Der historische Verstand
- von
- Mario Carretero
- unter Mitarbeit von
- Elisa Gartner (Ko-Autorin Epilog), Léonce Lupette (Übersetzung aus dem Spanischen)
Alle Gesellschaften erzählen ihre Geschichte ein ums andere Mal, in der Schule und in anderen kulturellen Kontexten. Dabei aber das historische Denken und das Geschichtsbewusstsein zu fördern, ist weniger verbreitet. Denn das bedeutet, die simplifizierten und simplifizierenden Versionen der Vergangenheit infrage zu stellen, die voller nationaler Meistererzählungen stecken. Es ist nötig, diese zu hinterfragen, sich mit den Praktiken von Historikern und Sozialwissenschaftlern auseinanderzusetzen und ein kritisches Denken zu entwickeln. Mit zahlreichen Beispielen aus der Geschichte verschiedener Länder und in verständlicher Sprache, die sich an ein breites Publikum richtet, plädiert Mario Carretero in diesem Buch für eine Geschichtsvermittlung, die sich auf das Verständnis der Komplexität von Geschichte und auf die Entmystifizierung der traditionellen Erzählungen stützt.
Das ursprünglich in spanischer Sprache verfasste Buch wurde bereits ins Englische, Französische und Italienische übersetzt. Das Buch enthält einen Epilog über die aktuellen Herausforderungen der KI für die Geschichtsvermittlung.
Dieser Titel erscheint voraussichtlich im November 2026
| Bestellnummer: | 41813 |
|---|---|
| EAN: | 9783734418136 |
| ISBN: | 978-3-7344-1813-6 |
| ISSN: | 3053-6898 |
| Reihe: | Wochenschau Wissenschaft |
| Erscheinungsjahr: | 2027 |
| Seitenzahl: | 232 |
Einleitung. Der menschliche Verstand im Angesicht der Echos der Vergangenheit
1. Erstaunen und Konflikt reichen in die Vergangenheit
Die Konstruktion von historischem Wissen
Das Echo der Vergangenheit: zwischen unserem Verstand und dem sozialen und kulturellen Kontext
Die Macht der Identität über das historische Bewusstsein
Die Debatte über die Verwendung der Geschichte
Das Spannungsfeld zwischen Erinnerung und Geschichte
Gibt es die Vergangenheit nur unter einem nationalen Vorzeichen?
2. Wozu wird Geschichte gelehrt?
Von der Heimatliebe zum historischen Denken
Die kulturellen und pädagogischen Kämpfe um die Geschichte
Politische Diskurse, historische Rekonstruktionen und andere Mechanismen der Idealisierung der Vergangenheit
Die unübertroffene Macht der Vergangenheit: Orwell dixit
Faszinierende Beziehungen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
3. Das Verständnis von Meistererzählungen in der Schule:
vom Mythos zum Logos
Schulische Geschichtsformen als grundlegendes Element in der symbolischen Konstruktion von Nationen
Geschichtsunterricht und Identität
Historisches Denken als Bildungsziel
Konzepte im Geschichtsunterricht
4. Die Verwendung von Quellen im Geschichtsunterricht. Darstellungen und Bilder der Kolonisierung
… und das Blut kam danach
Empfang von Opfergaben oder Beschaffung von Gegenständen aus Gold?
Die Kolonisierung in den Köpfen der Schüler: friedlich, gewalttätig oder gemischt?
Wie lässt sich ein Geschichtsbild analysieren? Vom Realismus zur Interpretation
5. Karten und Territorien im Geschichtsunterricht
Historische Karten und nationale Meistererzählungen
Wie verändern sich nationale Territorien?
Nationen und Grenzen in den Köpfen der Schüler
Die Existenz von Mauern zwischen Ländern und historisches Denken
Die Grenze zwischen den USA und Mexiko – was sagt die Geschichte?
Die Berliner Mauer. Ein didaktisches Beispiel zur Förderung des historischen Denkens
6. Schlussfolgerungen (und einige Vorschläge für den Unterricht)
Das Gedächtnis ist ein Minenfeld
Ist es möglich, den historischen Dialog zu lehren?
Zurück zum historischen Denken
Die B-Seite der historischen Erzählung
Beweise und Theorien im Geschichtsunterricht
Epilog. Künstliche Intelligenz und historisches Denken: eine dialogische Erkundung von ChatGPT
zusammen mit Elisa Gartner
ChatGPT®, Geschichtsunterricht und historisches Denken
Die Auswirkung von KI auf das Wissen über die Vergangenheit: Aufgaben und Herausforderungen
Schlussfolgerungen und abschließende Gedanken
Literatur
Mario Carretero
wurde in Marokko geboren und ist dort inmitten einer Vielfalt von Kulturen aufgewachsen. Er ist emeritierter Professor der Universidad Autónoma in Madrid und Forschungsleiter an der Fakultät für Sozialwissenschaften der FLACSO-Argentina, einer länderübergreifenden Organisation zur Forschung, Lehre und Förderung der Sozialwissenschaften in Lateinamerika. Er erhielt ein Guggenheim-Stipendium und war Gastprofessor an den Universitäten von Harvard, Stanford und La Sapienza (Rom). Seine Publikationen zum Umgang mit Geschichte in formalen (Schule) und informellen Kontexten (Viedospiele, Erinnerungskultur, Reenactment) wurden in sechs Sprachen übersetzt. Zurzeit leitet er ein von der Spencer Foundation gefördertes Projekt über die Vermittlung der indigenen Vergangenheit Patagoniens in Argentinien und ist Koordinator des EU-Projektes makinghistories (www.making-histories.eu).
Elisa Gartner
ist Psychologin und promoviert über die Zusammenhänge zwischen neuen Technologien und formalen/informellen historischen Lernprozessen.
Wochenschau Wissenschaft
In diesem Band sind fachwissenschaftliche und fachdidaktische Arbeiten zu Ausdrucksformen des Antisemitismus versammelt. Eine besondere Rolle spielen dabei der Israel-Palästina-Konflikt und seine Rezeption. Dieser Kontext rückt nach der Zäsur des 7. Oktober 2023 ins Zentrum, führt jedoch zu großen Verunsicherungen in Bildungsinstitutionen. Der Autor liefert Bestandsaufnahmen zum Wissen über Antisemitismus und diskutiert Antisemitismus bzw. Antisemitismusdebatten aus der Perspektive mündigkeitsorientierter politischer Bildung. Er erschließt didaktische Materialien zu Antisemitismus und zum Nahostkonflikt und analysiert (fehlende) Themenfelder, (implizit) enthaltene Annahmen und nicht-intendierte Effekte.
Für eine Kultur des Friedens Wie können Konflikte konstruktiv gelöst werden und wie lassen sich Friedensprozesse nachhaltig gestalten? Wie können die Vereinten Nationen, die UN-Charta und das Völkerrecht gestärkt werden? Das Buch analysiert die Risiken, die mit der aktuellen Sicherheitspolitik und der militärischen Aufrüstung verbunden sind. Es liefert Denkanstöße für eine Friedensgestaltung und zeigt Wege auf, wie über Diplomatie und Krisenprävention Konflikte entschärft werden könnten. Das Konzept der Friedenslogik wird vorgestellt und friedenslogisches Handeln erklärt.
Die Frage, wie mit den nationalsozialistischen Verbrechen umgegangen werden soll, beschäftigt die Politik, die Fachwissenschaften und -didaktiken sowie Kunst und Kultur seit dem Ende der faschistischen Herrschaft. Dieser Band schlägt dazu einen breiten, der historisch-politischen Bildung verpflichteten Zugang vor. Die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus und der Shoah steht somit immer auch mit der Gegenwart in Verbindung. Der Einzelne reflektiert über die eigene Lebenswelt sowie seine Eingebundenheit in wirtschaftliche und gesellschaftliche (Herrschafts-)Strukturen. Zugleich wird er angeregt, die Gesellschaft – demokratisch und den Menschenrechten angemessen – mitzugestalten.
Was ist Geschichte? Können wir aus ihr lernen? Ist festzustellen, wie es früher gewesen ist? Geschichten sind Narrationen. Wir erzählen sie standortgebunden und absichtsvoll, um Orientierung zu geben oder zu unterhalten. Unsere Geschichten sind gesellschaftliche Konstruktionen von Wirklichkeit. Sie sind wertvoll, aber sie können uns nicht sagen, wie es früher einmal war. Die Vergangenheit zeigt sich uns dort, wo uns etwas von früher befremdet. In alten Texten und materiellen Dingen, mit denen wir nichts anfangen können, konzentrieren sich die Veränderungen, die sich seit damals vollzogen haben. Sie machen uns neugierig. Sie faszinieren uns. Sie befreien uns von unserer Gegenwart.
Die Digitalisierung prägt Bildung und Didaktik grundlegend – auch in der ökonomischen Bildung. Der Sammelband beleuchtet systematisch Chancen, Herausforderungen und Schnittstellen digitaler Entwicklungen. Die Beiträge zeigen, dass Digitalisierung weit über den Einsatz digitaler Technik hinausreicht: Sie verändert epistemische Grundlagen, didaktische Ansätze, Werthaltungen, Rollenbilder und Kompetenzanforderungen. Die Autor*innen thematisieren unter anderem Einstellungen und Kompetenzen von Lehrenden, erweiterte didaktische Möglichkeiten sowie neue Anforderungen, die die Digitalisierung an die ökonomische Bildung stellt.
Dieser Band versammelt Beiträge zur Bedeutung von Kritik in Bildung und Wissenschaft. Im Fokus steht, wie kritische Fachlichkeiten Forschung, Unterricht und gesellschaftliche Transformationsprozesse prägen.
Europa lässt sich als ein offenes Projekt zwischen Idee und politischer Realität verstehen. Dieser Band zeigt, wie Jugendarbeit und Jugendpolitik darin auftauchen – kritisch, vielfältig und im Spannungsfeld von Konflikten und Gestaltungsmöglichkeiten.
Der Eurozentrismus in vielen Menschenrechtserzählungen trägt zu praktischer rassistischer Diskriminierung bei. Für eine kritische politische Bildung gilt es, die theoretischen Grundlagen historischer Bildung und Forschung zu überdenken und zu verändern.
Wie kann das Sprechen über religiöse Vielfalt gelingen, und welche Rolle kommt der Wissenschaft dabei zu? Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zeigen das in diesem Band.
Anhand von konkreten Unterrichtsmaterialien, didaktischen Kriterien und authentischen Sachinformationen eröffnen mehrheitlich communitybasierte Beiträge praxisnahe Zugänge der Politischen Bildung zum sensiblen wie heterogenen Themenfeld.
Was darf Kunst? Dieser Frage gehen die einzelnen Beiträge an konkreten Fallbeispielen aus der Unterrichtspraxis nach. Dabei stehen die Grenzen und Freiheiten von Kunst unter dem Aspekt von Demokratie- und Medienbildung im Fokus.
Seit gut einem Jahrzehnt prägen Kompetenzmodelle und Entwürfe für Bildungsstandards die Diskussionen der Politikdidaktik. Jedoch beruht die bisherige Form dieser „Kompetenzorientierung“ – so die These des vorliegenden Buches – auf der weitgehend unreflektierten Umsetzung bildungspolitischer Vorgaben und dem zweifelhaften Argument der „Anschlussfähigkeit“. Entgegen aller Messbarkeitseuphorie zeigt Christian Meyer-Heidemann die Einseitigkeiten und Widersprüche der so genannten „Empirischen Wende“ der Politikdidaktik auf. Er rehabilitiert einen umfassenderen Anspruch politischer Bildung, der sich nicht auf eine Vermittlung von testbarem Wissen oder einen messbaren Einstellungswandel reduzieren lässt. Seine Argumentation ist inspiriert vom Denken des kanadischen Sozialphilosophen Charles Taylor, dessen wissenschafts- und politiktheoretische Einsichten – gemäß dem politiktheoretischen Ansatz der Politischen Bildung – für zeitgenössische Diskurse der Politikdidaktik herangezogen werden. Schließlich gelangt Meyer-Heidemann zu dem Fazit: Politische Bildung dient vor allem der Selbstbildung und das ihr angemessene Leitbild ist eine gelingende Bürgeridentität.
Rechte Cliquen sind mit ihrem Stil, ihrer Musik, ihren Protestformen und Einstellungen zu einem Bestandteil der deutschen Jugendkultur geworden. Sie stellen Politik, Zivilgesellschaft und Pädagogik vor Herausforderungen, die für die demokratische Entwicklung, politische Kultur und das soziale Klima des Zusammenlebens von besonderer Bedeutung sind. Die vorliegende zweite „Hessenstudie 2007“ untersucht erneut nach der ersten „Hessenstudie 1999“ die Erscheinungs- und Handlungsformen von rechten Jugendcliquen und geht der Frage nach, ob es sich um ein episodales oder um ein längerfristiges, sich verstetigendes Phänomen handelt. Dabei werfen die Autoren einen besonderen Blick auf politische und pädagogische Reaktionen und Umgangsformen in hessischen Kommunen.
Politische Bildung außerhalb der Schule – mitten in der Gesellschaft. In diesem Sammelband werden neue Orte und wichtigen Fragestellungen für die außerschulischen politischen Bildung untersucht. Was gibt es für neue Lernorte und Ansätze im Handlungsfeld, welche Herausforderungen zeigen sich und wie begegnen ihnen politische Bildner:innen?
Der Titel „Selbstständig“ der Festschrift für Andreas Körber betont das Ziel des Geschichtslernens, Schüler:innen zum eigenständigen historischen Denken zu befähigen. Spannende Beiträge adressieren Schwerpunkte von Körbers Arbeit und der Forschung.
Das Buch befasst sich mit der Geschichtsdidaktik in der Weimarer Zeit und in der Zeit des Nationalsozialismus und zeigt ihre Einbindungen in das Feld des Politischen, wie in die Geschichtskulturen jener Zeit.