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Lange Zeit galten die USA im Geschichtsunterricht als das leuchtende Beispiel für eine stabile, durch checks and balances austarierte Demokratie. Doch dieses Bild hat tiefe Risse bekommen. Diese Ausgabe widmet sich schwerpunktartig der Frage, warum die Erosion des US-amerikanischen Systems nicht nur ein Thema der Politikwissenschaft, sondern eine Kernaufgabe für den Geschichtsunterricht ist.
How do exams assess historical learning today? Take a look into 28 history exams from around the world.
Der Eurozentrismus in vielen Menschenrechtserzählungen trägt zu praktischer rassistischer Diskriminierung bei. Für eine kritische politische Bildung gilt es, die theoretischen Grundlagen historischer Bildung und Forschung zu überdenken und zu verändern.
Der Begriff „postfaktisch“ – 2016 Wort des Jahres – konnotiert eine Zeit, in der Ideen der Aufklärung wie der Bezug zur Wissenschaft oder das Bemühen um Rationalität verdrängt werden von Fake News, Irrationalität und Emotionalität. Gefühlte Wahrheiten oder populistische Narrative werden politisch wie gesellschaftlich wirkungsmächtiger als wissenschaftliche Erkenntnisse oder überprüf- und belegbare Fakten. Soziale Medien verstärken den Einfluss von Fake News und gezielt gestreuten Narrativen auf die individuelle wie öffentliche Meinungsbildung. Damit verliert die schulische Bildung einen ihrer wesentlichsten Bezugspunkte: die Auseinandersetzung mit einer real existierenden Außen- und Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler im fachlichen wie erzieherischen Bildungsprozess hin zur Entwicklung einer kritisch-mündigen Persönlichkeit. Ideologiekritik in einer postfaktischen KI-Ära muss sich diesen Herausforderungen für Geschichtslehrerinnen und -lehrer stellen. Diese Ausgabe von gfh beginnt mit einem Interview: Klaus Uhrig ist Gründer und Geschäftsführer der Medien-Produktionsfirma Plotprodukt, die gerade an einem Podcast über Leni Riefenstahl arbeitet – „[…] und Riefenstahl lügt, sobald sie den Mund aufmacht“ (Klaus Uhrig). Philipp McLean widmet sich in seinem Beitrag fachwissenschaftlicher Theorie und wirft theoretische Perspektiven auf Ideologiekritik in der historischen Bildung. Unterrichtspragmatisch greift Jochen Pahl dann das Konzept der immanenten Kritik auf und entwickelt methodische, materialgestützte Herangehensweisen für den Geschichtsunterricht am Beispiel von Leni Riefenstahl. Pahl arbeitet als „transformatives Potenzial“ (Philipp McLean) von Ideologiekritik den Gegenwartsbezug am Beispiel des Themas „Kunstfreiheit“ heraus. Er führt alle drei Beiträge – Interview zum Leni-Riefenstahl-Podcast, Ideologiekritik in Theorie und Unterrichtspraxis – zusammen und rundet das vorliegende Heft damit ab.
Fremdheit und Fremdverstehen – zwei eindeutige Begriffe? Wohl kaum. In dem vorliegenden Band wird Fremdheit, ausgehend von der Phänomenologie des Fremden nach Bernhard Waldenfels, für den geschichtsdidaktischen Diskurs gänzlich neu gedacht.
Für den Nahostkonflikt gilt noch mehr als sonst, dass man die heutige Situation und ihre Konflikte nicht ohne ihre Vorgeschichte verstehen kann. Dieses Heft setzt sich mit verschiedenen Aspekten im Kontext von Antisemitismus, dem 7. Oktober 2023 und seinen Folgen auseinander. Dabei geht es unter anderem um die Israelforschung an deutschen Universitäten, die Darstellung jüdischer Geschichte in Schulgeschichtsbüchern und die Dekonstruktion von Erklärungsmustern für den Nahostkonflikt.
Die Renaissance der Raumdimension der Geschichte erfordert eine Neubewertung des Raummediums Karte im historischen Lernen. Der vorliegende Band behandelt erstmals sowohl historische Karten als auch Geschichtskarten gemeinsam: Historische Karten werden als Quellen in Gattungen unterschieden, die zu interpretieren sind. Geschichtskarten werden als raumbezogene Darstellung historischer Ereignisse, Prozesse und Strukturen aus der Perspektive der Gegenwart verstanden, die Gegenstand einer Kritik sein müssen. Um der Kartengläubigkeit vieler Schülerinnen und Schüler entgegenzuwirken, ist ein Verständnis des komplexen Charakters kartographischer Modellbildung unerlässlich. Deshalb erschließt der Band die Grundlagen des multimodalen Zeichensystems von Karten und enthält zudem eine Fülle von Hinweisen zu methodischen Verfahren sowie unterrichtspraktische Vorschläge zu allen Epochen.
Der Titel „Selbstständig“ der Festschrift für Andreas Körber betont das Ziel des Geschichtslernens, Schüler:innen zum eigenständigen historischen Denken zu befähigen. Spannende Beiträge adressieren Schwerpunkte von Körbers Arbeit und der Forschung.
Sven Neeb untersucht das Verhältnis zwischen Akzeptanz digitaler Medien und historischem Lernen. Dabei widmet er sich basierend auf umfassenden Datenerhebungen Fragen nach Erfahrungen und Kompetenzen sowie nach Potenzialen und Problemen im Umgang mit digitalen Medien im Geschichtsunterricht.
Das Buch befasst sich mit der Geschichtsdidaktik in der Weimarer Zeit und in der Zeit des Nationalsozialismus und zeigt ihre Einbindungen in das Feld des Politischen, wie in die Geschichtskulturen jener Zeit.
Die Autor*innen dieses Bandes fragen nach der ästhetischen Dimension gegenwärtiger Geschichtskulturen, ihren Formen und Orten und nehmen dadurch das Verhältnis von kultureller, ästhetischer und historisch-politischer Bildung in den Blick.
Geschichtsdidaktische Theorie und Empirie bedingen sich gegenseitig. Wie können sie voneinander profitieren? Wie setzen sie sich ins Verhältnis, um Anregungen für die Forschungspraxis zu generieren?
Angesichts der Rückkehr von Krieg und Gewalt ist das Thema des Bonner Historikertags 2025 „Dynamiken der Macht“ hochaktuell. Für die Geschichtswissenschaft ist die Analyse von Machtbeziehungen zwischen Staaten, zwischen sozialen Gruppen und in den Geschlechterbeziehungen ein Dauerthema. Neue Ansätze aus den Kulturwissenschaften haben die Perspektiven der Forschung verändert, die Vielfalt der Themen und die Pluralität der Ansätze im Fach erheblich ausgeweitet. Einen Überblick liefert der Vorsitzender des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD), Lutz Raphael.Der Westfälische Frieden 1648 zählt zu den bedeutendsten Friedensschlüssen Europas. Er ist ein fester Bestandteil europäischer Erinnerungskultur und wird auch heutzutage immer wieder öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzt. Michael Rohrschneider zeigt in seinem Beitrag, dass dieser Frieden stets als Projektionsfläche diente, um politische Botschaften zu vermitteln, und dass die Frage, ob man von diesem wertegeleiteten Referenzfrieden auch mit Blick auf aktuelle Friedensstiftungsprozesse etwas lernen könne, gegenwärtig auf großes Interesse stößt.
Die unterschiedlichen politischen Systeme beeinflussen auch die Verbände, die in ihnen tätig sind. Der Verband der Geschichtslehrer Deutschlands (VGD) hat in den 100 Jahren seit seiner Gründung 1913 vielseitige Wandlungen hinter sich. Der Verband durchlebte Monarchie und Republik, Diktatur und Diktaturbewältigung, Zentralismus und Föderalismus in der Bildungspolitik. Geschichtsunterricht gab es in dieser Zeit immer – und auch die Sorge um Art und Qualität des Geschichtsunterrichts kam nie zum Erliegen. Der VGD verstand sich dabei als Sachwalter, der sich für die Interessen der Geschichtslehrer/innen, insbesondere aber auch für die Anliegen eines vermittelbaren Geschichtsunterrichts einsetzte. Das vorliegende Buch untersucht die Arbeit des Verbandes in den wechselnden Systemen eines Jahrhunderts.
Das Buch begründet ein geschichtstheoretisch fundiertes, praxisorientiertes Planungsmodell für Geschichtsunterricht, durch den die komplexe Fähigkeit historische Urteilskompetenz von Lernenden wirksam und nachhaltig auf- und ausgebaut werden kann.
Der Band „Geschichte lernen digital“ widmet sich dem historischen Lernen in der digital geprägten Lernumgebung segu. In einer Angebot-Nutzungs-Studie analysiert Lena Liebern zum einen das Lernangebot der Plattform. Zum anderen wertet sie den Umgang von Schüler*innen mit digitalen Medien aus. Dabei steht die (non)verbale Kommunikation über verschiedene Aufgabenformate im Fokus, um Praktiken historischen Denkens zu rekonstruieren. Die Autorin stellt heraus, dass digital geprägte Lernumgebungen den Geschichtsunterricht nicht radikal verändern, sondern eine Veränderung der kulturellen Praktiken im Umgang mit Quellen und Darstellungen hervorgerufen haben.
Michael Sauer ist einer der bekanntesten Geschichtsdidaktiker Deutschlands, der zu vielen Aspekten der Disziplin publiziert hat. In dieser Festschrift greifen Kolleginnen und Kollegen Sauers Impulse auf und setzen sich damit auseinander.