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Wutbürger

Politikum 2/2017

Bestellnummer: Pk2_17 (Print) / 40472 (PDF)
Autoren/Hrsg.: Peter Massing (Hrsg.)
unter Mitarbeit von: Nils Bandelow, Anja Besand, Robert Feustel, Hajo Funke, Alexander Häusler, Carsten Koschmieder, Beate Küpper, Werner Patzelt, Colette Vogeler
Erscheinungsjahr: 2017
Seitenzahl: 88
ISBN: Pk2_17 (Print) / 978-3-7344-0472-6 (PDF)
Reihe: Politikum
Neuheiten: Neuerscheinung

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Wutbürger

Über das Buch

„Wutbürger“ war das Wort des Jahres 2010. „Erfunden“ hatte es der Spiegel-Redakteur Dirk Kurbjuweit. Bezogen auf Stuttgart 21 und die Sarrazin-Debatte schrieb Kurbjuweit im Oktober 2010 in einem Spiegel-Essay: „Eine Gestalt macht sich wichtig in der deutschen Gesellschaft, das ist der Wutbürger. Er bricht mit der bürgerlichen Tradition, dass zur politischen Mitte auch eine innere Mitte gehört, also Gelassenheit, Contenance. Der Wutbürger buht, schreit, hasst. Er ist konservativ, wohlhabend und nicht mehr jung. Früher war er staatstragend, jetzt ist er zutiefst empört über die Politiker.“ Die Gesellschaft für deutsche Sprache sah das Wort als Ausdruck für die Empörung der Bevölkerung, „dass politische Entscheidungen über ihren Kopf getroffen werden“.

Mittlerweile gehört der Begriff zur politischen und medialen Diskussion in Deutschland. Doch hat man mehr und anderes im Sinn, wenn vom „Wutbürger“ gesprochen wird. Einerseits hat sich seine Bedeutung ausgeweitet, andererseits verengt. Ausgeweitet hat er sich in drei Richtungen:

1. Der Wutbürger richtet seine Empörung nicht mehr nur gegen Politiker, sondern gegen alle sogenannte Eliten in der Gesellschaft: neben Politikern sind dies u. a. Medienvertreter und Wissenschaftler. Seine Wut richtet sich aber auch gegen Minderheiten wie Migranten, insbesondere Moslems, Behinderte, Homosexuelle usw.
2. Der „Wutbürger“ repräsentiert die Spitze eines Prozesses, der als „zunehmende Erhitzung des emotionalen Klimas“ (Dorothea Franck) beschrieben werden kann und mit dem ein Verfall kooperativer Umgangsformen, Wellen der Feindseligkeit, der Aufhetzung, des Hasses sowie eine Verrohung der Sprache einhergehen.
3. Mit dem Wutbürger werden auch diffuse Ängste und Sorgen, Gefühle des Übergangen- und Abgehängtseins verbunden.

Verengt hat sich der Begriff, in dem er heute fast nur noch im Zusammenhang mit rechtspopulistischen Bewegungen und Parteien wie Pegida und AfD verwendet wird.

In welchem Ausmaß der Wutbürger und die mit ihm verbundene Wut, die Angst und die Sorgen, die diffuse Empörung und der Hass den aktuellen politischen und medialen Diskurs dominieren, wie stark unsere Sprache und Kommunikation davon geprägt wird, ob darin eine gefährliche Erosion des sozialen Zusammenhaltes liegt, zu welchen politischen Zwecken sie instrumentalisiert werden können, inwieweit sie unser Parteiensystem verändert haben und welche Gefahren davon für die Demokratie ausgehen, wird in dieser Ausgabe von thematisiert, analysiert und kontrovers diskutiert.

Inhaltsübersicht

 

 

Schwerpunkt
Warum eskalieren Protestbewegungen?
Der Widerstand gegen Stuttgart 21 gilt als die Geburts-
stunde des „Wutbürgers“. An diesem Beispiel lassen
sich die Ursachen zunehmender Protestbereitschaft
der bürgerlichen Mitte analysieren und erklären.

 

Schwerpunkt
Wut, Verachtung, Abwertung
Welche Einstellungen haben die Menschen, die ihre Wut,
ihre Verachtung und ihren Hass gegen gesellschaftliche
Eliten ebenso richten wie gegen Minderheiten? Welches
Ausmaß haben diese Einstellungen und wie lassen sie
sich erklären?

 

Interview
Die Sprache des „besorgten Bürgers“
Ist der „besorgte Bürger“ mit berechtigtem Anliegen
eine Verharmlosung des Wutbürgers? Welche Bedeu-
tung hat Sprache in diesem Zusammenhang? Welche
Begriff e nutzen Pegida, AfD & Co. und was bedeuten sie?

 

Schwerpunkt
Die AfD – Partei des rechten Wutbürgertums
Die AFD ist mehr als eine rechtspopulistische Partei.
Sie hat sich zunehmend zu einem rechten Sammel-
becken entwickelt. Vom Bund freier Bürger (BFB) über
die Schill-Partei bis zur Partei Die Freiheit (DF) haben
hier ehemalige Rechtspopulisten eine neue Heimat
gefunden.

 

 

 

 

 

 

 

Schwerpunkt
Wut oder Angst? Warum die AfD gewählt wird
Sind für den Aufstieg der AfD und damit für die Ver-
änderung des deutschen Parteiensystems allein die
Wutbürger verantwortlich oder sprechen ihre Erfolge
in den letzten Landtagswahlen eine andere Sprache?

 

 

 

Pro & Contra
Wutbürger – Gefahr für die Demokratie?
Ob die Demokratie durch Wutbürger und Rechtspopu-
lismus in Gefahr ist, wird kontrovers diskutiert. Zwei
Positionen stellen wir vor.

 

 

Forum
Rechtspopulismus und politische Bildung
Ist politische Bildung die richtige Therapie gegen den
erstarkenden Rechtsextremismus in Deutschland? Ver-
fügt sie über wirksame Angebote und an wen richten
sich diese? Brauchen wir eine andere politische Bildung
oder brauchen wir einfach nur mehr politische Bildung?

 

 

Forum
Kein NPD-Verbot
Das Bundesverfassungsgericht hat zum zweiten Mal
ein Verbot der NPD abgelehnt. Was bedeutet das für
die „streitbare Demokratie“ und welche Folgen hat
das Urteil?

 



Wutbürger

Nils C. Bandelow und Colette S. Vogeler
Warum eskalieren Protestbewegungen?   4

Beate Küpper
Wut, Verachtung, Abwertung.
Wutbürger und ihre Angst vor Statusverlust    14

Interview mit Robert Feustel
Die Sprache des „besorgten Bürgers“    24

Alexander Häusler
Die AfD: Eine Partei des
rechten Wutbürgertums    32

Carsten Koschmieder
Wut oder Angst?
Warum die AfD gewählt wird    42

 


Pro & Contra

Bringen Wutbürger die Demokratie in Gefahr?

Die Gefährdung ist nicht mehr
zu leugnen von Hajo Funke    51

Die Selbstheilungskräfte
der Demokratie von Werner J. Patzelt    56

 


Forum

Anja Besand
Therapeutische Zuwendung oder
strategische Abwendung?
Rechtspopulismus und politische Bildung    62

Eckhard Jesse
Der liberale Rechtsstaat hat gesiegt.
Kein Verbot der rechtsextremistischen NPD    72

 


Rezensionen

Bücher zum Thema    76

Das besondere Buch    83

Bücher für den Politikunterricht    86

Literaturtipps    87

Zu den Autoren

Prof. Dr. Nils C. Bandelow
ist Professor für Politikwissenschaft an der TU Braunschweig.

Prof. Dr. Anja Besand
ist Professorin für die Didaktik der politischen Bildung an der Technischen Universität Dresden.

Dr. Robert Feustel
ist Mitautor des „Wörterbuch des besorgten Bürgers“.

Prof. Dr. Hajo Funke
ist emeritierter Professor für Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin.

Alexander Häusler
ist Sozialwissenschaftler und Mitarbeiter des Forschungsschwerpunktes Rechtsextremismus/Neonazismus (www.forena.de) der Hochschule Düsseldorf.

Prof. Dr. Eckhard Jesse
ist emeritierter Politikwissenschaftler an der TU Chemnitz und Herausgeber des Jahrbuches Extremismus & Demokratie seit 1989. Er war Sachverständiger beim Verbotsprozess gegen die NPD im März 2016.

Dr. Carsten Koschmieder
ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin.

Prof. Dr. Beate Küpper,
Dipl.-Psych. ist Professorin für Soziale Arbeit in Gruppen und Konfliktsituationen an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. Sie ist Redaktionsmitglied der Zeitschrift „Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit“ und Koautorin der FES-Mitte-Studie 2016.

Prof. Dr. Werner J. Patzelt
ist Professor für Politikwissenschaft, Lehrstuhl für Politische Systeme und Systemvergleich, an der TU Dresden.

Dr. Colette S. Vogeler
ist Post-Doc im Fach Politikwissenschaft an der TU Braunschweig.

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