboldt-Universität zu Berlin, von 1972 bis 1988 an der Universität Bielefeld, einer der bekanntesten deutschen Historiker

Prof. Dr. Herfried Münkler
geb. 1951, Professor für Theorie der Politik an der Humboldt-Universität zu Berlin seit 1992 und einer der profiliertesten öffentlichen Intellektuellen Deutschlands

Prof. Dr. Eva Schlotheuber
geb. 1959, Professorin für Mittelalterliche Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf seit 2010, Mitglied der Zentraldirektion der MGH, seit 2016 Vorsitzende des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands

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