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Unzufriedene Demokraten – radikalisierte Überzeugungen

Journal für politische Bildung 4/2015

Bestellnummer: jpb4_15 (Print) / 40314 (PDF)
unter Mitarbeit von: Alice Blum, Michael Görtler, Judy Korn, Stine Marg, Thomas Mücke, Werner Prinzjakowitsch, Simon Teune
Erscheinungsjahr: 2015
Auflage: 1. Auflage 2015
Seitenzahl: 104
ISBN: jpb4_15 (Print) / 978-3-7344-0314-9 (PDF)
Reihe: Journal für politische Bildung

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Unzufriedene Demokraten

Über das Buch

Im Sommer 2015 eilt die extreme und populistische Rechte – so scheint es – in Deutschland von Erfolg zu Erfolg. Beinahe täglich brennen Geflüchtetenunterkünfte,
und es beruht lediglich auf glücklichen Umständen, dass noch keine Menschen zu Tode gekommen sind. Die „Asylproblematik“ wird im etablierten politischen Lager
auch weit links der C-Parteien diskutiert und kommt in seiner Undifferenziertheit einer Kapitulation des Staates gleich. Der größte Sieg der Rechtsextremen ist (bisher) allerdings ein rhetorisch-diskursiver: Der „Asylkritiker“ ist weitgehend kommentarlos in die Berichterstattung deutscher Medien sowie in den politischen und
öffentlichen Diskurs eingezogen und wird eine bleibende Folgeerscheinung von PEGIDA sein.

Dazu bemerkte David Hugendick so treffend in der ZEIT: „Es sind die Wochen der ‚Asphaltdeutschen‘ (Horvath), die aber offenbar nicht mehr so genannt werden sollen, auch nicht mehr Ausländerfeinde, im Zweifel nicht einmal mehr Neonazis. Mittlerweile sind für diesen Mob, der da seine Ressentiments durch die Straßen trägt, die Wörter ‚Asylkritiker‘ oder ‚Asylgegner‘ üblich geworden – Begriffe, die sich diese Gruppen selbst zueignen […]. Inzwischen übernehmen einige Medien diese Wörter, ohne sich nähere Gedanken zu machen, was und vor allem welcher Gesinnung hier nachgeplappert wird. Der ‚Asylkritiker‘ reiht sich ein ins krypto-totalitäre
Vokabelheft, wo schon der ‚gesunde Menschenverstand‘ steht, der ‚besorgte Bürger‘, der ‚Islamkritiker‘ und die ‚schweigende Mehrheit‘. Ein ganzes Bestiarium des Volksempfindens.“

Die Etablierung des ‚Asylkritikers‘ im öffentlichen Diskurs ist der vielerorts gelungene Versuch, Ausländerfeindlichkeit und Rassismus zur legitimen Diskursposition zu erheben und die zugehörige Ideologie salonfähig zu machen. Medien, Politik und Öffentlichkeit adaptieren mit dem Vokabular nicht nur deren Logik, sondern
auch die Vorstellung, man müsste einen Dialog über ein im Grundgesetz festgeschriebenes Recht führen und die „Sorgen“ dieser Leute ernst nehmen. Plötzlich klingt alles nach einer Meinungsverschiedenheit zwischen politisch engagierten und zivilisierten Bürgern, zwischen Kritikern und Befürwortern, als ginge es hier um
Initiativen, die sich um einen neuen Bahnhof streiten oder über ein Freihandelsabkommen.

Als ginge es bloß um einen Austausch von Meinungen, und nicht um etwas, das keine Verhandlungssache ist, sondern ein Grundrecht. Wenn der im Sommer 2015 überbordende Rassismus tatsächlich von „Asylkritikern“ zu verantworten ist, dann wurden, diesem Euphemismus folgend, im Nationalsozialismus die Bücherverbrennungen offenbar von „Literaturkritikern“ durchgeführt.

Inhaltsübersicht

Editorial

SchwerPunkt
UNZUFRIEDENE DEMOKRATEN – RADIKALISIERTE ÜBERZEUGUNGEN

Simon Teune
Verstärkt, verdammt und verstanden
Über den öffentlichen Umgang mit PEGIDA

Stine Marg
Über wütende Bahnhofsgegner und selbsternannte Patrioten
Ist der Protestbürger eine Gefahr für die Demokratie?

Judy Korn, Thomas Mücke
Pädagogisch-bildender Ansatz zur Deradikalisierung im Phänomenbereich des religiös begründeten Extremismus

Michael Görtler
Unzufriedene Demokraten und Radikalisierung als Herausforderung für die politische Bildung

MitDenken

Alice Blum
Neue Rechte als Herausforderung für politische (Jugend-)Bildungsarbeit am Beispiel der Identitären Bewegung in Deutschland

ÜberGrenzen

Werner Prinzjakowitsch
Politische Bildung in der Offenen Jugendarbeit in Österreich

LeseZeichen

Wutbürger von rechts / Soziales Lernen – eine Chance für die politische Bildung / Soziale Ungleichheit / Der verstümmelte Körper als Zukunft der Welt

VorGänge

Schlaglicht „Linksextremismus“ / Links-Rechts Reloaded – Zur wissenschaftlichen Wiederentdeckung des „Linksextremismus“ / Jeder Sechste ein Linksextremist auf der Einstellungsebene? / Fremdgesteuertes Demokratielernen? / Studentische Politikberatung: Policy Lab / Kompetenz zum Widerstand – eine vernachlässigte Bildungsaufgabe?

AugenMerk

Kritisch-emanzipatorische politische Bildung: Frankfurter Erklärung / Otto Brenner Stiftung: Studie zur „Querfront“ / DGfE: 25. Kongress in Kassel / FES: Open Educational Resources / Transferstelle: Jahrestagung / Personen & Organisationen / Veranstaltungen

Zu den Autoren

Alice Blum studiert und lehrt am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt University of Applied Sciences. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Kritische Soziale Arbeit, Rechtsextremismus und Intersektionalität.

Michael Görtler ist Bildungs- und Sozialwissenschaftler, freier Referent für politische Bildung und Lehrbeauftragter für Didaktik der politischen Bildung an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg sowie der Universität Bayreuth.

Judy Korn, Dipl. Erziehungswissenschaftlerin, war 2007 Ashoka Fellow und ist Gründerin und Geschäftsführerin von Violence Prevention Network e. V.

Dr. Stine Marg hat Politikwissenschaft und Mittlere und Neuere Geschichte studiert und wurde über das Thema Politikwahrnehmung der gesellschaftlichen Mitte promoviert. Sie ist Mitarbeiterin am Göttinger Institut für Demokratieforschung und Mitherausgeberin der BP-Gesellschaftsstudie.

Thomas Mücke, Dipl. Politologe und Dipl. Erziehungswissenschaftler, ist Gründer und Geschäftsführer von Violence Prevention Network e. V.

Werner Prinzjakowitsch, DSA, MSc, ist Pädagogischer Bereichsleiter im Verein Wiener Jugendzentren mit den Schwerpunkten Partizipation/Politische Bildung,
Diversität-Integration-Inklusion und Internationales.

Dr. Simon Teune forscht als Soziologe zu Protesten und sozialen Bewegungen. Er ist Sprecher des Arbeitskreises soziale Bewegungen in der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) und Mitbegründer des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung.

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