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Produktinformationen

Die DDR ist nach 1990 zu einem Gegenstand von Geschichtsunterricht geworden, der für viele Schülerinnen und Schüler so fern ist wie jeder andere. Zugleich aber ist die DDR für manche Lehrkräfte und Eltern gelebte Erinnerung. Was im Unterricht über sie gelernt werden soll, ist allerdings das Ergebnis gesellschaftlicher Debatten um Aufarbeitung und Erinnerung. In diesen dominiert ein „Diktaturgedächtnis“, das den Erzählungen in Familie und Medien vom Alltag in der DDR häufig widerspricht.

Anhand einer Analyse von konkretem Geschichtsunterricht, Lehrplänen, Schulbüchern, Geschichtsausstellungen und Interviews untersucht die vorliegende Studie, welche Erzählungen über und Deutungskonflikte um die DDR im Unterricht auftauchen und wie diese verhandelt werden. Der Unterrichtsvergleich zwischen Leipzig, Frankfurt am Main und Paris zeigt die Standortgebundenheit mancher Debatten, aber auch Anschlussmöglichkeiten für DDR-Geschichte an europäische Geschichte und die Geschichte der Arbeiterbewegung.

Inhaltsübersicht

Danksagung

1. Einleitung

1.1 Analyseebenen

1.2 Forschungsstand

1.3 Methodische Umsetzung und Korpus

1.4 Gliederung der Arbeit

2. Theoretische Annäherung: Vermittlung von DDR-Geschichte

2.1 DDR-Deutungen zwischen Wissenschaft und Geschichtspolitik

2.1.1 SED-Staat

2.1.2 Mitmachdiktatur

2.1.3 Fürsorgediktatur

2.1.4 Die ostdeutsche Gesellschaft

2.1.5 Herrschaft und „Eigen-Sinn“

2.2 Historische Meistererzählung und roman national

2.3 Erinnerungsforschung und kollektives DDR-Gedächtnis in Deutschland und Frankreich

2.3.1 Das Potential der Erinnerungsforschung und ihre Grenzen

2.3.2 Wer erinnert sich an die DDR?

2.4 Wissenssoziologische Theorien zur Aneignung von Geschichte

2.4.1 Das Familiengedächtnis

2.4.2 Wissensvermittlung im Geschichtsunterricht

2.4.3 Bilder und Erzählungen

3. Die geschichtspolitisch intendierte Vermittlung von DDR-Geschichte

3.1 Akteure der schulischen Bildung

3.1.1 Bildungsministerien und Lehrpläne für den Geschichtsunterricht

3.1.2 Die Produktion von Schulbüchern als Aushandlungsprozess

3.2 Das Feld der außerschulischen Bildung in Deutschland und Frankreich

3.2.1 Debatten um die museale Darstellung der DDR

3.2.2 Die großen Geschichtsausstellungen in Deutschland und in Frankreich und ihre DDR-Darstellung

3.2.3 Museumspädaogik für Schulklassen

4. Die Vermittlungsmedien: Schulbücher und pädagogische Materialien

4.1 DDR-Geschichte im Schulbuch zwischen 1990 und 2009

4.1.1 Stand der Schulbuchforschung um 1990

4.1.2 Die DDR in deutschen Geschichtsbüchern 1990–1999

4.1.3 Die DDR in französischen Schulbüchern 1990–2011

4.1.4 Die DDR in deutschen Geschichtsbüchern 1999–2007

4.2 Darstellungen der DDR in Schulbüchern der dritten Generation nach 1990

4.2.1 DDR-Geschichte in französischen Geschichtsbüchern

4.2.2 DDR-Geschichte in französischen Deutschlehrwerken

4.2.3 DDR-Geschichte im Europäischen Geschichtsbuch und im deutsch-französischen Geschichtsbuch Histoire/Geschichte

4.3 Deutungen der DDR in Schulbüchern der dritten Generation: Mauer, Jugend, Stasi und Antifaschismus

4.3.1 Die Mauer im Schulbuch: Europäisierung der Teilungsgeschichte

4.3.2 Jugend in der DDR: Alltag und Arrangementgedächtnis im Schulbuch

4.3.3 Die Stasi im Schulbuch: die DDR als „Unrechtsstaat“

4.3.4 Antifaschismus in der DDR: Gründungsmythos und Fortschrittsgedächtnis im Schulbuch

5. Die Praxis der Vermittlung: DDR-Geschichte im Unterricht

5.1 Materielles Erbe, Familienloyalitäten, Diktatur- und Arrangementgedächnis: DDR-Geschichte in der 10b in Leipzig

5.1.1 Institutionelle Rahmungen des Unterrichts

5.1.2 Intendierte und implizite Wissensvermittlung im Unterricht

5.1.3 Narrative

5.1.4 Deutungskonflikte

5.1.5 Erinnerungspraktiken der Schülerinnen und Schüler

5.2 Anspruch und Wirklichkeit des „realsozialistischen“ Staates: DDR-Geschichte in der 9D in Frankfurt am Main

5.2.1 Institutionelle Rahmungen des Unterrichts

5.2.2 Intendierte und implizite Wissensvermittlung im Unterricht

5.2.3 Narrative

5.2.4 Deutungskonflikte

5.2.5 Erinnerungspraktiken der Schülerinnen und Schüler

5.3 „Mitmachdiktatur“ oder nur Satelittenstaat der Sowjetunion: DDR-Geschichte in der Terminale ES in Paris

5.3.1 Institutionelle Rahmungen des Unterrichts

5.3.2 Intendierte und implizite Wissensvermittlung im Unterricht

5.3.3 Narrative

5.3.4 Deutungskonflikte

5.3.5 Erinnerungspraktiken der Schülerinnen und Schüler

6. Zusammenfassung und Ausblick: DDR-Geschichte als Streitgeschichte

Literaturverzeichnis

Autor*innen

Marie Müller-Zetzsche, Dr. phil., promovierte am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig und dem Centre d'Etudes Germaniques Interculturelles der Université de Lorraine. Sie arbeitet an der Schnittstelle von Erforschung und Vermittlung zeitgeschichtlicher Themen, zur Zeit für die Stiftung Haus der Geschichte.

Stimmen zum Buch

„Mit der hier zu besprechenden Studie legt die Autorin einen wichtigen Baustein für die geschichtsdidaktische und geschichtspolitische Forschung zum Umgang mit der DDR-Geschichte vor. (...) All dies macht die Studie in jederlei Hinsicht lesenswert und für weitere Forschungen in höchstem Maße anschlussfähig.“

Julia Reuschenbach, Zeitschrift für Geschichtsdidaktik 2021 (20. Jg.)



„Den Clou des Buches aus Sicht des Rez. bietet eine vergleichende Analyse von protokollierten Unterrichtsstunden und -einheiten, die im Jahr 2015 in Schulen in Leipzig, Frankfurt/M. und Paris gegeben wurden. Der Blick richtet sich auf die aufkommenden Deutungskonflikte, für jeden Lehrerausbilder ist das eine ergiebige Vorlage.“

Ulrich Bongertmann, geschichte für heute 4/2020



„Das Buch ist nicht nur lesenswert, weil es unterschiedliche Ebenen der Vermittlung in den Blick nimmt, sondern auch, weil viele Anknüpfungspunkte für weiterführende Forschung aufgezeigt werden.“

Kathrin Klausmeier, www.sehepunkte.de

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