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Menschenrechte und Sport

zfmr 2/2016

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Menschenrechte und Sport

Über das Buch

Sportliche Großereignisse sind bis heute eine Riesenspektakel. Hinter den Mega-Events stehen undurchsichtige Funktionärswelten und gigantische Sport-, Medien- und Werbeindustrien, die sich gegebenenfalls auch von Autokraten vereinnahmen lassen und nicht frei sind von Manipulationen. Damit ist ein erster Einstieg in das Thema „Menschenrechte und Sport“ gegeben, das breit gefächert ist und weit über sportliche Mega-Events hinausgeht. Nur einige Ausschnitte davon konnten in dem vorliegenden Schwerpunkt der zeitschrift für menschenrechte bearbeitet werden:

Der Sportpädagoge und -historiker Michael Krüger untersucht, wie Bewegung, Gymnastik, Turnen, Spiel und Sport einerseits zu einem Symbol der Hoffnung für Freiheit wurden, und wie sich andererseits neue Zwänge und Abhängigkeiten im Sport und durch den Sport entwickelten. Der Jurist Jonas Burgheim zeigt auf, wie in internationalen Politikarenen inzwischen Bezüge zwischen Sport und Menschenrechten hergestellt werden. Nadine Scharfenort fragt vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Rolle der Frauen in der arabischen Golfregion danach, inwieweit diese am Breiten- und Leistungssport in den dortigen Ländern teilnehmen können. Die Politikwissenschaftlerin Leonie Holthaus legt dar, dass Katar, der Ausrichter der Fußballweltmeisterschaft 2022, ebenso wie andere Staaten der Region, Menschenrechte von GastarbeiterInnen entweder nicht anerkennt oder nicht wirksam umsetzt. Stattdessen befördert das im nationalen Recht verankerte und weithin praktizierte Kafala-System Zwangsarbeit und Menschenhandel. Der Pädagoge Florian Kiuppis betrachtet Sport aus Sicht der Behindertenrechtskonvention, während Marianne Meier, Jonas Schubert und Jens Kunischeski – allesamt MitarbeiterInnen von Terre des Hommes – Kinderrechte im Sportkontext verorten. Die Historikerin Dorothee Weitbrecht stellt dar, wie während der Fußballweltmeisterschaft 1978 in Argentinien unzählige Menschen, darunter auch deutsche Staatsangehörige, in den Kerkern der Diktatur gefoltert und ermordet wurden. Sie fragt nach der Verantwortung des Deutschen Fußballbundes, der das von der argentinischen Militärjunta inszenierte Spektakel mitspielte.

Auch die beiden Interviews in unserem „Hintergrund“ beschäftigen sich mit dem Sport: Die ehemalige Leistungssportlerin der DDR, Ines Geipel, findet klare Worte zum Staatsdoping, verbunden mit einer scharfen Kritik an dem System des Hochleistungssports und der Politik, die dieses fördert. Christian Schirmer befragte den Strafrechtler und FIFA-Experten Markus Pieth sowie Larissa Wyss zum Thema FIFA und Menschenrechte.

Komplementiert wird die Heftnummer durch einen Diskussionsbeitrag von Sebastian Knell, der ein Modell der Menschenwürde entwirft und es zu grundlegenden Rechten ins Verhältnis setzt. Der Politikwissenschaftler Theodor Rathgeber berichtet in der abschließenden Tour d‘horizon vom Verhalten einzelner Staaten im UN-Menschenrechtsrat, den er für das bundesweite Netzwerk „Forum Menschenrechte“ in Genf beobachtet.

Inhaltsübersicht

Menschenrechte und Sport

Michael Krüger
Turnen und Sport zwischen Menschenrecht, Freiheit und Zwang – ein Essay aus historisch-sportpädagogischer Perspektive 

Jonas Burgheim
Human Rights and Sport in the International Policy Arena  

Nadine Scharfenort
Gleichberechtigung, Freiheit, Selbstbestimmung? – Partizipation von Frauen im Sport in der arabischen Golfregion 

Leonie Holthaus
Zur Debatte über die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 und moderne Sklaverei
Zwangsarbeit in Katar und anderen Golf-Kooperationsrats-Staaten

Florian Kiuppis
Sport im Lichte der UN-Behindertenrechtskonvention

Marianne Meier, Jonas Schubert und Jens Kunischeski
Kinderrechte im Sportkontext

Hintergrund

Dorothee Weitbrecht
Die Fußballweltmeisterschaft 1978 in Argentinien: ein Sündenfall

Sebastian Knell
Menschenwürde als normative Autorität und das Verhältnis von Würde und elementaren Rechten
Ein Diskussionsvorschlag zu einem umstrittenen Begriff 

Forum

Das Spiel ist tot, mausetot
Ein Gespräch mit der ehemaligen Leistungssportlerin Ines Geipel

FIFA und die Menschenrechte
Ein Interview mit Mark Pieth und Larissa Wyss

Tour d' Horizon

Theodor Rathgeber
Im Schatten des UN Menschenrechtsrates. Erwartungen an die Mitgliedstaaten

Buchbesprechungen

Zu den Autoren

Jonas Burgheim,
Europa- und Völkerrechtler (LL.B., LL.M.), arbeitet(e) im United Nations Office on Sport for Development and Peace (UNOSDP) sowie gegenwärtig im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Im Rahmen seines Consulting-Projektes Sport Cares/PolitiCares
(www.sportcares.org) hat er als unabhängiger Politikberater den Beitrag verfasst.

Ines Geipel
war Leistungssportlerin in der DDR. Seit 1996 ist sie Schriftstellerin und Publizistin, seit 2001 lehrt sie als Professorin für Deutsche Verssprache an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin.

Leonie Holthaus
studierte Politikwissenschaft in Marburg und Sharjah (Vereinigte Arabische Emirate). Seit 2010 ist sie Mitglied des Exzellenzclusters „Die Formatierung normativer Ordnungen“ und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Darmstadt.

Dr. Florian Kiuppis
ist Associate Professor für Inklusive Pädagogik und stellvertretender Direktor des DoktorandInnenprogramms „Research Centre for Child and Youth Competence Development” an der Abteilung für Pädagogik und Sozialstudien, Lillehammer University College (Norwegen).

Sebastian Knell
lehrt und forscht am Institut für Wissenschaft und Ethik der Universität Bonn. Zuletzt erschien von ihm beim Suhrkamp Verlag die Monographie „Die Eroberung der Zeit“.

Prof. Dr. Michael Krüger
ist seit 1999 Professor für Sportwissenschaft mit den Schwerpunkten Sportpädagogik und Sportgeschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster.

Jens Kunischewski
ist Lateinamerikareferent in der Programmkoordination von terre des hommes Deutschland und Mitglied des internationalen Kampagnenteams von Children Win.

Dr. Marianne Meier
ist in der internationalen Kampagne Children Win von Terre des Hommes für den Bereich Forschung und evidence building zuständig.

Prof. Dr. Dr. h.c. Mark Pieth
ist Ordinarius für Strafrecht und Kriminologie an der Universität Basel sowie Vorsitzender des Basel Institute on Governance. Er ist ehemaliger Präsident der OECD Working Group on Bribery. Von 2011-2013 war er Vorsitzender der unabhängigen Kommission für Governance bei der FIFA und begleitete die damals in Gang gesetzte Reform.

Jonas Schubert
ist Referent für Kinderrechte bei terre des hommes Deutschland und vertritt die Kinderrechtsorganisation im bundesweiten Netzwerk „Forum Menschenrechte“.

Dr. Theodor Rathgeber
ist freiberuflicher Politikwissenschaftler und unter anderem seit 2003 als Beobachter des „Forum Menschenrechte“ für die UN-Menschenrechtskommission und den UN-Menschenrechtsrat in Genf tätig.

Dr. Nadine Scharfenort
ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Geographischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und hat zahlreiche Forschungsaufenthalte in die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Kuwait unternommen.

Dr. Dorothee Weitbrecht
ist Historikerin und Vorstand der „Elisabeth Käsemann Stiftung. Internationaler Dialog für Erinnerung und Demokratie“.

Larissa Wyss,
BLaw, hat in ihrer Masterthesis an der Universität Basel das Thema Korruption und Menschenrechte rund um die Vergabe der FIFA-Fussball-Weltmeisterschaft untersucht. Zurzeit unterstützt sie die Ausarbeitung einer einheitlichen Regulierung für Sportverbände durch das Basel Institute on Governance (Basel Sports Governance Rules).